Protestanten prangern Wortbruch an Offener Brief ans Ministerium zur Klinik-Krise in Dissen

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Staatssekretär Jörg Röhmann (rechts) stellte sich vor Beginn des Regionalgesprächs den Fragen der Demonstranten zur Zukunft des Krankenhaus-Standorts Dissen. Foto: Michael GründelStaatssekretär Jörg Röhmann (rechts) stellte sich vor Beginn des Regionalgesprächs den Fragen der Demonstranten zur Zukunft des Krankenhaus-Standorts Dissen. Foto: Michael Gründel

pm/sta Dissen/Georgsmarienhütte. Mit einem Bibelwort beginnt der offene Brief der evangelischen Kirchengemeinden Dissen, Bad Laer, Glandorf und Bad Rothenfelde und der Stiftung Dissen an das niedersächsische Sozialministerium. Anlass des Schreibens ist die „große Sorge und tiefe Fassungslosigkeit“ der Gemeinden angesichts der drohenden Schließung des Dissener Klinikums. „Aus christlicher Überzeugung sind wir der Meinung, dass es um des Menschen willen eine ortsnahe Gesundheitsversorgung in Dissen geben muss.“

Der rot-grünen Landesregierung werfen die Protestanten einen „Wortbruch“ und „Falschaussagen“ vor: So sei aus dem Ministerium zu hören, dass Krankenhäuser unter 200 Betten keine Überlebenschance hätten. Gleichzeitig soll das Klinikum nun konträr zur bisherigen Planung statt in Dissen in GMHütte mit unter 100 Betten fortbestehen – und Dissen geschlossen werden.

Staatssekretär Jörg Röhmann habe am 10. September 200 Bürger aus den Südkreisgemeinden und die Mitglieder der Regionalkonferenz im Kreishaus Osnabrück „mit der Falschaussage“ konfrontiert, dass alle Leistungen der Grund- und Regelversorgung des Dissener Klinikums durch die Rehabilitationskliniken in Bad Rothenfelde abgedeckt seien“. Für die 80000 Menschen im Einzugsgebiet seien viele Fragen ungeklärt.

So habe der Aufsichtsrat des Diakoniewerks beim Verkauf der Klinik einen Bestandsschutz für die Beschäftigten bis Ende 2015 vertraglich abgeschlossen. „Warum reagiert der Aufsichtsrat des Diakoniewerks nicht auf diese Vertragsverletzung?“, fragen die christlichen Gemeinden. Ebenfalls ungeklärt: „Wie wird die Notfallversorgung für den Südkreis gewährleistet?“ Für unverständlich halten die Unterzeichner auch die Formulierung Röhmanns, dass es im Südkreis zu viele Anbieter im Gesundheitsbereich gebe. „Hat er hier die Spezial- und Rehakliniken in Bad Rothenfelde im Blick, die ein völlig anderes Angebot bereithalten, jedoch keine Grund- und Regelversorgung?“ Und „wie wird der Industriefaktor mit 20000 unfallgeneigten Arbeitsplätzen im Südkreis und angrenzendem NRW mit mehr als 2000 Arbeitsunfällen im Jahr sichergestellt?“ Und noch eine Frage sorgt die Gemeinden: „Sind die Krankenhäuser in Osnabrück mit heutiger Vollauslastung auf die Patientenströme aus dem Südkreis vorbereitet?“

Das Fazit der evangelischen Südkreis-Gemeinden: „Wenn Sie als Entscheidungsträger alle politischen, konfessionellen und persönlichen (Träger-)Interessen beiseitestellen, haben wir Ihnen durch die Auflistung der Fragen genügend Fakten aufgezeigt, sich für den Erhalt des Klinikstandortes Dissen zu entscheiden.“


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