Polizei schätzt 2500 Teilnehmer Dissener demonstrieren für Erhalt des Klinikums


Dissen. Mit Trillerpfeifen, Fahrradklingeln, Megafonen und Protestrufen demonstrierten am Freitagnachmittag laut Polizeischätzung 2500 Mitarbeiter und Bürger für den Erhalt des Klinikums Osnabrücker Land. Die Demonstranten sprachen von 3500 Teilnehmern.

Vom Dissener Klinikum ziehen die Teilnehmer zum Rathaus. Trotz der ernsten Lage lässt sich auf den Gesichtern der meisten Demonstranten Heiterkeit und Tatendrang ablesen. „Endlich kann man was tun“, beschreibt es Grit Pieper, die im hinteren Teil des Demonstrationszuges läuft. Sie arbeitet seit 22 Jahren für das Klinikum. Im nächsten Jahr geht sie in Rente. Trotzdem macht sie sich für die Kollegen stark. „Für mich ist das nicht egal“, sagt Pieper.

480 Angestellte und 40 Auszubildende arbeiten am Standort Dissen. Wie geht es den Mitarbeitern? „Am Tag ist die Stimmung gedrückt“, sagt Pieper. „Die Kollegen haben sehr viel Angst.“ Ob sie glaube, dass sich durch diese Aktion etwas ändern wird? Pieper faltet ihre Hände und reckt sie flehend zum Himmel.

Am Rande des Demonstrationszuges stehen Dissener Bürger und sehen zu: „Die Blonde da hinten kenne ich auch; die arbeitet im Labor. Die ist unsere Nachbarin“, kommentiert eine Zuschauerin. Man kennt sich.

Ganz vorne am Rathaus steht Wilfried Maier, ehemaliger Dissener Stadtdirektor. „Selbstverständlich“ demonstriere er für den Erhalt des Krankenhauses mit, sagt der 77-Jährige, der die Entwicklung des Klinikums selbst lange begleitet hat. „Wir werden mehr Notfälle haben“, prognostiziert Maier. Und irgendwo müssten die Arbeitsunfälle der umliegenden Industriebetriebe ja behandelt werden. Neben ihm steht Johan Bosch, Betreiber des Campingplatzes Campotel in Bad Rothenfelde. „Jetzt sind es von uns fünf Minuten bis zum Krankenhaus“, sagt Bosch. Er befürchtet eine „Katastrophe“, sollte das Klinikum aufgegeben werden. Allein über Ostern erwarte er 1800 Besucher. „Um die 20 Gäste haben immer was“, so Bosch.

Vor dem Rathaus versammeln sich währenddessen die Demonstranten zur abschließenden Kundgebung. Bürgermeister Hartmut Nümann begrüßt die Demonstranten und stellt fest: „Die überwältigende Teilnahme an dieser Demo ist der Beweis dafür, dass unser Krankenhaus für die Menschen in dieser Region notwendig ist.“ Mit falschen Zahlen versuche die Landesregierung, das Krankenhaus überflüssig zu machen. Tatsächlich lebten 80000 statt der angenommenen 40000 Menschen im Einzugsgebiet des Klinikums. Und: „ Wir sind alle enttäuscht über die Haltung der Stadt Osnabrück, die das Klinikum Osnabrücker Land offensichtlich loswerden möchte“, so Nümann.

Jürgen Striewski sprach als Vertreter der Mitarbeiter: Vor allem bei Berufsunfällen sei schnelle Hilfe wichtig: „Im Notfall sind es fünf Minuten, die entscheiden.“ Auch die wohnortnahe Versorgung sei für die Menschen wichtig: „Im Alter wird das mit der Mobilität nicht besser.“ Auf eine konkrete Frage an den Ministerpräsidenten Stephan Weil habe er keine klare Antwort erhalten, sagt Striewski und fragt: „Wer ist denn für unsere Gesundheitsversorgung und die Politik des Dissener Krankenhauses zuständig?“ Karl Groß, ärztlicher Direktor des Klinikums, ergänzt: „Wo sollen die Patienten hin, wenn es uns nicht mehr gibt?“ Er fordert, endlich Fördergelder zu investieren. Zuletzt kündigt Hans Kemper, Betriebsratsvorsitzender, an: „Dieser heutige Tag wird nicht die letzte Aktion gewesen sein. Wir werden kämpfen, bis das Haus gesichert ist.“


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