Mission Migration Okutur startet als Dissens Integrationsbeauftragte

Meine Nachrichten

Um das Thema Dissen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Dissen. Offiziell ist Emsal Okutur jetzt Dissens Integrationsbeauftragte. Inoffiziell ist sie das eigentlich schon seit Jahren. Denn die Frau, die selbst als Gastarbeiterin vor 41 Jahren aus der Türkei nach Deutschland kam, hält in Dissen viele Fäden der Integrationsarbeit in der Hand. Das Netz zu Stadt und Landkreis soll ab dem 1. Juni engmaschiger werden.

Bürokratische Knäuel sind nichts für Emsal Okutur. Die 64-jährige Vorsitzende des Dissener Integrationslotsenvereins sucht nach schnellen, handfesten Lösungen. Ein Beispiel: Als in Dissen haufenweise Spenden für bedürftige Flüchtlinge eintrudelten, landeten sie an keinem geringeren Ort als in Emsal Okuturs Garage. „Das war was“, sagt sie. In ihren Gedanken stapeln sich noch einmal Sofa-Garnituren, Kleiderschrank Eiche rustikal und Bananenkisten voll Geschirr in ihren Privaträumen.

„Goldene Füße“ und „eigene Zähne“

Sie habe damals Bekannte animiert, Transporter gemietet und bedürftige Familien mit Möbeln versorgt. Ein logistischer Akt, der in anderen Kommunen vom Bauhof übernommen wurde. „Wir konnten helfen“, sagt Okutur mit großer Zufriedenheit, aber nicht ohne bittere Fußnote: „Es waren keine Möbel mit goldenen Füßen. Aber es waren Möbel, die so gut geputzt sind wie die eigenen Zähne“, beschreibt sie die gepflegten Gebrauchsgegenstände. Manchen waren sie nicht fein genug. „Kunstleder wurde abgelehnt, weil Leder beliebter ist“, sagt Emsal Okutur. „Das verärgert mich sehr.“

Als Gastarbeiterin nach Deutschland

Nichts erklärt den Ärger besser als ihre eigene Geschichte: Als sie in den Siebzigerjahren aus dem türkischen Antakia nach Bad Iburg kam, lebte sie spartanisch und arbeitete hart. Kiloweise Kartoffeln schälte sie, deckte Tische ein, arbeitete sieben Tage die Woche – ohne soziales Netz und Sprachkenntnis. Sie dachte an vieles in dieser Zeit, aber nicht an ein Ledersofa. „Es gibt Zeiten im Leben, da kann man nicht wählen. Ich helfe gerne, aber jeder muss selbst mitarbeiten“, lautet das Mantra der neuen Integrationsbeauftragten.

Kein eigener Raum

Etwa 30 Familien mit Migrationshintergrund betreut Emsal Okutur derzeit. Weil sie fließend Türkisch und Arabisch spricht, ist sie oft ihr eigener Dolmetscher. „Das ist praktisch“, findet die Frau, die Familien zu Arztbesuchen begleitet oder bei Behördengängen und Schulbesuchen unterstützt. Im Willy-Schulte-Kindergarten und im Dissener Kinder- und Familienzentrum (KiFaz) ist sie eng verdrahtet. Ein eigenes Büro gibt es für sie und ihre Arbeit bisher nicht. Die Stadt sucht nach einer Lösung, heißt es.

Kooperation ist notwendig

„In Zukunft wird die Integrationsarbeit noch komplexer werden“, sagt Sozialamtsleiterin Maria Schnieders. 16 Flüchtlinge in Dissen stecken derzeit im Asylverfahren. Tendenz steigend. Die Verwaltung hat schon in der Vergangenheit mit Emsal Okutur zusammengearbeitet und wird das nun intensivieren. „Wir sind immer wieder überrascht, was sie schon alles auf dem kurzen Dienstweg macht“, sagt Schnieders. „Es geht um gegenseitige Unterstützung“, betont sie – ganz im Sinne des Okutur’schen Mantras.

210 Euro bekommt Emsal Okutur als Integrationsbeauftragte. Dass Integration nicht allein übers Ehrenamt aufgefangen werden kann, hatten Ratsmitglieder bereits angemerkt. Okutur ist dankbar für Rückendeckung aus dem Rat, der sie einstimmig ernannt hat . „Ich möchte mich für das Vertrauen bedanken. Das freut mich sehr.“

Was kann der Kreis übernehmen?

Die Kooperation mit dem Kreis läuft noch nicht rund. Am Montag soll in einem gemeinsamen Gespräch ausgelotet werden, welche Aufgaben das neue Migrationszentrum des Kreises übernehmen kann und um was sich die Stadt am besten selbst kümmert. In Dissen, einer Stadt mit hohem Migrantenanteil, ist die Infrastruktur vergleichsweise gut: Im KiFaz werden derzeit sogar zwei Kurse „Mama lernt Deutsch“ angeboten, in die Mütter ihre kleinen Kinder mitbringen können. Eine Vorstufe zum Integrationskurs, zu dem sie noch nicht zugelassen werden. Emsal Okutur ist hier nicht nur gern gesehen, weil sie spontan übersetzt und betreut. Alle wissen: Selbst wenn sie irgendwann ihren wohlverdienten Schreibtisch bekommt, wird diese Frau sich so schnell nicht verzetteln.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN