78 Schüler vor Flammen gerettet Heldenhafter Busfahrer arbeitet für Dissener Reisedienst

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Osnabrück. „Alle raus aus dem Bus! Schnell!“ Mit seinem Einsatz hat ein Busfahrer 78 Schüler aus einem brennenden Bus vor den Toren Hamburgs gerettet. Der Reisebus der Gruppe hatte auf der A7 Feuer gefangen. Der Fahrer arbeitet für ein Dissener Unternehmen. Als Held will er sich nicht feiern lassen.

Viel Zeit blieb Joachim Roßdeutsche nicht. Es ist mitten in der Nacht, als der Busfahrer merkt, dass etwas nicht stimmt. 78 Kinder aus Schleswig-Holstein sitzen in seinem Bus, die auf einer Klassenfahrt Richtung England unterwegs sind. Seit 20 Jahren arbeitet Roßdeutsche als Busfahrer, inzwischen für das Dissener Unternehmen „Kettler‘s Reisedienst“, einen der großen Anbieter im Osnabrücker Land. Schnell weiß der erfahrene Fahrer: Dieser seltsame Geruch aus dem Motorraum verheißt nichts Gutes.

Bus auf Raststätte gelenkt

Von der Autobahn 7 lenkte der 53-Jährige seinen Bus auf die Raststätte Harburger Berge – gerade rechtzeitig. Dem Sender NDR 1 Niedersachsen schilderte Roßdeutsche, wie er den Bus zum Stehen brachte. Er habe dann gerufen, alle sollten schnell raus, sagte der Busfahrer. Er sei ins Heck des doppelstöckigen Busses gelaufen und habe an der Treppe geholfen, die Jugendlichen rauszubringen. Die Kinder seien aufgeregt gewesen, hätten nach der Aufforderung aber schnell reagiert. Kurz darauf brach das Feuer im Innenraum aus.

Sengende Hitze

Wie Fernsehbilder zeigten, brannte das Fahrzeug nahezu vollständig aus – es stand nur wenige Meter neben einer Tankstelle auf der Autobahnraststätte. Einsatzkräfte löschten den qualmenden Motorraum mit Löschschaum. Als sich die Feuerwehrleute später ins Innere wagen konnten, hatte die Hitze des Feuers die Scheiben des Busses zerstört. Vereinzelt trugen Feuerwehrleute auch Reisekoffer aus dem Laderaum.

Der schnellen Reaktion des Busfahrers sei es zu verdanken, dass keine Kinder zu Schaden kamen. Davon ist auch Ulrike Kettler überzeugt, Mitinhaberin des Dissener Busunternehmens, aus dessen Fuhrpark der Bus stammte. Ein technischer Defekt führte laut Polizei aller Wahrscheinlichkeit nach zu dem Brand. „Wir sind sehr froh, dass wir so viel Glück im Unglück hatten und niemand verletzt wurde“, sagte Kettler. Einer der Schüler erlitt einen Schock und wurde im Krankenhaus behandelt, konnte es aber am selben Tag noch wieder verlassen.

„Adrenalinspiegel ganz oben“

Um zwei Uhr nachts wurde Ulrike Kettler von dem Anruf geweckt, einer ihrer Busse sei ausgebrannt. „Da war der Adrenalinspiegel natürlich erst einmal ganz oben.“ Ihr Fahrer habe vorbildlich gehandelt. „Wenn es nur mehr solche Busfahrer gäbe“, sagte sie.

Roßdeutsche selbst will sich offenbar nicht als Held feiern lassen. Sein einziges Interview gab der Nienburger direkt an der Unglücksstelle. Dem NDR sagte er: „Das klingt vielleicht hochtrabend, aber es geht natürlich erst mal um die Gäste – und die müssen natürlich aus dem Bus raus. Und das so schnell wie möglich. Man stellt seine eigenen Sachen zurück. Dass das dann geklappt hat: umso besser. Ich bin froh, dass es so war.“

Die Klassenfahrt der Schüler aus Itzehoe wurde zunächst abgesagt. Nach Angaben des Reiseveranstalters soll nun geklärt werden, ob die Reise nach Oxford doch noch stattfinden kann oder nachgeholt wird. (mit dpa)


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