Zum höchsten Punkt von Dissen „Hankenüll“ bedeutet schlicht und einfach: Hoher Gipfel

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Dissen. Der Weg „Zum Hankenüll“ zweigt im nordöstlichen Dissener Stadtteil Aschen von der Straße Im Dorfe ab und führt auf den Berg Hankenüll zu. Über einen weiterführenden namenlosen Fußweg und den Hermannsweg geht es dann weiter hinauf zum mit 307 Metern über dem Meeresspiegel gelegenen höchsten Punkt Dissens. Und nichts anderes bedeutet Hankenüll: hoch gelegener Gipfel.

Die Quellenlage in der Sprachforschung speziell zum Thema Hankenüll ist dünn, aber Rosemarie Rieke, Vorsitzende des Heimatvereins Dissen, hat nach kurzer Suche die Antwort nach der Namensherkunft parat. In ihrem Archiv hat sie einen Artikel aus dem „Osnabrücker Tageblatt“ vom 10. Januar 1952 gefunden, in dem der Sprachforscher Prof. Dr. Theodor Baader aus Münster zitiert wird. Der hatte sich bei der ersten Veranstaltung des Volksbildungswerkes „mit Erfolg bemüht, seinen Zuhörern in möglichst einfacher und volkstümlicher Weise den komplizierten Stoff nahezubringen“, heißt es dazu im „Tageblatt“. Der Experte für das Niederdeutsche und Westfälische nahm sich dabei unter anderem der Namen der Berge und Hügel der Umgebung an, wie auch die „Neue Tagespost“ am gleichen Tage berichtete. „Nüll“, so erfuhren die Zuhörer, darunter nach Angaben der damaligen Reporter viele junge Leute, bedeute Gipfel. „Noll“, „Nolle“, „Knüll“, „Knoll“, diese Wortteile sind Varianten und kommen auch an anderen Orten der Region als Teil von Bergnamen vor.

Die Silbe „ho“ oder „ha“ stehe im Westfälischen für „hoch“ bestätigte jetzt Dr. Friedel Helga Roolfs von der Kommission für Mundart- und Namensforschung Westfalens beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) Baaders Worterklärung. Der hatte beim Vortrag in Dissen auch auf Hankenberge hingewiesen, was ebenfalls „Hoher Berg“ bedeute.

Der Name Hankenüll trifft die geografischen Besonderheiten ziemlich genau, und wer als Wanderer auf dem Hermannsweg unterwegs ist, spürt es am eigenen Leib: Auf den letzten Metern zum Gipfel muss man noch ordentlich ziehen, bevor man oben am alten Grenzstein von 1837 ankommt. Der Hankenüll liegt genau auf der alten Grenze zwischen den Königreichen Hannover und Preußen oder heute zwischen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Das H und das P auf dem Stein weisen darauf hin. Wer die rund zehn Kilometer zu Fuß über den Hermannsweg von Dissen nach Borgholzhausen nicht scheut, kann sich die alte Grenzmarke selbst einmal anschauen. Die Wandersaison hat ja gerade angefangen.


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