Im Südkreis unterwegs Polizei klärt auf: So kann man Einbrüche verhindern

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Prävention an der Haustür: Yvonne Calzona (links) lässt sich von Wilfried Bury und Studentin Kathrin Keitemeier beraten, wie sie ihr Haus in der dunklen Jahreszeit vor Einbrechern schützen kann. Foto: Elvira PartonPrävention an der Haustür: Yvonne Calzona (links) lässt sich von Wilfried Bury und Studentin Kathrin Keitemeier beraten, wie sie ihr Haus in der dunklen Jahreszeit vor Einbrechern schützen kann. Foto: Elvira Parton

Dissen. Wenige Menschen denken bei Einbruch sofort an ihre Mülltonne. Ein prüfender Blick auf deren Standort kann jedoch nicht schaden, denn nicht selten werden sie zur Kletterhilfe. Im Südkreis gehen die Polizisten derzeit von Tür zu Tür, um Bürgen zu zeigen, wie sie sich vor Einbrüchen in der dunklen Jahreszeit schützen können. Guck mal, wer da klingelt.

Die Schrecksekunde ist unvermeidbar. Als Wilfried Bury, Präventionsbeauftragter der Polizei, bei Familie Calzona in Dissen klingelt, wird die Tür vorsichtig geöffnet. „Ist etwas passiert?“, fragt Yvonne Calzona, als sie den Mann in Uniform sieht. „Nein, nein“, gibt Bury sofort Entwarnung und winkt mit der Broschüre „Ungebetene Gäste“.

Er tourt momentan mit vier Studenten durch alle neun Südkreiskommunen, um stichprobenartig in bis zu 40 Haushalten Tipps im Schutz gegen Einbrecher zu geben . Am Donnerstag, 20. November, wird das Team vom Polizeikommissariat Georgsmarienhütte und der Polizeistation Dissen das nächste Mal präventiv unterwegs sein. Eine gesunde Skepsis ist dabei durchaus erwünscht.

„Neulich stand ein wildfremder Mann im Hausflur“, erinnert sich Yvonne Calzona. „Ihre Kinder sollten auf keinen Fall unbekannten Personen öffnen. Ganz schnell ist der Fuß in der Tür“, warnt Bury. Calzona nickt. „Man darf den Tätern keine Signale geben“, betont er. Ein gekipptes Fenster, eine geöffnete Garage, eine Leiter am Balkon oder Mülltonnen, die den Aufstieg ermöglichen – das alles ist wie ein roter Teppich für Einbrecher, die nach schnellen Wegen ins Haus suchen. „Die meisten Einbrecher machen eine Zeit-Weg-Berechnung“, sagt Phil Havermann, Leiter der Polizeistation in Dissen. Je schneller und unauffälliger sie einsteigen können, desto besser ist es für sie.

„Wichtig ist es deshalb, dass das Haus auch bei Abwesenheit belebt und bewohnt aussieht“, sagt Bury. Im Haus von Familie Calzona entdeckt er Bewegungsmelder und eine Haustür, die sich mehrfach verriegeln lässt. „Das ist sehr gut“, lobt er die technische Ausstattung. Im Jahr 2013 wurden 125 Einbrüche im Gebiet des Polizeikommissariats Georgsmarienhütte gezählt. Knapp 20 Prozent davon konnten aufgeklärt werden. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Einbruchsquote im Südkreis um 14 Prozent. Phil Havermann führt das nicht allein auf technische Innovationen, sondern auch auf die Präventionsarbeit zurück. „Bürger können bei Auffälligkeiten lieber einmal zu viel als zu wenig anrufen“, bestätigt Sinikka Schneider, Leiterin des Polizeikommissariats Georgsmarienhütte. Dabei ist es ganz wichtig, dass sie über die eigenen vier Wände und das Gartentor hinausschauen. „In Deutschland neigen wir dazu, uns von unseren Nachbarn abzuschotten, durch hohe Hecken zum Beispiel. Je uneinsichtiger ein Grundstück, desto leichter haben es die Täter“, sagt Schneider und appelliert an Achtsamkeit.

Nachbarn im Blick

Wie gut die Nachbarn ein Auge aufeinander haben, kann die Aufklärungs-Tour bereits entlarven. Denn wenn Bury mit dem Polizei-Bulli vorfährt und durch die Siedlung läuft, dauert es oft nicht lang, bis die ersten Nachbarn die Nase über den Zaun stecken. So auch bei den Calzonas: „Mama, ein Polizeiauto!“, hört man den fünfjährigen Lennard rufen, der mit seiner Mutter auf dem Weg zum Spielplatz ist. „Da steht ein echter Polizist!“ Was passiert? Ein natürliches Interesse, das nicht nur hilft, die Aufklärung weitzutragen, sondern im besten Fall auch ungebetene Gäste stoppen kann, sagt Bury. Inzwischen wird jeder zweite Einbruchsversuch abgebrochen.


Das rät die Polizei

Daumen runter:

–Auf Klassiker unter den Ausreden wie „Bei mir istnichts zu holen“, „Einbrecher kommen nachts“ oder „Ich bin ja versichert“ verzichten. Es kann jeden treffen.

Gekippte Fenster sind offene Fenster. Sie müssen beim Verlassen des Hauses geschlossen werden.

–Schlüssel niemals draußen verstecken.

–Gartenmöbel, Leitern und andere Aufstiegshilfen nicht am Gebäude oder unterhalb des Balkons lagern.

Daumen hoch:

–Alle Türen (Haus-, Wohnungs-, Terrassen-, Boden-, Keller- und Balkontüren) abschließen;

–In Mehrfamilienhäusern den Hauseingang tagsüber geschlossen halten.

Schließzylinder wechseln, wenn der Schlüssel verloren wurde.

–Bei Abwesenheit den eigenen Briefkasten von Nachbarn oder Freunden leeren lassen.

–Auf Fremde auf ihrem oder dem Nachbargrundstück achten.

–Bei Auffälligkeiten die Polizei rufen: 110, in Dissen: 05421/921-390, Polizeidirektion Osnabrück: 0541/327-0

Im Internet gibt es Infos unter www.aktion-sicher-wohnen.de oder www.polizei-beratung.de

Ein Blog zum Thema Einbruchschutz finden Sie hier .

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