Klinikkrise Dissener Krankenhaus: Grüne fordern Land, Kreis und Kommunen

Im März hatten die Dissener und ihre Nachbarn zum ersten Mal für den Erhalt des Krankenhauses demonstriert. Foto: Archiv/SeilerIm März hatten die Dissener und ihre Nachbarn zum ersten Mal für den Erhalt des Krankenhauses demonstriert. Foto: Archiv/Seiler

pm/sta Dissen. Die Landkreis-Grünen unterstützen die Freitags-Demos für den Erhalt des Dissener Krankenhauses. „Mit gesundem Menschenverstand ist nicht zu verstehen, warum die Albertine, die dreimal so viele Notfälle versorgt wie das Marienhospital Osnabrück, wegrationalisiert werden soll“, sagte Anna Kebschull aus Bad Rothenfelde, Mitglied des Parteirates der Landes-Grünen.

Das Krankenhaus sichere die Grundversorgung einer strukturstarken Region. Rund um Dissen gebe es 20000 unfallträchtige Arbeitsplätze. Bad Rothenfelde mit seinen Kur- und Spezialkliniken sei dringend auf ein Akutkrankenhaus in unmittelbarer Nähe angewiesen. „Wo sollen die Patienten hin, die das gut ausgelastete Krankenhaus heute in Anspruch nehmen, in die überlasteten Häuser in und um Osnabrück oder mit verletztem Fuß in die Herzklinik nach Rothenfelde?“ Schon heute verzeichne der Landkreis eine Unterversorgung von 669 Krankenhausbetten.

Negative Bilanzen seien Folge geänderter Rahmenbedingungen, nicht mangelnder Auslastung. Die öffentlichen Aufwendungen für Krankenhäuser seien seit Jahrzehnten gesunken, die Zuweisungen pro Fallzahl in Niedersachsen anerkannt zu niedrig, eine Fallpauschale von 45 Euro pro Notfall zu klein. Hier werde Wirtschaftlichkeit vor Daseinsvorsorge gestellt. „Gleichzeitig erreichen die Steuereinnahmen Rekordhöhen, die Kassen der Krankenversicherer sind voll wie nie zuvor“, konstatierte Kebschull. Gesundheit sei ein Gut, bei dem nicht nach rein wirtschaftlichen Aspekten verfahren werden dürfe. „Würde das Land die Investitionssumme zur Verfügung stellen, die seit Jahren wie eine Möhre vor der Nase Dissens baumelt, fände sich bestimmt ein geeigneter Träger“, so Kebschull.

Die solidarische Beteiligung von Land, Landkreis und Südkreis-Kommunen schlägt Rainer Kavermann vor. „Wenn alle in eine Richtung arbeiten, sollte es gelingen, eine Betreibergesellschaft zu gründen, das Haus zu sanieren, neu auszurichten und zu erhalten“, sagte der Grünen-Fraktionsvorsitzende im Kreistag. Es könne nicht sein, dass der Landkreis für Flughäfen, Windparks und Abfallwirtschaft kurzfristig Millionen lockermache, aber die Gesundheitsversorgung im Südkreis vernachlässige. Es helfe nicht, sich wegzuducken und die Fehlentwicklung anderen anzulasten.

Gleiches gelte für die Dissener Unternehmen. Es sei inakzeptabel, Gewerbesteuer ins Ausland zu verschieben und die Finanzsituation am Produktionsstandort immer schlechter werden zu lassen. Schließlich gehe es auch um die Gesundheit der eigenen Mitarbeiter.