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Bramsche wird Psychiatrie-Schwerpunkt Dissener Klinik vor dem Aus – Bramsche wird gestärkt


we/wek. Hannover/Bramsche/Dissen. Die Würfel sind gefallen: Der Krankenhaus-Planungsausschuss des niedersächsischen Sozialministeriums hat entschieden, für das Krankenhaus in Dissen keine weiteren finanziellen Zuschüsse für Investitionen zur Verfügung zu stellen. Das Krankenhaus in Bramsche soll dagegen mit einer konzeptionellen Neuausrichtung mit psychiatrischem Schwerpunkt gestärkt werden.

Für das Klinikum Osnabrücker Land in Dissen, eine Tochtergesellschaft des städtischen Klinikums Osnabrück, bedeutet die Absage vermutlich das Aus.

Die Sorge um den Fortbestand der Einrichtung mit rund 230 Arbeitsplätzen und 127 Krankenhausbetten war in den vergangenen Tagen und Wochen bereits deutlich spürbar. Wahrscheinlich werden jetzt rund 40 Betten aus Dissen zum Krankenhaus nach Georgsmarienhütte (gut 60 Stellen und derzeit 48 Betten) verlagert, das ebenfalls Teil des Klinikums Osnabrücker Land ist. Während der Standort Dissen weiter größere Verluste macht, hat der Standort GMHütte schwarze Zahlen geschrieben.

Die Dissener hatten bis zuletzt gehofft, eine vom Land Niedersachsen in Aussicht gestellte Finanzspritze von 13 Millionen Euro für eine Modernisierung zu bekommen. Teil des Konzeptes mit Gesamtinvestitionen von 17 Millionen Euro war es, dann den Standort Georgsmarienhütte aufzugeben. Dort soll nun aber auf geplante Abteilungen für Psychiatrie und Psychosomatik verzichtet werden.

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Das Krankenhaus in Bramsche (gut 200 Stellen und rund 100 Betten) bleibt dagegen erhalten und soll für wahrscheinlich mehr als zehn Millionen Euro zu einer Einrichtung mit psychiatrischem Schwerpunkt ausgebaut werden. Die sogenannte Planungsfreigabe für die dringend nötige Sanierung hatte der Träger des Hauses, der katholische Niels-Stensen-Klinikverbund , zur Voraussetzung erklärt, um das Krankenhaus zukunftsfähig aufstellen zu können.

Der Planungsausschuss empfahl mehrheitlich, dem Antrag auf Etablierung einer stationären psychiatrischen Abteilung mit 40 Betten, einer psychosomatischen Abteilung mit 20 Betten und einer internistischen Abteilung mit 40 Betten in Bramsche Folge zu leisten. Dafür soll im Gegenzug die chirurgische Abteilung geschlossen werden.

Den Standort Ankum will man durch Verlagerung der Abteilungen für Orthopädie und HNO stärken; in Melle soll kapazitätsneutral eine geriatrische Abteilung neu geschaffen werden. Sozialministerin Cornelia Rundt und Staatssekretär Jörg Röhmann (beide SPD) stellten diese Lösungen aber unter den Vorbehalt einer Zustimmung durch die Krankenhausträger bei der nächsten Regionalkonferenz am 10. September in Osnabrück. Sie machten deutlich, dass in diesem Bereich ähnlich wie im Hildesheimer Raum beträchtliche Überkapazitäten bei den Krankenhäusern bestünden.

Zu Bramsche wurde angemerkt, dass über die Zukunft dieses Standortes lebhaft diskutiert worden sei. Positiv ins Feld geführt habe man unter anderem, dass Bramsche als drittgrößte Stadt im Landkreis und mit der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge besondere Herausforderungen zu bewältigen habe. Zu Dissen hieß es, aufgrund der demografischen Entwicklung, der vorgelegten medizinischen Konzeption sowie der regionalen Konkurrenz lägen die Vorausssetzungen für eine bedarfsgerechte, leistungsfähige und wirtschaftliche Leistungserbringung an diesem Standort nicht vor. Deswegen sei gegen das Investitionsprojekt mit einem Volumen von 24,5 Millionen Euro und einer beantragten Landesförderung von 17,5 Millionen Euro entschieden worden.

Für die Krankenhäuser in Niedersachsen will das Land in diesem Jahr 120 Millionen Euro an Investitionsmitteln bereitstellen, wie Rundt mitteilte. Gefördert würden 25 Projekte, darunter mit einer letzten Rate von fünf Millionen Euro auch das Euregio-Krankenhaus in Nordhorn. Insgesamt hätten Anträge mit einem Volumen von rund 1,1 Milliarden Euro vorgelegen.


Die Regionalgespräche:

Nach Angaben des Sozialministeriums hat Niedersachsen zusammen mit Baden-Württemberg die niedrigste Bettendichte in Deutschland. In den wenigen Regionen, in denen es noch einen Überhang gebe, habe Ministerin intensive Regionalgespräche mit allen Beteiligten ins Leben gerufen. Sie würden von Sozialstaatssekretär Jörg Röhmann moderiert.

Der Planungsausschuss hatte sich an diesem Mittwoch mit den Ergebnissen dieser Gespräche befasst und erste Empfehlungen beschlossen. Sie gelten unter anderem für die Landkreise Osnabrück, Hildesheim und Wesermarsch sowie die Städte Delmenhorst und Salzgitter.

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