Landgericht stellt Verfahren ein Dissener wegen Tretens seiner Ex nicht mehr vorbestraft

Von Hendrik Steinkuhl

Das Landgericht Osnabrück hat das Verfahren gegen einen 41-jährigen Dissener eingestellt. Der Mann hatte seine Ex-Freundin mehrfach getreten. Symbolfoto: Gert WestdörpDas Landgericht Osnabrück hat das Verfahren gegen einen 41-jährigen Dissener eingestellt. Der Mann hatte seine Ex-Freundin mehrfach getreten. Symbolfoto: Gert Westdörp

Osnabrück. Mit seiner Berufung vor dem Landgericht Osnabrück hatte ein Mann aus Dissen Erfolg: Nachdem der 46-Jährige vom Amtsgericht Bad Iburg wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe verurteilt worden war, stellte die zweite Instanz das Verfahren nun gegen eine Geldauflage ein.

  • Der 46-jährige Dissener hatte seine damalige Ex-Freundin im Streit mehrmals getreten.
  • In der Berufung ging es nun darum, ob er mit stahlkappenbewehrten Sicherheitsschuhen oder mit normalen Schuhen zugetreten hatte.
  • Am Ende stellte das Landgericht das Verfahren gegen eine Geldauflage ein.

War es ein Sicherheitsschuh mit Stahlkappe oder ein ganz normaler Schuh, mit dem der 46-Jährige mehrmals seine 41-jährige Ex-Freundin getreten hatte?

Diese Frage war eine der zentralen im ersten Prozess gegen den Mann aus Dissen. Das Amtsgericht Bad Iburg kam insbesondere wegen der Aussage der Geschädigten vor einigen Monaten zu dem Ergebnis, dass es Stahlkappen-Schuhe waren – und verurteilte den Mann deshalb nicht zu einfacher, sondern zu gefährlicher Körperverletzung.

Mit normalem Schuh oder mit Sicherheitsschuh zugetreten?

Der Angeklagte hatte sich in erster Instanz noch selbst vertreten, nun brachte er auf Anraten seines Anwalts sowohl seine Sicherheitsschuhe als auch seine normalen Schuhe mit und stellte sie zur Ansicht auf den Richtertisch. Fazit: Beide Schuhe sehen sich sehr ähnlich.

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„Ich war der Meinung, dass es Arbeitsschuhe waren“, sagte dann die 41-jährige Geschädigte im Zeugenstand. „Er hat mir dann später beide Schuhe gezeigt, und da habe ich gesagt: Okay, die sehen sich wirklich sehr ähnlich. Ich kann nicht mehr mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, welche es waren.“

Da der 46-Jährige außerdem glaubhaft beteuerte, mit den normalen Schuhen zugetreten zu haben, folgte das Gericht schließlich seiner Darstellung.

Auseinandersetzung in der Trecker-Garage

Dass der Mann seine Ex-Freundin getreten hatte, blieb allerdings unbestritten. Und anders als vor dem Amtsgericht räumte der 46-Jährige die Tat auch in vollem Umfang ein.

Demnach war es zu dem Angriff gekommen, als die 41-Jährige kurz nach ihrer Trennung von ihrem Freund diesen in seiner Trecker-Garage auf dem heimischen Hof aufsuchte und sagte, dass sie einige persönliche Sachen holen wolle. Die Frau hatte bis kurz zuvor, gemeinsam mit ihrem Vater, auf dem Hof ihres Freundes gewohnt.

Handy kaputtgetreten

Der 46-Jährige lehnte offenbar ab, seiner Ex-Partnerin ihre persönlichen Sachen auszuhändigen, woraufhin ein Streit entbrannte und die Situation zu eskalieren drohte. Um eine weitere Eskalation zu verhindern, verließ die 41-Jährige die Garage. Auf dem Weg nach draußen fiel ihr dann das Handy aus der Hand. Als sie es aufheben wollte, trat ihr der Angeklagte laut Urteil gegen Oberschenkel, Hintern und Rücken. Auch das Handy zertrat er.

Täter und Opfer inzwischen wieder ein Paar

Mittlerweile ist das getrennte Paar wieder zusammen, und die Geschädigte legt keinen Wert mehr auf eine Verurteilung ihres Partners. „Das war nicht richtig, das weiß er auch. Aber ich denke, dass er mir gezeigt hat, dass es von seiner Seite aus nicht okay war.“

Der Angeklagte zeigte schließlich auch Reue und sagte mehrfach, dass seine Tat ein großer Fehler gewesen sei. Er könne sie nur damit erklären, dass er damals innerhalb kurzer Zeit seinen Job, seine Partnerin und 20000 Euro verloren habe; das gesparte Geld habe in einem Safe auf seinem eingezäunten und von zwei Rottweilern bewachten Hof gelegen, und er habe damals auch seine Freundin unter Verdacht gehabt, ihn bestohlen zu haben.

Einstellung gegen Geldauflage

Der Verteidiger des Angeklagten schlug schließlich vor, „die Beziehung nicht durch ein Urteil wegen Körperverletzung zu belasten“ und das Verfahren einzustellen.

Dem stimmten die Staatsanwältin und schließlich auch das Gericht zu. Wenn der Angeklagte in einer bestimmten Frist 600 Euro an seine Partnerin und weitere 600 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlt, wird das Verfahren gegen ihn endgültig eingestellt.