Innenstadtring teils umbenannt Verwirrung in Dissen: Und wo wohnen Sie gerade?

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Dissen. Wer umzieht, weiß: Eine neue Adresse kann Arbeit machen. Freunde und Verwandte informieren, Ausweispapiere aktualisieren, Post umlenken. In Dissen wartet dieser Aufwand auf manche Anwohner an Stievenstraße und Piepenhagen auch ohne Umzug.

Ihr Wohnort bleibt, der Straßenname aber hat zum neuen Jahr gewechselt: Dieckmannstraße. Eine Ortsbegehung zwischen alten Schildern, neuen Visitenkarten und doppelten Straßennamen am Klingelschild.

Und wo wohnen Sie? Franz Pepinghege zögert. Er hat seine Adresse nicht etwa vergessen, er hat nur gerade zwei Optionen im Kopf. „Welche Straße wollen Sie denn hören?“, fragt der 65-Jährige, der seit 30 Jahren in der Stievenstraße 7 in Dissen lebt. Oder besser: Gelebt hat. Denn diese Adresse gibt es offiziell seit dem 1. Januar 2015 nicht mehr. Jetzt ist es die Dieckmannstraße 41.

Bereits Anfang März 2013 hatte der Dissener Stadtrat beschlossen, Abschnitte des Piepenhagens und der Stievenstraße in Dieckmannstraße umzubenennen. Etwa 14 Anwohner, darunter einige Firmen, betrifft das. „Die einheitliche Benennung des Innenstadtrings soll Rettungsfahrzeugen und Lieferanten die Anfahrt erleichtern“, erklärt Eugen Görlitz vom Bauamt die Umtauf-Aktion. Grundsätzlich soll schließlich alles einfacher werden, nicht komplizierter. Was für Anwohner, Zusteller oder Rettungssanitäter bereits seit einer Woche gilt, spiegelt sich jedoch nicht im Straßen- und Stadtbild wider. Für den Betrachter, der an Piepenhagen und Stievenstraße entlangspaziert, hat sich augenscheinlich nichts getan: Gegenüber der Postenbörse weist ein Schild am Dienstag noch den Weg zur Stievenstraße – die es doch eigentlich gar nicht mehr gibt. Am Haus der Pepingheges hängt wie bei andern Nachbarn auch die alte Hausnummer, in diesem Fall eine große Sieben, obwohl so mancher Brief nun schon für die Nummer 41 eintrudelt. Auf dem Klingelschild stehen beide Adressen untereinander. Parallelstraße erfährt da eine ganz neue Bedeutung. „Die Straßenschilder sollten längst ausgetauscht sein“, sagt Görlitz vom Bauamt. Der Bauhof habe den Auftrag vor einiger Zeit bekommen. Passiert ist noch nichts. Auch die ansässigen Firmen lassen es gemächlich angehen. „Neue Visitenkarten sind schon da, die Schilder ändern wir noch“, heißt es. Oder: „Die Lieferscheine haben wir erneuert. Die Kunden finden uns ja.“ Momentan kommen Briefe mit der alten und der neuen Adressen bei Anliegern an, bestätigen sie. Bei der Zeitung aber gibt es Verwirrung. „Sag mal, hast du deine Zeitung bekommen?“, fragt Mieterin Astrid Kammann, Stievenstraße 7/Dieckmannstraße 41, im Treppenhaus. „Ja, bei mir hat es geklappt, sagt Pepinghege. „Sonderbar. Bei mir nicht.“

Schon vor Wochen haben die Anwohner erlebt, wie kurios es zugehen kann, wenn eine Straße ihren Namen abgibt. Denn auf dem Papier und bei öffentlichen Einrichtungen war die alte Straße schneller verschwunden, als der Bauhof je hätte Schilder aufstellen können. Pepinghege wollte zum Beispiel eine Garage bauen – noch vor dem 1. Januar, mit Baugenehmigung für die Stievenstraße 7. „Gibt es nicht“, hieß es da im Katasteramt. „Doch ich wohne doch da“, habe er gesagt. Unter Angabe der neuen Adresse, die es ja eigentlich noch nicht gab, hatte er Erfolg. Bei Astrid Kammann hätte der neue Straßenname beinahe ein Treffen mit ihrer Schwester vermasselt. Ihr Neffe habe die alte Adresse ins neue Navi eingegeben. Das fand schon vor dem neuen Jahr die Stievenstraße 7 nicht mehr. „Dabei wohnten wir doch hier“, sagt sie.

Lieferanten, die sich am Innenstadtring durch die neue Ordnung weniger verfransen sollen, werden ein Software-Update brauchen. Denn ältere Navis stellt etwa die „Dieckmannstraße 41“ vor ein Rätsel. „Zieleingabe nicht gefunden. Wählen Sie zwischen Hausnummer 1 und 38“, sagt es. Ob Rettungsfahrzeuge die neue Adresse wirklich besser finden?, fragen sich Anlieger. „Über die Ordnungsämter wurden alle Stellen sofort informiert. Unsere Notärzte finden die neue Adresse“, sagte eine Sprecherin der Schüchtermann-Klinik. Die alte übrigens auch. Ab dem 12. Januar können betroffene Bürger ihre Papiere ändern lassen, heißt es in einem Schreiben der Stadt vom November. Die Kosten müssen sie selbst tragen. Ein Teil des kuriosen Doppellebens dürfte damit aber auch vorbei sein.


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