Starke Nerven unter Wasser Siegfried Schnarr taucht für die DLRG Dissen


Dissen. Es trägt einen langen Titel, das Ehrenamt von Siegfried Schnarr: Technischer Leiter Einsatz der DLRG-Ortsgruppe Dissen-Bad Rothenfelde und Zugführer der Schnelleinsatzgruppe (SEG) 9 Süd Wasserrettung. Kurz und knapp gesagt ist er seit rund 30 Jahren bei Rettungs- und Bergungs-Übungen und -Einsätzen auf und unter Wasser aktiv dabei.

„Der ehrenamtliche Einsatz bei der DLRG ist mir von Kindesbeinen an ans Herz gewachsen“, erklärt Siegfried Schnarr, der schon als kleiner Junge regelmäßig zusammen mit seinem Bruder und seinem Vater im Dissener Hallenbad schwimmen ging. Dort wurde er 1975 vom Bademeister und damaligen technischen Leiter Tauchen, Friedhelm Konersmann, an die DLRG herangeführt. Siegfried Schnarr begeisterte sich für die Rettungsschwimmer-Ausbildung und lernte daraufhin auch den Tauchsektor kennen, in dem er den Gerätetauchgrundschein und den Rettungstauchschein machte. Mit 18 Jahren wurde er Nachfolger von Friedhelm Konersmann, übernahm sein Amt als technischer Leiter Tauchen und erarbeitete sich weitere Qualifikationen wie zum Beispiel den Lehrschein.

So leitet er nun die derzeit achtköpfige Einsatztauchergruppe der DLRG Dissen-Bad Rothenfelde, die zusammen mit der DLRG-Ortsgruppe Georgsmarienhütte als Schnelleinsatzgruppe 9 für den südlichen Osnabrücker Landkreis zuständig ist. Dabei liegt das Haupteinsatzgebiet von Siegfried Schnarr und seinen Kameraden an den Heideseen in Bad Laer. Dort bargen die Taucher schon Motorräder, Autos und sogar einen Tresor aus den Tiefen des Sandsees. „Ich erinnere mich noch gut, wie wir kurz nach der Wende einen Trabant P601 Kombi aus dem See holten, dessen Besitzer ihn dort wohl billig entsorgen wollte“, berichtet Siegfried Schnarr schmunzelnd. Ernster wird er, wenn er von Personenrettungen spricht. Immer wieder komme es dazu, dass Menschen aufgrund von Kreislaufversagen im Wasser ertrinken. Das liege an den sogenannten Sprungschichten in stehenden Gewässern, die je nach Wetterlage in circa zweieinhalb bis vier Metern Wassertiefe liegen und in denen die Temperatur schlagartig um zehn Grad sinkt. „Wenn die Leute überhitzt ins Wasser gehen und in die Sprungschicht geraten, macht das der Kreislauf nicht mit. Zu 90 Prozent sind es alkoholisierte Personen, die sich mit durch den Alkohol erweiterten Gefäßen ins zu kühle Nass wagen“, weiß Siegfried Schnarr aus Erfahrung.

Zur Ausrüstung der Einsatztauchergruppe Dissen-Bad Rothenfelde gehört neben dem Tauch-Equipment ein Gerätewagen Wasserrettung, Baujahr 1970, ein Mannschaftstransportwagen und ein 40-PS-Boot. Beim Ausrücken sind immer mindestens vier Personen dabei: der Taucheinsatzführer, ein Einsatztaucher, ein Reservetaucher und der Leinenführer. Aus Sicherheitsgründen begeben sich die Taucher nur mit Führungsleine unter Wasser. Das sei nicht nur beim Suchen von Personen unter einer Eisdecke nötig, sondern auch zum Beispiel im Heidesee, in dessen Tiefen es stockdunkel ist und man nach der verunglückten Person tasten muss. „Man braucht schon starke Nerven für derartige Einsätze“, erklärt Siegfried Schnarr. Er nehme die Belastung dieses Ehrenamts auf sich, weil es wichtig sei, dass es eine Einheit wie die Tauchergruppe gibt, auf die man sich als Bürger verlassen kann.

Unbedingt brauche die DLRG-Einsatztauchergruppe Dissen-Bad Rothenfelde auch jungen Nachwuchs. Eine vierjährige Einsatztaucherausbildung, die nur an Wochenenden stattfindet, und Voraussetzungen wie die nötige Nervenstärke machen das Nachrücken von jungen Leuten aber schwierig, die sich zudem oft nicht langfristig an die Rettungseinheit binden möchten.


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