Kita bildet praxisnah aus Dissen: Nebenberuflich zum Abschluss als Erzieherin

Von Horst Troiza

Sie haben gut lachen: (von rechts) Nicole van der List und Jessica Stahmann sind nun Erzieherinnen, Ulrich Strakeljahn, Susanne Belau, Maria Schnieders, Sandra Kundt und Dante Tota gratulieren. Foto: Horst TroizaSie haben gut lachen: (von rechts) Nicole van der List und Jessica Stahmann sind nun Erzieherinnen, Ulrich Strakeljahn, Susanne Belau, Maria Schnieders, Sandra Kundt und Dante Tota gratulieren. Foto: Horst Troiza

Dissen. Die praxisnahe Ausbildung von Erziehern wird durch das Bundesprogramm „Lernort Praxis“ gefördert. Die Kindertagesstätte Kunterbunt ist eine von zwei Einrichtungen im gesamten Landkreis, die die Aufnahme in das Programm geschafft hat. Zwei der dortigen Mitarbeiterinnen haben jetzt berufsbegleitend ihren Abschluss erfolgreich bestanden.

Das kleine, knapp dreijährige Mädchen weint schrill und laut, es ist zum Erbarmen. Es sucht nach seiner Mutter, denn heute ist der erste Tag, an dem die Kleine den Kindergarten besucht. Das neue Kindergartenjahr beginnt zwar erst nach den Sommerferien, aber die KiTa bietet Eltern an, ihre Kinder probeweise schon vorher ein paar Tage lang aufzunehmen.

Abschluss

Die Mitarbeiterinnen wissen, was sie in einem solchen Fall tun müssen. Das gilt auch für Nicole van der List und Jessica Stahmann, die erst kürzlich ihre Ausbildung zur Erzieherin mit Erfolg absolviert haben. Drei Jahre die eine, dreieinhalb die andere, haben sie nebenberuflich nachmittags, abends, und sogar samstags die Schulbank gedrückt, um diesen Beruf zu erlernen.

„Lernort Praxis“

Wenn sie keinen Unterricht hatten, haben sie in den Gruppen der KiTa Kunterbunt gearbeitet. Van der List schon seit 15 Jahren, ihre Kollegin als dritte Kraft in der Krippe. Sie beide haben seit Ende 2013 am Projekt „Lernort Praxis“ mit dem Schwerpunkt „Qualifizierung im Bereich Praxisanleitung und Anleitungskonzeption“ teilnehmen können, in das die KiTa aufgenommen wurde, landkreisweit als einzige neben einer Einrichtung aus Bersenbrück.

Berufsbegleitend

Die bisher übliche Ausbildungsform im Berufsbild Erzieher ist der Besuch einer Fachschule, in deren Verlauf verschiedene Praktikumsplätze durchlaufen werden müssen. „Lernort Praxis“ will Mitarbeiter, die bereits in Einrichtungen tätig sind, durch die berufsbegleitende Ausbildung qualifizieren. „Die angehenden Fachkräfte haben somit die Möglichkeit, ihr theoretisches Wissen mit dem konkreten Alltag vor Ort in der Praxis zu verknüpfen“, erklärt Susanne Belau.

Erfahrungen

Sie ist die Praxismentorin, die das Anleitungskonzept entwickelt hat, die Auszubildenden im Rahmen des Projekts betreut und berät und für die Koordination und Kommunikation zwischen KiTa und Fachschulen zuständig ist. Die erfahrene Erzieherin ist mit 19,5 Wochenstunden in das Projekt eingebunden. Zusätzlich gibt Belau das gesammelte Wissen und ihre Erfahrungen an das übrige Team weiter, was die Situation am Lernort optimiert.

Gegen Fachkräftemangel

„Auf diese Weise ist es uns möglich, dem Fachkräftemangel mit einer wirksamen Strategie zu begegnen“, sagt Sandra Kundt, die Leiterin von Kunterbunt. Gut ausgebildete und motivierte Fachkräfte, weibliche oder männliche, seien nun mal die Basis guter Erziehung, Bildung und Betreuung von Kindern.

Trägt Früchte

Ulrich Strakeljahn, Erster Vertreter des Bürgermeisters, nannte den erfolgreichen Abschluss der beiden Frauen „eine Premiere für die Stadt Dissen, ein Projekt, das Früchte trägt“. Er sei zuversichtlich, dass nun auch die drei weiteren am Projekt beteiligten Mitarbeiter ihre Ausbildung ebenso erfolgreich abschließen. Ebenso hält Maria Schnieders , die Fachbereichsleiterin Bildung, Betreuung und Soziales bei der Stadt, den Ansatz des Projektes, orts- und praxisnah auszubilden, für den richtigen Weg.

Neuer Bufdi

Neben den Glückwünschen für die beiden nun weiter qualifizierten Mitarbeiterinnen begrüßten Strakeljahn und Schnieders Dante Tota, der als erster Angehöriger des Bundesfreiwilligendienstes (Bufdi) seine Arbeit in der KiTa angetreten hat.


Das Projekt

Im Juni 2012 setzte das Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) die Arbeitsgruppe zur Gewinnung und Qualifizierung von Fachkräften ein.

Von August 2013 an werden in einer Pilotphase 76 Projekte in sieben Bundesländern mit einer maximalen Projektlaufzeit von drei Jahren gefördert. Für diese Pilotphase stellt der Bund insgesamt acht Millionen Euro zur Verfügung. Damit wird ein weiterer Beitrag zur Qualifizierung und Gewinnung von Fachpersonal sowie zur Stärkung der Qualität der Kindertagesbetreuung geleistet.

An der Umsetzung der Pilotphase beteiligen sich die Bundesländer Berlin, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein. Fördergrundlage ist eine Kooperationsvereinbarung, die das BMFSFJ mit den teilnehmenden Ländern und einigen Trägerverbänden geschlossen hat.