Sanierung oder Abriss? St.-Ansgar-Kirche in Dissen soll sichtbar bleiben


Dissen. Die katholische Kirchengemeinde in Dissen ist auf dem Weg. Es ist ein langer Weg, und an seinem Ende steht das Wort „Veränderung“, unterwegs reifte aber auch die Einsicht: „Ein sichtbares Zeichen von Kirche wird bleiben.“

Im nächsten Jahr wird die St.-Ansgar-Kirche 50 Jahre alt. Für eine Kirche eigentlich kein Alter, aber wie es bei Betonbauten aus den 60er-Jahren ist, bröckelt es hier und da. Ein erster Anlass, sich mit der Kirche zu beschäftigen. Ein zweiter kam vor drei Jahren hinzu: Dissen brauchte eine weitere Krippe.

Deshalb beauftragten der Pfarrgemeinderat und der Kirchenvorstand der Pfarreiengemeinschaft Bad Rothenfelde, Borgloh, Dissen, Hilter, Wellendorf im Jahr 2011 eine Arbeitsgruppe mit der Aufgabe, sich um die Zukunft der Kirche und des Gemeindezentrums Gedanken zu machen. Schauen, zuhören, aufmerksam sein sollen die Mitglieder der Gruppe „Vision Dissen“.

Der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, Rolf Höge: „Wir haben alle gefragt, Kolping, Senioren, Frauenkreis, Kirchenchor usw.: Was braucht ihr, was wünscht ihr euch, was ist pastoral sinnvoll?“ Dabei sei es nie um die Frage gegangen, was für ein Gebäude hier entstehen könnte. „Im Zentrum stand immer die Frage: Was ist sinnvoll für Dissen?“ Dafür führte der Arbeitskreis nicht nur im kirchlichen Radius, beispielsweise mit Caritas und Diakonie, Gespräche. Auch die Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat und den Dissener Bürgermeister befragte die Arbeitsgruppe.

Aus all diesen Dialogen habe sich herauskristallisiert, dass St. Ansgar nicht nur Räume für die Senioren, für Kinder und Jugendliche oder die Kleideraktion der Kolpinger brauche. „Es wurde auch ganz deutlich, dass Kirche dort sichtbar bleiben muss, auch dauerhaft“, erzählt Pfarrer Robert Wagner. Eine Möglichkeit, zusammenzukommen und zu beten. „So ein Gebäude ist ein Kristallisationspunkt einer Glaubensgemeinschaft“ ist auch Pfarrgemeinderatsmitglied Stephan Spies überzeugt.

Aus dieser Erkenntnis erwuchsen Empfehlungen: Der Kirchenraum darf kleiner werden, denn die Ressourcen der Kirche, vor allem die personellen, verändern sich. Es wird weniger Pfarrer im Pfarreienverbund geben. Und immer weniger Menschen sind bereit, sich ehrenamtlich einzusetzen. Wagner: „Ich kann nicht garantieren, dass dort in mehreren Jahren noch Messen gelesen werden.“

Die Entwicklung zeige deshalb in Richtung Veränderung. Das habe die Gemeinde ihren Gläubigen auch in Gottesdiensten in Dissen und Bad Rothenfelde berichtet. Wie diese mit großer Mehrheit beschlossene Veränderung aber konkret aussehen wird, stehe noch lange nicht fest. So könnte der Veränderungsprozess auch in einen Neubau von Kirche und Katakomben münden.

„Viele erwarten Antworten von uns. Aber wir können nur sagen, wie der Stand ist. Es gibt noch nichts Konkretes“, sagt Göde. Dennoch seien viele schon in einen Trauerprozess eingetreten. „In dieser Kirche wurden Kinder getauft und Väter beerdigt. Natürlich gehören Wut und Auseinandersetzung dazu, wenn man sich Gedanken um einen möglichen Abriss der Kirche macht“, weiß Pfarrer Robert Wagner.

Es sei jedoch ebenso möglich, dass der lange Weg der Entscheidungsfindung auf eine Sanierung des gesamten Komplexes oder einzelner Teile hinausläuft. Dabei spiele auch der Bad Rothenfelder Teil der Pfarreiengemeinschaft eine wichtige Rolle.

Inzwischen hat der Arbeitskreis wohl 25-mal getagt und regelmäßig an Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand berichtet. „Der Prozess ist nicht abgeschlossen, wir sind auf der Suche, denn wir möchten für die nächsten Jahrzehnte eine lebendige Gemeinde bewahren“, betont Rolf Höge.

Bis zum Sommer traue man sich zu, eine Richtung gefunden zu haben. Das Bistum begleite den Prozess und habe der Gemeinde die Möglichkeit einer Sonderfinanzierung in Aussicht gestellt, habe ihr aber den Stafettenstab für eigene Entscheidungen in die Hand gegeben. Die Arbeit geht weiter.