Unfälle mit Überschlag Riskante Manöver beim Stoppelfeldrennen in Dissen

Von Rolf Habben

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Dissen. Einen Hauch großer Rennpisten atmete am Wochenende das Terrain abgeernteter Felder im beschaulichen Dörfchen Aschen. Einmal mehr erwies sich das traditionelle Stoppelfeldrennen als Publikumsmagnet.

Bereits seit 1981 findet das Spektakel statt und ist deshalb nicht nur für Motorsportfans ein fester Termin im Kalender. Der Verein „Gruppe 6“ als Ausrichter des zweitägigen Rennsportereignisses mit Kultstatus sorgte vor etlichen Tausend Besuchern an zwei Tagen einmal mehr für rennsportliche Atmosphäre mit entsprechendem Flair und Hochspannung. Dabei hätte das Rennen eigentlich in Wiesenrennen umbenannt werden müssen, denn es fand auf einer weitläufig ausgelegten Wiese statt. Das sei weniger weise Voraussicht gewesen als vielmehr ein glücklicher Umstand, gestand Jörg Bunselmeyer vom Team der Rennleitung freimütig. „Das angrenzende Stoppelfeld hätte sich wegen der vorangegangenen starken Regenfälle als äußerst ungeeignet erwiesen.“ Das Geläuf auf den roaring fields musste gleichwohl mit Radladern und Raupen mehrmals präpariert werden, damit die Rennläufe nicht zu einer Schlammschlacht ausarteten. Sicherheit werde wie bei den Profis ganz großgeschrieben, erklärt Rennleiter Martin Schollmeyer. So seien nach der technischen Abnahme, Streckenposten sowie Bahn- und Ab-schleppdienst unabdingbare Erfordernisse für einen reibungslosen Rennverlauf.

Insgesamt 136 Fahrzeuge gingen in den vier Klassen an den Start. Neben den Läufen der Serienklasse waren auch eine Jugend- und Eigenbauklasse sowie eine Offene Klasse am Start. Martialisch klingende Namen der Teams wie „Bullpower“, „Ackersprinter“ oder „Attacke“, sowie „Mach Platz“ oder „Red Devils“, ließen schon im Vorfeld packende Rennen in den Endläufen erahnen. Highlight des ersten Renntages am Samstag war der Wettkampf um den Kuhlenbeck-Cup, der im Anschluss an die Vorläufe in der Serienklasse über eine Distanz von zehn Runden ausgefahren wurde. Die Startpositionen wurden aus den zuvor gefahrenen Punkten ermittelt. Um einen reibungslosen Start zu gewährleisten, waren die „Boliden“ wie Profis der Königsklasse Formel 1 in jeder Startreihe von außen nach innen um eine Wagenlänge versetzt aufgestellt. Die schnellsten und somit punktstärksten Fahrzeuge starteten von den hinteren Positionen und garantierten so umso mehr für spannende Überholmanöver auf der kurvenreichen Bahn. Die Nase vorn im Rennen um den Kuhlenbeck-Pokal hatte Martin Stratmann, der das Preisgeld in Höhe von 200 Euro für sich verbuchen konnte. Die obligatorische Sektdusche auf dem Siegerpodest unterblieb zwar, dafür gab es aber eine an-schließende Freibierrunde. Auf dem Festplatz lockten unterdessen Cafeteria, Imbiss- und Getränkestände. Am Abend war dann Party angesagt und zur Musik von „revolution 6“ wurde kräftig gefeiert.

Am Sonntag ging es nach dem morgendlichen Motorsport-Frühschoppen in die entscheidende Phase der Endläufe in allen Klassen. Bei den Auseinandersetzungen wurde weder Mensch noch Maschine geschont. In den oftmals halsbrecherischen Überholmanövern waren Karambolagen oder liegengebliebende Wagen jedoch eher die Ausnahme, was für das fahrerische Vermögen der Piloten spricht, unter denen sich auch etliche weibliche Fahrer fanden. Dennoch kam es zu einigen spektakulären Unfällen mit Überschlag, die aber alle glimpflich verliefen. Die Fahrer konnten ihre Fahrzeuge unverletzt verlassen. Die höchsten Drehzahlen und Dezibel verursachten die kühn aussehenden Karossen der Eigenbauklasse.

Bei aller professionellen Organisation der Rennveranstaltung hatte das Stoppelfeldrennen aber auch einen unverkennbar familiären Charme. In den Rennpausen wurde in den Teams untereinander gefachsimpelt und sogar gegenseitig hilfreich Hand angelegt bei aufgetretenen Beschädigungen. Auch der Besucher fand ungehindert Zugang ins Fahrerlager und konnte die „Flitzer“ hautnah bestaunen. Wie der Verein denn das alles finanziere, fragt sich der Besucher, der nicht nur einen kostenlosen Parklatz, sondern obendrein auch noch freien Zutritt erhält? „Die gesamten Kosten decken wir allein mit den Erlösen aus dem Getränkeverkauf“, sagt Schollmeyer. „Überschüsse aus der Veranstaltung kommen wie in der Vergangenheit auch, den vier Kindergärten in Dissen zugute“.


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