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Bombendrohung Dissen: Produktion bei Schulte wieder aufgenommen

Von Andrea Pärschke

Langsam kehrt rund um Schulte Fleisch- und Wurstwaren Ruhe ein. Die Polizei ermittelt auf Hochtouren. Foto: Anke SchneiderLangsam kehrt rund um Schulte Fleisch- und Wurstwaren Ruhe ein. Die Polizei ermittelt auf Hochtouren. Foto: Anke Schneider 

Dissen. Große Erleichterung bei Schulte Fleisch- und Wurstwaren in Dissen. Nachdem keine Bombe auf dem 17000 Quadratmeter großen Areal gefunden wurde, konnte der Betrieb mit der Tagesschicht wieder aufgenommen werden.

30 Polizeikräften, 60 Feuerwehrleuten und 40 Einsatzkräften der Rettungsdienste waren am Donnerstagabend im Einsatz, um Schultes Fleisch- und Wurstwaren Raum für Raum zu durchsuchen. Auch das Außengelände wurde überprüft. „Die Polizei nahm die Drohungen ernst“, berichtet der Unternehmenssprecher Markus Eicher. Die Produktion wurde ausgesetzt das Gebäude evakuiert. „Wir haben die Mitarbeiter informiert, von denen wir sicher wussten, dass sie nicht arbeiten können“, so Eicher. Die Tagschicht für Freitag ist dann aber komplett gekommen und konnten auch schon am Morgen wieder anfangen. „Wir haben im Grunde keine Angst“, beschreibt der Betriebsrat Holger Steuer die Gefühlslage der Mitarbeiter. Das Vertrauen in die Polizeikräfte, die bis drei Uhr vor Ort waren, sei groß. „Wir gehen einfach davon aus, dass eine Bombe gefunden worden wäre“, so Steuer weiter.

Als wenn nichts gewesen wäre

Auch der Schulleiter der Realschule Dissen, Jan Wessels, fand am Morgen das Gebäude und die Turnhalle vor, als sei nie etwas gewesen. In der Nacht war in der Turnhalle der Schule ein Evakuierungszentrum eingerichtet worden, denn das Gelände rund um die Firma ist großflächig abgesperrt worden. Anwohner mussten ihre Häuser verlassen oder konnten nicht mehr dorthin zurück. „Viele sind bei Familienmitglieder untergekommen“, berichtet eine der Anwohnerinnen Birgit Conrad. Sie selbst ist schließlich zu ihren Eltern gefahren. Kurz vor sechs Uhr morgens kehrte sie wieder zurück nach Hause. Doch die Ungewissheit bleibt. „Es ist so ungewohnt“, sagt sie.

Keine Hausdurchsuchung

Doch während sich die Situation rund um den Betriebsstandort langsam beruhigt, ermittelt die Polizei weiter nach dem Anrufer. „Es wurden noch keine Hausdurchsuchungen bei Verdächtigen vorgenommen“, sagt ein Sprecher der Polizei.


Schulte: Schulte gehört seit zwölf Jahren zu der Zur-Mühlen-Gruppe von Clemens Tönnies, Deutschlands größtem Fleischverarbeiter. 2001 geriet die Firma aufgrund der BSE-Krise ins Schlingern. 250 Beschäftigte in Dissen und Zerbst verloren ihren Job. Kurz darauf folgte die Insolvenz. In die Bresche sprang die Zur-Mühlen-Gruppe, zu der auch Böklunder und Redlefsen gehören. Heute ist Schulte vor allem als Salami-Hersteller bekannt. August Schulte betrieb Ende des 19. Jahrhunderts eine Schlachterei in Dissen. Gemeinsam mit seinen Brüdern gründete er 1893 die Firma Schulte und baute einen Fleischwarenversand auf. In den 50-er Jahren war der Betrieb mit Chef Willy Schulte der größte deutsche Hersteller von Sülzen. Die Firma expandierte, eine zweite Produktionsstätte und ein Verwaltungsgebäude wurden errichtet. 1991 kaufte Schulte die Anhalter Fleischwaren in Zerbst zu.