Erfolgreich durch Amerika getourt Bluegrass-Gruppe „Looping Brothers“ tritt in Dissen auf


Dissen/Osnabrück. Auf dem Tisch liegen Zeitungsartikel aus der amerikanischen Presse. „Hier wird über unseren Auftritt auf Ocracoke Island, dem östlichsten Punkt unserer U.S.-Tournee, geschrieben, und der Bericht da ist über unseren TV-Auftritt in der Show Woodsongs“, sagt Bandmitglied Matthias Malcher. Die Ablagefläche in seinem Büro bei der Heilpädagogischen Hilfe Osnabrück wird voller und voller. Nur ein Ausschnitt des Erfolgs, den die „Looping Brothers“ in Amerika haben. Am Freitag treten sie in Dissen auf.

Tatsächlich gehören die „Looping Brothers“ alias Matthias Malcher und Ralf Strotmann aus Osnabrück und Ulrich Sieker aus Hannover zu den führenden Bluegrass Formationen Europas. Die 1996 gegründete Band stürmte jetzt mit dem aktuellen Album „Aragon Mill“, das sie mit Folk-Musik-Ikone Simon (Si) Kahn in ihrem Studio in Osnabrück aufnahm, die Folk-Airplay-Charts in den USA. Im Oktober 2013 landeten sie dort auf Platz eins vor Musikgrößen wie Bob Dylan. Wie kam es dazu?

Seit den Siebzigerjahren teilen Ulli Sieker und Matthias Malcher ihre Begeisterung für die in Deutschland verhältnismäßig unbekannte Musikrichtung Bluegrass. Sie spielten zusammen in verschiedenen Bands dieses Genres („Bluegrass Express“, „Groundspeed“) und starteten vor 18 Jahren als Duo „Looping Brothers“ – Ulli Sieker mit Mandoline, Fiddle, Gitarre und Gesang, Matthias Malcher mit Banjo, Gitarre und Gesang. „Uns fehlte für eine richtige Bluegrass-Formation noch ein Bass-Spieler, den wir später mit Ralf Strotmann fanden, der uns auch gesanglich unterstützt. So bekommen wir den vollen Bandsound, obwohl wir nur zu dritt sind“, erklärt Malcher.

Mehrmals tourten die „Looping Brothers“ durch die USA und Kanada und knüpften Kontakte zu Künstlern der Szene. Den amerikanischen Liedermacher Si Kahn lernte Malcher aber auf einem Konzert in den Niederlanden kennen. Si Kahns politisch-kritische Songs, in denen er seit den Siebzigerjahren gegen die Verletzung von Arbeiterrechten in Minen und Baumwollfabriken der Südstaaten protestiert, sind aus der Geschichte der Folk-Szene nicht wegzudenken. Viele Künstler coverten sie, besonders berühmt ist „Aragon Mill“, das die traurige Geschichte der Baumwoll-Arbeiter erzählt. Der 1943 geborene Kahn verlor Familienmitglieder im Holocaust und hat ein schwieriges Verhältnis zu Deutschland. 2007 gelang es Matthias Malcher jedoch, seinen Freund für einen Auftritt beim „Looping Brothers Festival“ nach Bramsche zu holen. Auch 2013 kam Kahn nach Deutschland und stellte beim Venner Folk Frühling das zusammen mit den Looping Brothers aufgenommene Album „Aragon Mill“ vor. Kahns größte Hits sind darauf in Bluegrass-Manier interpretiert.

Fernsehauftritt

Im Herbst letzten Jahres präsentierten die Osnabrücker Künstler das Album in den USA. Drei Wochen tourten sie durch Virginia, Kentucky, North Carolina und Georgia. „Wir besuchten die Aragon Mill, spielten für die Bürger Aragons und eröffneten das erste Aragon Mill Jam Fest“, erinnert sich Malcher mit leuchtenden Augen. „Wir kommen in den USA besser an als hier. Die Leute können mehr mit Bluegrass anfangen“, meint er. In Deutschland sei der Musikstil noch immer mit Klischees à la Cowboyhut und Trucker-Songs verbunden. Gerne erinnert sich der Musiker auch an den Auftritt in der TV-Show „Woodsongs“, die in neun Millionen US-Haushalte ausgestrahlt wurde. „Während der zwei TV-Tage waren wir im Hilton untergebracht. Sonst wohnten wir auch mal in Holzhütten in den Apalachian Mountains, der Wurzel-Region des Bluegrass.“

Malcher faltet die amerikanischen Zeitungsartikel zusammen. Ein CD-Cover mit Schornstein einer Baumwollfabrik kommt zum Vorschein. Die Lieder dieses Albums und auch andere ihrer Bluegrass-Werke mal live zu erleben – dazu haben Interessierte am Freitag (17.Januar) die Möglichkeit. Im Rahmen der „Bistro-Konzerte“ in der Hauptschule Dissen treten die „Looping Brothers“ um 20 Uhr auf. Einlass ist ab 19 Uhr. Karten gibt es für 10 Euro an der Abendkasse oder im Vorverkauf in der Bücherstube Dissen.


Die Musikrichtung gibt es seit Mitte der Vierzigerjahre. Sie hat sich entwickelt aus den Genres Folk und Oldtime-Musik in den Appalachen im Südosten der USA. Ihren Namen bekam sie erst in den Fünfzigerjahren nach Bill Monroes Band „Blue Grass Boys“. Am Ende der 1950er- und Anfang der 1960er-Jahre kam es vermehrt zu Auftritten von Bluegrass-Bands an Universitäten und bei Folkfestivals wie dem in Newport, Rhode Island. Typische Instrumente sind Fiddle, Banjo, Mandoline, Gitarre, Bass und Dobro, die oft in schnellen Rhythmen rein akustisch eingesetzt werden. Bluegrass findet nach den USA nun auch immer mehr Anhänger in Europa.

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