RWE oder Stadtwerke Versmold? Dissen sucht einen Partner für die Stromversorgung

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Die Schaltleitung Osnabrück: Hier wird das Netz überwacht. Foto: RWEDie Schaltleitung Osnabrück: Hier wird das Netz überwacht. Foto: RWE

Dissen. Die Stadt Dissen sucht einen neuen Partner für die Strom- und Gasversorgung in Dissen. Im Oktober 2016 laufen die Konzessionsverträge mit dem aktuellen Netzbetreiber, dem Energiekonzern RWE, aus. „Die Suche nach einem strategischen Partner bis spätestens Ende des Jahres hat nun mit der Energieausschusssitzung begonnen“, sagte Kämmerer Ulrich Strakeljahn.

Der Ausschuss hat sich einstimmig auf das Ziel geeinigt, die Energienetze unter eigene Kontrolle zu bringen. Das könne mit Beteiligung an einer bestehenden Netzgesellschaft oder mit der Gründung eines eigenen Stadtwerks geschehen. Daran könne dann gegebenenfalls auch ein strategischer Partner beteiligt werden. „Die Gründung eines eigenen Stadtwerks mit einem strategischen Partner könnte rein theoretisch auch mit RWE erfolgen, ähnlich wie es in Bissendorf der Fall ist “, erläuterte Strakeljahn. „Das ist aber nur zweite Priorität hinter der Beteiligung an einer bestehenden Netzgesellschaft oder der Gründung einer neuen.“ Die Beteiligung könne aber auch mit Unternehmen wie der Georgsmarienhütte GmbH oder der Strom- und Gasversorgung Versmold (SGV) erfolgen. Die letzte Konzession wurde für 20 Jahre vergeben. Gründe für einen Wechsel gäbe es laut Strakeljahn viele: „Durch eigene Stadtwerke hätten wir mehr Gewerbesteuer und dadurch höhere kommunale Einnahmen“, erläutert Strakeljahn. Die Konzessionsabgabe beim Strom sei zwar gesetzlich festgelegt, aber beim Gas könne man als Grundversorger eventuell höhere Konzessionsabgaben verlangen. Das Interessensbekundungsverfahren beginne jetzt. „Wir wollen erst einmal gucken, welche Ideen eingebracht werden“, so Strakeljahn. Offiziell müsse bis Ende Oktober 2014 bekannt gegeben werden, dass die Konzessionsverträge Ende Oktober 2016 auslaufen und die Neuvergabe der Konzessionen beginnt.

Eine hohe Priorität genießt in Dissen laut einer Beschlussvorlage für den Energieausschuss neben der Steigerung der kommunalen Einnahmen ein besserer Kundenservice, ein Einfluss auf den Netzausbau und den Energievertrieb, auf den Ausbau von erneuerbaren Energien und Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen vor Ort, eine strategische Partnerschaft auf Augenhöhe und eine Stärkung der Wirtschaftskraft vor Ort zum Beispiel durch niedrigere Netzentgelte. Von eher untergeordneter Bedeutung ist für die Fraktionen der Aufbau eines Netzbetriebes oder eines vollwertigen Energieversorgungsunternehmens als eigene Stadtwerke.

Der aktuelle Betreiber RWE will die bewährte Partnerschaft weiterführen. „Wir werden ein sehr attraktives Angebot abgeben, das sich an den Wünschen der Stadt Dissen orientiert“, versprach der für Konzessionen zuständige Ansprechpartner bei RWE für Dissen, Thomas Wirp. „Wir sind seit mehr als 100 Jahren verlässlicher Partner in allen Belangen der Energieversorgung und wollen diese Partnerschaft fortführen.“ Die Erfahrung spreche für sich, da RWE in rund 90 Prozent der Fläche im Landkreis Osnabrück Netzbetreiber sei.

Allerdings buhlt unter anderen auch die SGV um die Neuvergabe der Konzessionen. „Wenn die Kommunalpolitik Einfluss auf den Netzausbau gewinnen will, dann sind wir der bessere Partner als RWE“, sagt SGV-Geschäftsführer Jörg Kogelheide. Zurzeit sei der Einfluss der Kommune bei einem Partner wie RWE „gleich Null. Wir verfolgen die Ziele als kommunaler Partner hingegen auf Augenhöhe.“ RWE strebe als börsennotiertes Unternehmen nach Gewinnmaximierung für die Aktionäre, SGV habe hingegen einen Schwerpunkt „auf der Daseinsvorsorge“, stecke das Geld in die Infrastruktur und in den kommunalen Haushalt. Bei einem Wechsel zu SGV würde die Strom- und Gasversorgung Versmold die vorhandenen Netz-Strukturen von RWE nach Auslaufen der Konzession im Oktober 2016 übernehmen und laut Kogelheide darauf aufbauen.


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