Regionalgespräch ohne konkrete Ergebnisse Zukunft des Klinikum-Standorts Dissen weiter offen

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Wirkungsvoller Protest: Mehr als 200 Krankenhaus-Mitarbeiter und Dissener Bürger empfingen die rund 60 Teilnehmer des Regionalgesprächs zur Krankenhausversorgung in der Region. Foto: Michael GründelWirkungsvoller Protest: Mehr als 200 Krankenhaus-Mitarbeiter und Dissener Bürger empfingen die rund 60 Teilnehmer des Regionalgesprächs zur Krankenhausversorgung in der Region. Foto: Michael Gründel

Osnabrück/Dissen. Dissens Bürgermeister Hartmut Nümann und Staatssekretär Jörg Röhmann saßen beim abschließenden Pressetermin zu den Ergebnissen des Regionalgesprächs zur Krankenhausversorgung im Osnabrücker Raum am Mittwoch direkt nebeneinander. Doch trotz dieser Nähe vermieden sie jeden direkten Blickkontakt. Zwischen beiden herrscht Eiszeit: Was die Zukunft des Klinikums Osnabrücker Land am Südkreis-Standort betrifft, könnten die Fronten zwischen beiden nicht verhärteter sein.

Nümann kämpft mit allen Mitteln um den Erhalt des 110 Jahre alten Krankenhauses in der Stadt, da die Einrichtung unverzichtbar für die Menschen im Südkreis sei.

Röhmann dagegen sieht bis 2030 eine Überkapazität von 900 der zurzeit rund 3500 Krankenhausbetten in Stadt und Landkreis Osnabrück und will mit dem sich für November abzeichnenden Aus für die Dissener Einrichtung ein klares Zeichen setzen – inklusive Streichung der 127 Betten.

Aber das Engagement der Dissener für ihren Standort hat ihn offensichtlich beeindruckt. Die Proteste von mehr als 200 Beschäftigten und Südkreis-Bürgern, die vor dem Tagungsgebäude am Schölerberg „Flagge gezeigt“ hätten, seien eine nicht einfach zu ertragende Belastung, gestand er ein – aber Beschlüsse notwendig.

Das inzwischen zweite „Regionalgespräch zur Optimierung der Krankenhausversorgung“ in der Region hat jedoch keine Ergebnisse gebracht, die der Gast mit zurück ins Sozialministerium nehmen konnte. „Wesentlich besser als befürchtet, aber wesentlich schwächer als erhofft“, fasste Röhmann selber am Ende den Zwischenstand zusammen.

Kliniken in der Krise: Das Spezial auf noz.de

Statt Fortschritte auf dem Weg zu einem Zukunftskonzept für die Region zu erzielen, sind jetzt eher noch mehr Fragen offen. Für Dissen sieht Röhmann aber weiter keine Perspektive, da es auch nach einer Sanierung nicht möglich sei, das Haus ohne Verluste zu betreiben. Es habe aber einen Appell an die Vertreter der Krankenhaus-Träger unter den rund 60 Teilnehmern des Regionalgesprächs gegeben, sich für Dissen als Krankenhaus-Ort zu engagieren.

Überraschendes Ergebnis: Die Ameos-Klinikgruppe, deren Osnabrücker Einrichtung regionales Zentrum für die Behandlung psychischer Erkrankungen ist, hat angeboten, in Dissen einen Schwerpunkt für die Versorgung traumatisierter Bürgerkriegsflüchtlinge einzurichten, wie ihn der Niels-Stensen-Verbund auch als künftige Lösung für Bramsche plant. Der Ameos-Vorschlag stellt aber das vom Ministerium bereits positiv bewertete künftige Konzept zur Tuchmacherstadt infrage.

Denn Fakt ist: Nur ein Standort kann den Zuschlag bekommen. Ein Termin mit allen Trägern, die in Stadt und Landkreis für Psychiatrie-Angebote zuständig sind, soll jetzt eine Lösung bringen.

Ameos kommt bei den angestrebten Zukunftslösungen eine Schlüsselstellung zu. Denn Konkurrenzangebote zu bestehenden psychiatrischen Einrichtungen sind eigentlich nicht möglich. Außerdem ist beim Verkauf der Landeskrankenhäuser vor einigen Jahren dem Träger von der alten Landesregierung die Zusage gegeben worden, dass er den Zuschlag zu bekommen habe, wenn er die gleichen Bedingungen wie der Mitbewerber erfüllt. Röhmann hat deshalb auch beim Regionalgespräch betont: „Wir können nur gemeinsam Lösungen finden.“ Sollte Ameos den Klageweg beschreiten, gibt es wohl hohe Erfolgschancen.

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Dissens Bürgermeister hat auf das Ameos-Interesse am Südkreis genauso wie der Betriebsratsvorsitzende Hans Kemper verhalten reagiert. Beide haben weiter das Ziel, am Ort ein Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung zu erhalten. Auch in dieser Hinsicht gibt es aber einen Interessenten, der sich in Kürze vor Ort ein Bild vom Standort machen will. Nümann: „Ich habe weiter die Hoffnung, einen seriösen Träger zu finden. Andere „Spezialisierungen“ seien hier nicht zielführend.

Klar ist allen Beteiligten, dass sie „unter einem riesigen Zeitdruck stehen“, wie es Landrat Michael Lübbersmann ausdrückte. Er sprach sich noch einmal für eine schnelle und wohnortnahe Versorgung aus, und hatte deshalb für Dissen zuletzt eine Portalklinik mit weiteren Angeboten als Lösung ins Spiel gebracht.

Dies hat das Land abgelehnt. Aber es gibt hier Bewegung: Röhmann hat am Mittwoch erklärt, dass in Dissen kein Krankenhaus mehr vorgesehen sei, er aber ein Gesundheitszentrum mit weiteren Angeboten oder ein MVZ (Medizinisches Versorgungszentrum) für sinnvoll halte.

Der Zeitraum für das nächste Regionalgespräch in Osnabrück steht fest: Um Nikolaus herum muss das Zukunftskonzept Anfang Dezember vorliegen, da die Ergebnisse auch im Haushalt 2015 berücksichtigt werden sollen. Dissen und auch Bramsche brauchen aber schon früher Lösungen.

Nümann: „Wir stehen vor der Wahnsinnsaufgabe, schnell eine Zukunftsperspektive zu finden, damit die Patienten wissen, wie es weitergeht.“


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