Ausstellung im Kunst-Haus Jetzt in Dissen: Adventskalender mit Geschichte

Meine Nachrichten

Um das Thema Dissen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Dissen. Mit jedem Türchen steigen die Spannung und die Vorfreude auf das bevorstehende Weihnachtsfest. 150 dieser Kalender, die eine 100-jährige Geschichte erzählen, sind nun im KuK-Haus in Dissen zu sehen.

Die Ausstellung des Museums Europäischer Kulturen der Staatlichen Museen zu Berlin ist mit 2500 Exemplaren nicht nur die größte, sondern auch die einzige Wanderausstellung dieser Art und daher schwer zu bekommen. „Die Wartezeit ist lang, denn naturgemäß ist der Zeitraum, in dem die Ausstellung nachgefragt wird, sehr kurz“, sagte Klaus-Dieter Weitzel, Vorsitzender des Kunst- und Kulturvereins. „Sie zu Ostern nach Dissen zu holen hätte wenig Sinn gemacht“, scherzte er.

Bis zum 5. Januar werden die Kalender nun in allen Räumen des KuK-Hauses hängen. Jeden Sonntag und an den beiden Weihnachtsfeiertagen können sie von 14 bis 18 Uhr besichtigt werden.

Zur Ausstellungseröffnung war die Kulturjournalistin Silvana Kreyer nach Dissen gekommen. Sie berichtete, dass der Pfarrerssohn Gerhard Lang (1881–1974) als der eigentliche Vater der Adventskalender gilt. 1905 zeichnete er erste Entwürfe, scheiterte aber an den fehlenden Möglichkeiten zur Serienproduktion. 1908 kam der erste gedruckte Türchen-Kalender heraus und wurde sofort ein Erfolg. Bis 1938 brachte er über 30 verschiedene aufwendig verarbeitete Kalender heraus.

Nach dem Krieg ging es weiter. „Lang hatte seine Idee nicht patentieren lassen, und so gab es viele Nachahmer“, sagte Kreyer. Die Motive waren vornehmlich weihnachtliche – mit Engeln, Zwergen, Winterlandschaften, Rentieren und Schlitten. „Auch damals gab es schon mit Schokolade bestückte Kalender“, so die Expertin weiter. In den 1940er-Jahren kam der Adventskalender auch zu europäischen Nachbarn. Amerikanische Besatzungssoldaten trugen nach 1945 zur Verbreitung der Adventskalender auch in den USA bei.

Im KuK-Haus sind Kalender der verschiedenen Epochen zu sehen. „Interessant sind auch die Kalender der DDR im Obergeschoss“, sagte Silvana Kreyer. Bei ihrer Gestaltung vermied man christliche Motive, und sie hießen Vorweihnachtskalender. Der auflagenstärkste Verlag der DDR war der Planet-Verlag.

Der älteste Kalender, der im KuK-Haus hängt und noch kein klassischer Kalender ist, stammt aus dem Jahr 1885. Dabei handelt es sich um sogenannte Adventsblätter, die tatsächlich Blattform haben und an den Adventsbaum gehängt wurden. Unter den Kalendern befinden sich auch ganz untypische Exemplare wie beleuchtete Häschen, eine Adventsuhr, die täglich weitergedreht wurde, oder eine Weihnachtsleiter, auf der ein Engel jeden Tag eine Stufe höher klettert.

„Ob christlich orientiert oder nicht – Adventskalender gibt es in jedem Haus“, verdeutlichte Kreyer die Verbreitung dieser Tradition. Heute gibt es Kalender mit Schnapsflaschen darin, mit Spielzeug und sogar mit Leckereien für Hunde oder Katzen. „Der neueste Trend soll der SMS-Kalender sein“, sagte die Expertin.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN