Kritik an Sozialplanbudget Aus für Dissener Klinik: Wie viel zählt Bestandsschutz?

Von Stefanie Adomeit

Das Klinikum in Halle, demnächst Ziel für Kranke aus dem Osnabrücker Südkreis? Foto: Klinikum HalleDas Klinikum in Halle, demnächst Ziel für Kranke aus dem Osnabrücker Südkreis? Foto: Klinikum Halle 

Dissen. Wo bisher noch ein Funken Hoffnung glomm, wabert seit Dienstag eine dunkle Woche. Das Klinikum Osnabrücker Land hat für seinen Standort Dissen das „endgültigste“ Aus verkündet. Kein Investor, keine Zukunft. „Der Betrieb wird am 25. Oktober eingestellt“, so das Klinikum auf Anfrage unserer Redaktion.

Lediglich die Innere Abteilung soll noch einige Monate weiterbetrieben werden, bis sie an den Standort Georgsmarienhütte umziehen kann.

208 Mitarbeiter des Klinikums Osnabrücker Land werden nun ein Kündigungsschreiben erhalten. Für sie, so das Klinikum, stellten das Land und die Krankenkassen „ausreichend Mittel zur Verfügung“. So hatte es das Sozialministerium auch selbst angekündigt. Die Gelder werden für die Löhne der nächsten drei Monate, den Sozialplan und die Einrichtung einer Transfergesellschaft verwendet. Die Gesellschaft dient der Beratung, Qualifizierung und Vermittlung der Mitarbeiter.

„Wir haben in den vergangenen Tagen zahlreiche Gespräche geführt, um eine sozial verträgliche und möglichst faire Lösung für die Mitarbeiter in dieser schwierigen Situation zu ermöglichen. In den kommenden Tagen und Wochen werden wir die konstruktiven Gespräche fortsetzen“, sagte Geschäftsführer Georg Sartorius.

„Da geht es eben ganz konkret um Kündigungen“, zeigte sich der Betriebsratsvorsitzende Hans Kemper traurig berührt, der seit Mitte August mit den eng getakteten Vorgesprächen zum Sozialplan betraut ist.

Die Verwirklichung der versprochenen sozialverträglichen Lösung mithilfe des Sozialplans sieht er im Moment skeptisch: „Es ist viel zu wenig Geld da, um das Ganze sozial verträglich zu gestalten.“ Leider seien offenbar weder die Stadt Osnabrück als alleinige Gesellschafterin der Trägerin noch die Trägerin selbst, das Klinikum Osnabrück, dazu bereit, einen Beitrag zu leisten. Kemper befürchtet nun: „Die Verlierer werden die Mitarbeiter sein.“

Unklar ist derzeit auch, was mit dem Bestandsschutz bis Ende des kommenden Jahres ist, den der Aufsichtsrat des Diakoniewerks beim Verkauf der Klinik an das Klinikum Osnabrück im Jahr 2011 abgeschlossen hatte.

Für die Versorgung der 80000 Menschen im Einzugsbereich des Dissener Klinikums hat man sich im niedersächsischen Sozialministerium inzwischen überlegt, dass diese mit Blinddarmentzündung und Trümmerbruch nicht nur ins Franziskus-Hospital, ins Osnabrücker Klinikum oder ins Marienhospital fahren sollen. Für Patienten aus Dissen und Bad Rothenfelde soll das Klinikum Halle die Rettung im Notfall bedeuten.

Dort wusste man davon bis zur Anfrage unserer Redaktion nichts. „Mir ist nicht bekannt, dass wir offiziell angesprochen worden sind“, erklärte Sprecher Axel Dittmar. Natürlich traue man sich zu, die Patienten aus dem Südkreis medizinisch gut zu versorgen. „Wir sind ein Haus der Grund- und Regelversorgung mit Chirurgie, Notfallmedizin, Innerer Medizin, Unfallchirurgie usw. Wenn das Klinikum Dissen geschlossen wird, werden wir darauf reagieren.“ Allerdings könne man die rund 20 Kilometer Wegstrecke vom Südkreis nach Halle auch nicht weghexen.