Lernstandort Noller Schlucht „Jugendwerkstätten sollen wirtschaftlich werden“

Finanzielle Schieflage im Lernstandort Noller Schlucht. Foto: David EbenerFinanzielle Schieflage im Lernstandort Noller Schlucht. Foto: David Ebener

Dissen. Niemanden verloren geben: Diesem Motto wollen Landkreis, Städte und Gemeinden nach wie vor treu bleiben. Dennoch müssen die Lernstandorte und Jugendwerkstätten im Kreis an ihrer Wirtschaftlichkeit arbeiten. Derzeit an der Reihe: der Lernstandort Noller Schlucht in Dissen.

„Alles, was nicht wirtschaftlich ist, ist nicht überlebensfähig“, sagt Kreisrat Matthias Selle. In diesem Zusammenhang soll auch für die Jugendwerkstatt eine „breite wirtschaftliche Basis schaffen“, wie Geschäftsführer Derk van Berkum bei einer Ausschusssitzung in Glandorf erklärte. Finanziell getragen wurde der Lernstandort mit den Jugendwerkstätten bisher nur vom Landkreis Osnabrück und der Stadt Dissen. „Wir möchten nun die anderen Kommunen mit ins Boot holen“, erklärt der Bürgermeister Dissens, Hartmut Nümann. Seitdem geht das Thema durch die Ausschüsse von Hilter, Bad Rothenfelde, Bad Laer, Bad Iburg, Glandorf und Melle. Sie alle sollen zu Gesellschaftern der Noller Schlucht gGmbH werden. Zugestimmt hat bisher nur Bad Rothenfelde. Glandorf und Bad Laer haben sich in den Ausschusssitzungen positiv geäußert.

Finanzielle Schieflage

Eine tief greifende Veränderung – da scheinen sich, die meisten Beteiligten einig zu sein – war überfällig. Die finanzielle Situation des Lernstandortes sei Dissens Bürgermeister Nümann zu Folge stets auf Kante genäht gewesen. Neben dem Landkreis und Dissen konnte die Noller Schlucht jedoch lange Zeit auf andere Unterstützer zählen: „Abgefedert wurde die Situation durch eine Stiftung“, erläutert der Landrat Michael Lübbersmann. Diese Finanzspritze sei jedoch seit geraumer Zeit entfallen. Die Einnahmen schrumpften über die Jahre also, während die Ausgaben stetig stiegen: Denn die Aufgaben der pädagogischen Einrichtung hätten sich verändert. Die Folge: Immer mehr Personal musste eingestellt werden.

Gerechtere Verteilung

Neben dieser finanziellen Schieflage, ist das jetzige Finanzierungssystem ungerecht. Denn neben 198 Kindern und Jugendlichen aus Dissen profitierten zwischen 2010 und 2015 auch 381 junge Leute aus anderen Südkreiskommunen und Melle von der Einrichtung. Schon 2014 machte der Dissener Rat eine stärkere Fokussierung auf die Stadt zu einer Voraussetzung für weitere finanzielle Unterstützungen. Der Dissener Bürgermeister Hartmut Nümann hatte daher bereits seit einiger Zeit die Idee, die Finanzierung des Lernstandorts mit 15 Mitarbeitern und 20 Honorarkräfte gerechter zu verteilen.

Landkreis moderiert

„Denn es gibt keine weitere Einrichtung dieser Art in der Nähe“, betonte der Landrat. Sie sei daher unverzichtbar : Jugendliche, die aus vielfältige Gründen Probleme mit Berufsstart und Schule haben, würde dort stets geholfen. Auch im Bereich der Umweltbildung ist der Lernstandort aktiv. Durch die Moderation des Landkreises, kam es schließlich zu dem aktuellen Vertrag. Wenn alle Räte zustimmen, kaufen sie jeweils 1/8 der Geschäftsanteile im Wert von 3125 Euro. „Das Geld ist nicht verloren“, versprach Derk van Berkum in Glandorfs Sozialausschuss. Statt dessen dient sie als Kapitaleinlage. Hinzu käme eine jährliche Zahlung, die sich danach richtet, wie viele das Angebot annehmen.

Noller Schlucht rechnet sich

Doch damit nicht genug. „Um die Einnahmenseite zu stärken, sollen außerdem vermehrt Anträge auf Fördergelder gestellt werden“, erklärt Selle. Um die größtenteils pädagogischen Mitarbeiter in die komplexe Welt der Anträge einzuführen, wird ihnen ein Unternehmensberater zur Seite gestellt. „Man könnte zum Beispiel noch mehr im Bereich der Flüchtlingshilfe tun“, so Selle. Um die Effizienz noch weiter zu steigern, sollte langfristig über eine Zusammenarbeit aller Jugendwerkstätten des Kreises nachzudenken. „Es fehlte lange an kaufmännischer Expertise“, erklärt Michael Lübbersmann. Doch unabhängig davon: „Die Noller Schlucht rechnet sich immer“, betont Selle. Denn die Hilfesuchenden hätten sonst keine Anlaufstelle. Langfristig werde sich auch die finanzielle Situation verbessern.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN