Nach 105 Jahren das Aus Borgholzhausener Marienbrunnen wird abgewickelt

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Die letzten Flaschen von Marien Getränke lagern auf dem Hof des Unternehmens in Ostbarthausen. Der Betrieb wird abgewickelt.Foto: Achim KöppDie letzten Flaschen von Marien Getränke lagern auf dem Hof des Unternehmens in Ostbarthausen. Der Betrieb wird abgewickelt.Foto: Achim Köpp

sta/ak Borgholzhausen. Das Mineralwasserunternehmen „Marien Getränke GmbH“ ist am Ende. Nach der erneuten Zahlungsunfähigkeit wird das Traditionsunternehmen kurz hinter der Landesgrenze in Borgholzhausen-Ostbarthausen an der B68 abgewickelt. Seit Ende November ruht der Betrieb, etwa 40 Arbeitsplätze gehen verloren. Der Jahresumsatz soll zuletzt bei 6 Millionen Euro gelegen haben. Das reichte offenbar nicht für den Fortbestand.

1984, zum 75-jährigen Bestehen des Unternehmens „Solbad Ravensberg“, war die Getränkefabrik noch eine der modernsten ihrer Art mit einer Kapazität von 60 Millionen Füllungen im Jahr. Dann ging es bergab. Die Firma verpasste den Sprung von der Glas- zur Plastikflasche.

Die dramatische Folge im Jahr 2004 war die erste Insolvenz. Doch Sanierer und Investor Leonhard Hansmann machte den Laden gemeinsam mit dem zweiten Geldgeber Wilhelm Linnenbank wieder flott. Sie investierten unter anderem 3,5 Millionen Euro in eine neue PET-Abfüllanlage.

Doch alle Neuerungen wie auch die Einführung einer Bio-Limonade im Jahr 2007, die neuen Marken Ravenna und Widukind oder die Erschließung neuer Geschäftsfelder wie der Lohnabfüllung für die Getränkebranche, beispielsweise für Marken wie Almdudler, Papa Türk oder Salitos, reichten nicht aus.

Geschäftsführer Wilhelm Schoppmeier beantragte Anfang Oktober die Insolvenz. Das Verfahren wurde am 1. Dezember eröffnet. Schon Ende November soll Insolvenzverwalter Jochen Schnake aus Werther den Betrieb eingestellt haben. Schnake war allerdings am Montag nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Jetzt wird das Gebäude leer geräumt, um die Immobilie möglichst schnell vermarkten zu können. Denn die Insolvenzmasse reicht nicht einmal für die Verfahrenskosten aus.

Damit endet die 106-jährige Firmengeschichte, die sich dem Fund einer Quelle „auf dem Knehofe“ im Jahr 1511 verdankt. Es war der Dissener Kalkwerksbesitzer und erfolgreiche Wünschelrutengänger Gerhard Hüsing, der das Unternehmen mit seiner Marien- und seiner Ravenna-Quelle am 1. Juli 1909 unter der Firmenbezeichnung „Deutsch Marienbad und „Ravensberger Quellen“ in das Handelsregister des Amtsgerichts Halle eintragen ließ.

Nach dem Tod von Gerhard Hüsing übernahm sein Sohn Otto den Bade- und Mineralwasserbetrieb. 1930 erhielt die Firma vom preußischen Minister für Volkswohlfahrt die staatliche Anerkennung als Mineralquellen. Während sich die Abteilung Heilbad schnell entwickelte, gewann die Abteilung Mineralbrunnen erst nach dem Zweiten Weltkrieg an Bedeutung.

1945 wurde mit dem Eintritt von Hüsings Schwiegersohn Kurt Böning der Firmenname in „Solbad Ravensberg GmbH Staatlich anerkannte Heilquellen“ geändert. Im gleichen Jahr nahm Sohn Gerhard Hüsing, ältester Sohn von Otto, seine Tätigkeit auf, 1948 folgte Sohn Werner Hüsing. Sowohl Otto Hüsing und Kurt Böhning als auch Gerhard und Werner Hüsing wohnten in Dissen, dessen Bürger sich gern ins benachbarte Deutsch-Marienbad begaben, um in der heilsamen Sole kleine Wehwehchen auszukurieren. Und es machte in Dissen bald das Wort vom „Hüsing-Wasser“ oder gar im positiven Sinne vom „B-68-Sekt“ die Runde. Aus dem kleinen Bad mit zwei Badewannen und einem klitzekleinen Abfüllbetrieb wurde ein mittelständisches Unternehmen, das für weitere Generationen der Familie Hüsing gerüstet schien. Der Badebetrieb wurde 1987 geschlossen. Im Jahr 2000 wurde der Marienkäfer zum Firmensymbol.

Doch als die Familie nicht mehr maßgeblich im Boot saß und die neuen Besitzer noch Anfang des 21. Jahrhunderts auf Glas- statt Kunststoffflaschen setzten, kam es zur ersten Insolvenz – die jedoch mit neuen Geldgebern und Ideen abgewendet wurde. Nun aber scheint Marien Getränke nach 105 Jahren endgültig auf dem Trockenen zu liegen.

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