Heute schließt Dissener Krankenhaus Niels Stensen als Strohhalm?

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Dissen. So, wie man es kannte, gibt es das Dissener Krankenhaus nicht mehr. Chirurgie und Anästhesie, Gynäkologie und Geburtsstation sind geschlossen. Das letzte Baby, der kleine Louk Rabe, kam dort vor einer Woche auf die Welt. Was bleibt, sind 32 Betten der Inneren Station, unendliche Trauer, Verzweiflung und Wut über das Klinikaus nach 110 Jahren.

Zu ihrer wöchentlichen Demonstration für den Erhalt der Klinik hatten sich 450 Menschen deshalb auch vor dem Krankenhaus statt auf dem Rathausplatz versammelt. Die Mahnwache wurde zur Trauerfeier. Mit Grablichtern trugen die Dissener und ihre Südkreis-Nachbarn ihr Krankenhaus zu Grabe.

Einziger Hoffnungsschimmer: die Rede des Vorsitzenden des Fördervereins für das Krankenhaus. Wilfried Meyer berichtete von Gesprächen mit dem Bischöflichen Stuhl, insbesondere Generalvikar Theo Paul, und dem Geschäftsführer des zum Niels-Stensen-Klinikverbund gehörenden Osnabrücker Marienkrankenhauses Werner Lullmann. Beide hätten die Bereitschaft zur finanziellen Unterstützung einer Portalklinik erklärt. Entsprechende Gespräche würden am Montag fortgesetzt.

Der Pressesprecher der Niels-Stensen-Klinik hatte allerdings noch wenige Stunden vor der Dissener Mahnwache erklärt: „Wir waren nicht in die Planung für eine Portalklinik involviert.“

Landrat Michael Lübbersmann hatte im Sozialministerium zwei mögliche Konzepte für eine medizinische Versorgung des Südkreises vorgestellt: Das aktuellste war die Einrichtung einer Portalklinik mit angegliedertem Medizinischen Versorgungszentrum, Praxen und einer Sozialstation.

Ob hier bereits an die Niels-Stensen-Kliniken als Träger gedacht worden war? Der Landkreis zeigte sich auf eine entsprechende Anfrage wortkarg: „Kein Kommentar“, so Sprecher Burkhard Riepenhoff.

Die Reaktion im Ministerium auf Lübbersmanns Vorschlag war allerdings wenig positiv. Die Landesregierung sieht keine Notwendigkeit für einen Krankenhausstandort Dissen. Das dürfte auch daran liegen, dass der Krankenhausplan des Landes für Bad Rothenfelde drei Krankenhäuser verzeichnet, die die stationäre Akutversorgung sicherstellen sollen. Das sind neben dem Herzzentrum der Schüchtermann-Klinik eine Augenklinik und eine Hautklinik.

Gleichzeitig soll das Klinikum Osnabrück die Streichung der 127 Dissener Klinikbetten aus dem Krankenhausbedarfsplan betreiben und am Standort des Dissener Klinikums die Einrichtung einer Poliklinik oder eines Medizinischen Versorgungszentrums anstreben. Dazu sagte Kliniksprecherin Silvia Kerst: „Zurzeit werden gemeinsam mit den Verantwortlichen verschiedene Möglichkeiten diskutiert.“

Zur Frage, ob das Klinikum Osnabrück die Streichung der Krankenhausbetten vorantreibe, erklärte sie: Dieses Thema werde in der kommenden Woche in der nächsten Sitzung des Aufsichtsrates des Klinikums Osnabrücker Land besprochen. Die ist für den 29. Oktober geplant.

Die notärztliche Versorgung im Südkreis wird mit der Teilschließung des Krankenhauses zum Sonntag, 26. Oktober, an die Bad Rothenfelder Schüchtermann-Klinik verlegt. Für Patienten ändert sich nichts, wenn sie die Notrufnummer 112 wählen.

Am Montag soll der Sozialplan für das Dissener Klinikum unterschrieben werden. 380 Mitarbeiter – 70 weitere haben sich bereits eine andere Stelle gesucht – sind noch einmal aufgerufen, an ihren Arbeitsplatz zu kommen.

Die Innere Abteilung wird bis zu ihrem Umzug nach Georgsmarienhütte im Frühjahr in Dissen weitergeführt. Danach steht das Gebäude leer.


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