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Oktoberfestschlägerei in Dissen Prozess in Iburg vertagt – Angeklagte drücken sich

Von Heiko Kluge


Dissen. Eigentlich hatte sich das Amtsgericht Bad Iburg heute mit einer Schlägerei auf dem Dissener Oktoberfest befassen wollen. Dabei waren im vergangenen Jahr ein Feuerwehrmann und sein Sohn schwer verletzt worden. Doch daraus wurde nichts – denn von den vier Angeklagten war nur einer zur Verhandlung gekommen.

Den vier Angeklagten aus Dissen und Bohmte, 20 bis 24 Jahre alt, wird vorgeworfen, am 13. Oktober vergangenen Jahres nach dem Oktoberfest der Freiwilligen Feuerwehr den damals 37 Jahre alten Dissener und seinen 15-jährigen Sohn gemeinschaftlich angegriffen und durch Schläge und Tritte schwer verletzt zu haben.

Doch zum heutigen Termin vor dem Amtsgericht Bad Iburg, wo die Schlägerei juristisch aufgearbeitet werden sollte, waren Richterin, Staatsanwalt und auch die Anwälte vergebens erschienen. Da drei der angeklagten jungen Männer nicht erschienen waren, konnte das Gericht die Sache, für deren Aufklärung dreizehn Zeugen geladen waren, nicht verhandeln.

Wie die Richterin mitteilte, hatten am Vortag zwei der Angeklagten bei ihr angerufen und mitgeteilt, dass sie auf dem Rückweg von Österreich in einem Stau steckten und es nicht rechtzeitig schaffen würden. Ein Grund, den die Richterin nicht akzeptierte: „Eine Verhandlung ist schließlich keine Spaßveranstaltung, bei der man zum Vergnügen erscheint.“ Ein neuer Verhandlungstermin steht noch nicht fest.

Der Überfall in Dissen im Oktober 2013 war von der Polizei als ungewöhnlich brutal eingestuft worden. Der 37-jährige Vater war mit seiner Frau um 3.15 Uhr auf dem Rückweg vom Oktoberfest der Feuerwehr, als nahe der Brücke über den Noller Bach 15 bis 20 Angreifer über den Mann herfielen und ihn abwechselnd verprügelten. Er wurde durch Schläge und Tritte gegen den Kopf und Körper schwer verletzt, erlitt zahlreiche heftige Hämatome und musste im Krankenhaus behandelt werden. Die 37-jährige Ehefrau musste dem Angriff zusehen und alarmierte die Polizei per Handy. Als ihr 15-jähriger Sohn, der ebenfalls auf dem Heimweg war, dazukam und sich schützend vor seinen Vater stellte, wurde auch er geschlagen und getreten. Er musste wie sein Vater mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden. Zudem wurde ihm die Oberbekleidung vom Leib gerissen – bei sechs Grad Celsius.

Die Polizei in Dissen identifizierte schließlich mehrere Verdächtige , die mit einer Ausnahme alle in Dissen wohnen und in unterschiedlicher Form an der Auseinandersetzung in der Nacht zum 15. Oktober beteiligt waren. Nach Angaben der Polizei sind alle Verdächtigen aus früheren Strafverfahren bekannt. Die Ermittlungen seien zunächst sehr schleppend verlaufen, da sich trotz der umfangreichen Berichterstattung keine Zeugen gemeldet hätten. Erst nach und nach hatten Hinweise, die teilweise anonym eingingen, auf die Spur der Täter geführt.

Neben den mutmaßlichen Schlägern schauten etwa zehn Personen dem Überfall zu, ohne den Opfern zu helfen. Nach den Zeugenaussagen sind drei der sieben Täter als Hauptakteure anzusehen. Dabei fiel ein Angreifer durch besondere Aggressivität auf.

Warum die jungen Leute den Familienvater angegriffen hatten, war zunächst unklar gewesen. Die Angeklagten waren aber schon beim Oktoberfest durch aggressives Verhalten aufgefallen und hatten einen Platzverweis erhalten. Das Oktoberfest in Dissen wird von der Freiwilligen Feuerwehr ausgerichtet. Auch das 37-jährige Opfer der Prügelattacke ist Mitglied der Feuerwehr und hatte am Abend eine Gruppe Jugendlicher darauf hingewiesen, Bierkrüge nicht mit aus dem Zelt zu nehmen.