Brockmann weiter in Dissen und GMHütte Klinikum Osnabrück: Wunschkandidat springt ab

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Ein Geschäftsführer für das Klinikum Osnabrücker Land mit den Standorten Dissen (Foto) und Georgsmarienhütte wird weiterhin gesucht. Foto: Gert WestdörpEin Geschäftsführer für das Klinikum Osnabrücker Land mit den Standorten Dissen (Foto) und Georgsmarienhütte wird weiterhin gesucht. Foto: Gert Westdörp

Dissen/Georgsmarienhütte/Osnabrück. Er soll einen Millionen-Fonds geleitet und Firmen vor der Pleite gerettet – oder sie in einem Fall in eine zweite geführt haben. Und er sollte Geschäftsführer des Klinikums Osnabrücker Land werden. Wird er nun aber doch nicht, leider, wie Frans Blok, Geschäftsführer des Mutterkonzerns Klinikum Osnabrück, auf Anfrage sagt.

Damit geht das Hin und Her um die Geschäftsführung für die Klinikum-Tochter mit den Standorten Dissen und Georgsmarienhütte in eine neue Runde. Denn der Name des designierten, aber Nun-doch-nicht-Geschäftsführers war bereits durchgesickert.

„Ja, es war so geplant, dass dieser Herr Geschäftsführer des Klinikums Osnabrücker Land wird. Das geht aber aus familiären Gründen nicht“, sagt Blok. Das Auswahlverfahren sei bereits sehr weit gediehen – leider.

Der designierte Geschäftsführer selbst bestätigt auf Anfrage der Neuen OZ, dass seine familiäre Situation der Grund für die Absage ist, die er am Dienstag mitgeteilt hat: „Es fiel mir schwer, einen Rückzieher zu machen.“

Nun heißt es also wieder: Alles auf Anfang. Das Auswahlverfahren läuft erneut an. Wichtigste Qualifikation für die Bewerber: Erfahrung mit „Restrukturierungen“. Ziel: „Das Beste aus den schwierigen wirtschaftlichen Umständen machen“, wie Blok die prekäre Situation des von der Schließung bedrohten Klinikums im Südkreis beschreibt, das für seinen Fortbestand dringend auf die vom Land vor Jahren angekündigten 17,5 Millionen Euro Förderung für eine Modernisierung angewiesen ist.

Erfahrung mit Krankenhäusern brauche der neue Geschäftsführer nicht unbedingt, meint Blok. „Aber sie sind natürlich auch kein Nachteil.“

Mit der Berufung Jens Brockmanns als Teilzeit-Geschäftsführer stehe das Klinikum nun aber nicht mehr unter Zeitdruck. Brockmanns Berufung war vor einer guten Woche bekannt gegeben worden. Doch so dauerhaft engagiert für das Klinikum Osnabrücker Land, wie er es darstellte, soll Brockmann in Zukunft nicht sein. Denn einen Tag später ruderte er zurück: Er sei nur für die zwei Wochen bis zum Eintritt des neuen Geschäftsführers kommissarisch im Amt – den es ja nun doch noch nicht gibt.

„Ich bin aber sehr guter Hoffnung, dass es jetzt sehr schnell geht“, kündigt Frans Blok an. Grundsätzlich sei geplant, dass ein Geschäftsführer das Südkreis-Klinikum leitet. „Wenn es in Osnabrück mit einem geht, geht das auch dort“, findet Blok.

Mit dem nun abgesprungenen Bewerber wäre das Unternehmen auf jeden Fall um einen Mitarbeiter ohne Furcht vor großen Zahlen reicher geworden. Der Anfangvierziger hatte sich als Geschäftsführer für ein wackelndes Unternehmen angedient, erfreulicherweise mit einem Schweizer Millionen-Fonds im Rücken. Das berichteten damals örtliche Medien wie die Frankfurter Neue Presse.

Doch dann verklagte ihn ein Investor, der Geld als Darlehen in die von der Pleite bedrohte hessische Firma gesteckt hatte. Per Mail hatte der Geschäftsführer die Millionen beim Investor, „dem lieben X“, bestellt, so „für Juli weitere 1,8 Millionen“. Doch der Investor bekam recht. Das Geld musste sofort zu ihm zurückfließen – und aus der Firma abgezogen werden. Diese ging zum zweiten Mal pleite und wurde inzwischen von einem Branchenriesen aufgekauft.

Gegen die Rückzahlung des Geldes hatte der Wunsch-Geschäftsführer des Osnabrücker Klinikums Beschwerde vor dem Bundesgerichtshof eingelegt. Eine Entscheidung habe der BGH aber noch nicht getroffen, sagte er am Donnerstag.

Tatsächlich hat der Bundesgerichtshof die Beschwerde gegen die Rückzahlung vor neun Tagen zurückgewiesen. „Ich bin überrascht“, kommentierte der vor Gericht Unterlegene am Donnerstagnachmittag den Gerichtsbeschluss. Doch stünde dieses Verfahren ohnehin nicht im Mittelpunkt seines Interesses.

Dass die Berichterstattung hessischer Medien über den Osnabrücker Wunsch-Kandidaten in diesem Zusammenhang nicht sehr positiv ausfiel, liege, so sein PR-Berater, daran, dass dieser ein wichtiger Zeuge im Verfahren gegen den bereits mehrfach verurteilten Investor sei. Dieser versuche nun alles, um ihn zu diskreditieren.

Thomas Fillep, Finanzchef der Stadt Osnabrück und Mitglied des Aufsichtsrates des Osnabrücker Klinikums – also des Gremiums, das den Bewerber berufen hat –, ist denn auch überzeugt: „Unser Wunschkandidat hat den besten Leumund und die besten Referenzen, die man sich denken kann.“ Davon hätte sich auch Oberbürgermeister Wolfgang Griesert überzeugt. Zeitungsberichte, so Fillep, seien von dem Investor, mit dem der Bewerber im Clinch liegt, „negativ beieinflusst worden“, wie der Kandidat versichert habe. Jetzt müsse der Bundesgerichtshof entscheiden, aber da, habe ihm der Ex-Bewerber gesagt, sehe es „ganz gut aus“. Wie sich einen Tag später herausstellt, eine Fehleinschätzung.


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