Westcrown vermietet an Wißmann Dissener Jazz-Club bekommt schmackhafte Gesellschaft

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Dissen. Der Jazz-Club behält sein Zuhause im Dissener Bahnhof, Klar, dass der Vereinsvorsitzende Hans Biewener überglücklich ist. Und er bekommt Gesellschaft. Nebenan zieht die Firma Wißmann mit dem Saalbetrieb „Lokschuppen 66“ ein, auf den sich Sarah und Manuel Wißmann sehr freuen. Ein musikalisch-kulinarisches Duett also, mit dem auch Hausherr Westcrown höchst zufrieden ist.

Westcrown ist neuer Eigentümer der Immobilie. Der denkmalgeschützte Bahnhof gehörte zur Insolvenzmasse der Rindfleischsparte der Firma Gausepohl, die die Genossenschaften Westfleisch und Danish Crown als Westcrown übernommen haben. „Aktuell zerlegen wir täglich 11000 Schweine am Standort Dissen“, berichtet Geschäftsführer Mario Kohlwes, der den Betrieb gemeinsam mit Heinrich Blick leitet.

Finanzstarker Vermieter

Damit haben Wißmann und der Jazz-Club einen finanzstarken, seriösen Vermieter an ihrer Seite, sind sich die beiden einig. „Ich habe absolutes Vertrauen in das Unternehmen“, sagt Hans Biewener. Das Denkmal erhalte eine sinnvolle Nutzung und werde so erhalten. „Das sichert auch unsere Zukunft“, meint Biewener, dem die vergangenen Jahre einige Sorgenfalten in die Stirn gemeißelt hatten , die Westcrown in den letzten Wochen wieder ausbügelte.

„Wir haben den Jazz-Club ab 1992 mit enormen Eigenleistungen in Schuss gebracht.“ Schon ein Jahr später wollte der Club das Gebäude kaufen. Die vom Land betriebene Reaktivierung der Bahnhöfe ließ den Traum zerplatzen – ebenso wie das Gebot, mit dem Franz Gausepohl die Jazz-Freunde dann überholte. „Wir hatten unsichere Zeiten“, denn der Jazz-Club war plötzlich nur noch gekündigter, aber geduldeter Mieter.

Mindestens zehn Jahre

Das ist jetzt Vergangenheit: Der Club darf die Jazz-Fans der Region mindestens weitere zehn Jahre im vorderen Teil des Bahnhofs begrüßen. Den hinteren Teil renovieren Manuel und Sarah Wißmann. Sie haben die Immobilie für 25 Jahre gepachtet und vermieten den kleineren Teil an den Musik-Club.

„Das ist das Beste, was dem Gebäude passieren konnte“, ist Biewener überzeugt, und Mario Kohlwes pflichtet ihm bei. „Das Objekt wird belebt, das finden wir sehr schön. Außerdem können wir damit etwas für den Standort Dissen tun.“

Der Traum der jungen Wißmanns: Hochzeiten, Geburtstage, Betriebsfeste, eben alles, was ein Saalbetrieb bietet, wobei weiterhin in Dissen-Aschen gekocht wird. „Wir wurden so oft angesprochen, ob wir nicht einen Raum haben“, erzählt Manuel Wißmann. Nun haben sie einen: im Dezember soll alles fertig sein.

Der Ticketschalter bleibt

Und Alles ist eine Menge. Der neue Estrich im Saal ist schon gegossen, eine Klimaanlage wird eingebaut das Dach abgedichtet, das Vordach abmontiert, sandgestrahlt und neu gestrichen. Im Foyer soll das typische Bahnhofsgrau Akzente setzen. Um die 300000 Euro investiert Wißmann in den 600 Quadratmeter großen „Lokschuppen 66“.

„Auch der Ticketschalter wird bleiben“, berichtet Sarah Wißmann. Zur Zierde, denn die Gäste, die ganz bequem mit dem Haller Willem von Bielefeld oder Osnabrück anreisen, bekommen ihre Tickets weiterhin auf dem Bahnsteig.


Schweizer Fachwerk

Mit dem Bahnhof gehört Westcrown ein Gebäude mit Geschichte. Schiefergetäfelt, von Fachwerk gehalten, mit Wartesälen für die erste und zweite Klasse, war das lange Gebäude als erster Hildesheimer Bahnhof 1846 von den „Königlich Hannöverschen Staatseisenbahnen“ eröffnet worden. Der Bau im Schweizer Fachwerk wurde rasch zu klein. 1884 begann man deshalb, ihn Stein für Stein und Balken für Balken abzutragen und nach Bielefeld-Brackwede zu verladen. Aufgebaut wurde der Bahnhof aber nicht im Westfälischen, sondern in Dissen an der Bahnlinie Osnabrück-Brackwede. Einhundert Jahre später kam das Aus für den Personenverkehr, bald darauf auch für Güter. Vorläufig. 2005 wurde die Strecke reaktiviert. Seit 1992 residiert der Jazz-Club in dem alten Gemäuer.

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