Vor Besuch im Landtag in Hannover Dissener Krankenhaus: Offener Brief an Ministerin

Von Stefanie Adomeit


Dissen. Am Freitag fahren die Aktivisten für eine Akut- und Notfallversorgung in Dissen zum Landtag nach Hannover. UWG-Ratsfrau Maren Öynhausen hat im Vorfeld in einem deutlichen Schreiben an Sozialministerin Rundt die Forderung nach einem Medizinischen Versorgungszentrum samt Akutversorgung bekräftigt.

In der Zeit der wöchentlichen Demos – inzwischen sind es 80 – hätten die Dissener immer mehr Absurditäten des Gesundheitswesens kennengelernt: „Wir wissen jetzt, wie viel im Argen liegt, wie viel Ungerechtigkeit Bürger hinnehmen müssen, wie hilflos wir den ‚Reformen‘ ausgeliefert sind.“ Dazu gehöre auch, dass nun im benachbarten Nordrhein-Westfalen Klinikbetten abgebaut werden sollen – die das Rundt-Ministerium noch vor Kurzem der Versorgung des Osnabrücker Südkreises zurechnete.

Erst die Diakonie, dann die Osnabrücker

Öynhausen erinnert die Sozialministerin an die bewegte Geschichte des Krankenhauses und ihrer Eigentümer: „Wir hier in Dissen wurden verladen von einer unverantwortlichen Diakonieleitung, die unser Krankenhaus für einen Spottpreis an das Klinikum Osnabrück verscherbelt hat. Genau an die Einrichtung, die schon seit Jahren durch Finanzskandale, Arbeitsgerichtsprozesse und unerträgliche Überforderung des Personals auf sich aufmerksam macht .“

Den besorgten Kommunalpolitikern im Südkreis seien himmelschreiende Versprechungen gemacht worden: von der modernsten Klinik-Technik bis zur Zusammenarbeit mit dem Osnabrücker Klinikum. Bei diesen Gesprächen sei sie selbst dabeigewesen. Parallel hätten Sanierer das Dissener Klinikpersonal durch Outsourcing, Hinhalten und Einschüchtern zermürbt.

Kein Versprechen gehalten

Die Landespolitik habe ein Übriges dazu beigetragen. „Erst Versprechen, aber dann Hinhalten der eigentlich zugesagten Gelder unter der CDU-Regierung.“ Und „dann waren die SPD und Sie am Ruder, sehr geehrte Frau Rundt . Und dann ging ja auch alles ganz schnell“, schreibt Maren Öynhausen.

Nun profitiere GMHütte vom Aus des Dissener Klinikums – und habe damit zwei Krankenhäuser. „Schon totgesagt, weil sie mit ihren Abteilungen nach Dissen verlegt werden sollte, ist die Klinik in GMHütte jetzt voll ausgelastet, sehr zum Erstaunen der dortigen Kommunalpolitiker, die ihr Krankenhaus ja schon abgeschrieben hatten.“

Dissen einfach vergessen

Und Dissen? Als Bewohner des früheren Krankenhauses seien 600 Flüchtlinge vorgesehen. Polizeikräfte jagten zu Übungszwecken durch das „geplünderte Gebäude und erschrecken die Menschen ringsum “. Das alles sei gegenüber der Stadt Dissen mit vielen „kleinen Leuten“, Zuwanderern aus ganz Europa und den Krisengebieten der Welt und aktuell auch 150 Menschen aus Rumänien, die in der Fleischindustrie arbeiten, und ihren Familien ein unglaubliches Verhalten.

Es fehle an einem zweiten Kinderarzt, doch die Kassenärztliche Vereinigung (KV) verweigere den Sitz. „Ebenso unglaublich ist der Zynismus der KV, wenn sie auf die ausreichende Anzahl der Fachärzte im Speckgürtel von Osnabrück verweist oder auf die medizinisch sehr gut versorgte Stadt Melle. Wie soll man dort hinkommen?“, fragt Öynhausen. Schließlich habe Dissen den höchsten Anteil an Versorgungsempfängern, deren Einkommen oft nicht für eine Fahrkarte reiche.

Misswirtschaft und falsche Politik

Ihr Resumee: „Dissen ist der Misswirtschaft der Verantwortlichen und der menschenverachtenden Gesundheitspolitik der vergangenen Jahre zum Opfer gefallen“.

Und dann fordert Maren Öynhausen Cornelia Rundt zum Selbstversuch auf: „Testen Sie doch mal, wie lange ein Aufsuchen der empfohlenen Kliniken in Melle, in Osnabrück am Finkenhügel oder im Marienhospital mit öffentlichen Verkehrsmitteln dauert.“

Der Dissener Bus zum Landtag nach Hannover fährt am Freitag um 6 Uhr vom Feuerwehr-Parkplatz ab und kommt gegen 17.30 zurück. Die Teilnahme an der Fahrt kostet 5 Euro. Die Mitfahrer nehmen an einer Plenarsitzung teil, zusätzlich ist ein Rahmenprogramm geplant.