Chigaco, Jamaica und heiße Reifen Stadtfest Dissen gibt auf Trikes und Bühne Vollgas

Von Frank Muscheid

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Fühl den Groove: Boney Fields und das „Bone’s Project“ ließen Funky Blues aus den Boxen knallen. Fotos: Frank MuscheidFühl den Groove: Boney Fields und das „Bone’s Project“ ließen Funky Blues aus den Boxen knallen. Fotos: Frank Muscheid

Dissen. „Express yourself“ singt der Mann mit Rasta-Mähne, weißem Jacket und weißer Melone - und die Menge schwingt die Hüfte zum Funky Blues. Auf dem Rathausplatz ging am Samstagabend mit der Hauptband des 18. Stadtfestes „Dissen skurril“ die Party ab.

. Mit Boney Fields und seiner internationalen Combo „The Bone’s Project“ hatte Cheforganisator Ralf Sommermann von der Interessengemeinschaft Handel und Gewerbe einen „Vulkanausbruch“ versprochen, der keinen kalt ließ. Mit souliger Wucht in der Stimme, Groove im Blut, einer krachenden Trompete und erstklassiger Band servierte Fields einen satte Portion Chigaco - Saxophon- und Trompeten-Breitseiten, schnarrender Bass und wilde E-Orgel brachten auch die Dissenerin Christina Dumbrawa auf Hochtouren: „Das war einfach alles wunderbar!“. Was für eine Show, Reggae-Zugabe inklusive. Apropos Reggae: Die „Tree of Life Band“ startete zuvor mit Musik als purem Lebensgefühl. „Das hier ist Familie. Es gibt nichts Schöneres, als mit diesen Leuten Musik zu machen“, verkündete Sänger Rob Steady. Auch sonst bot „Dissen skurril“ wieder Sahnestücke: Sebastian Sturm & Exile Airline etwa, die mit Roots-Reggae noch mehr internationale Festival-Luft wehen ließen. Den perfekten „Absacker“ fanden „Dynablaster Sound“ im „Plitzebramel“. Große Klasse für alle Rockfans war schon der Freitagabend, den „Northern Star“ mit einer energiegeladenen Sängerin Sara Höweler eröffneten. In der schweren Anheizer-Rolle waren auch die Indie-Rock-Aufsteiger „Parka“, die das hohe Niveau hielten. „Der Platz war brechend voll, die Leute haben getanzt“, freute sich Sommermann über die anschließenden „Depeche Reload“. Mit den „Depeche-Mode“-Hits „können die Leute noch mal jung sein“, so Sommermann. Auch, wenn es Bands mit eigener Musik schwerer hätten: „Eine Tribute-Band pro Fest, dabei bleiben wir.“ Unangepasster Country mit Punk-Einflüssen von „North and About“ war der etwas andere Soundtrack zum verkaufsoffenen Sonntag. Mit Blues-Rock der Marke „Doors“ und „Deep Purple“ verlängerten „Deep Floyd“ den Live-Spaß.

Wild ging es auch sonst zu: Kinder ließen von Veit Ahlsdorf gesprühe Tatoos bei einer Runde mit „Ollis Trikern“ trocknen. Die beliebtesten Tatoos waren Würfel und Pegasus, den jetzt auch Lisa-Marie (8) auf dem Oberarm trägt: „Ich mag Pferde“, begründete sie ihre Wahl. Ihre Mutter Sibylle Krentel aus Bad Laer gefiel das Stadtfest, „weil die Kinder viele Möglichkeiten haben, etwas auszuprobieren.“ Ein voller Erfolg war die Laufkarte, die - ausgefüllt an den zehn Aktionsständen der Kinder- und Jugendmeile - die Chance auf einen Cityroller oder MP3-Spieler eröffnete. So groß wie nie sei der Andrang, sagte Jugendpflegerin Michaela Vaak, die allein Samstag geschätzte 200 Laufkarten ausgab.

Wie bestellt fing sich das Wetter am Samstag zu den Veranstaltungen der Kirchengemeinden und den Auftritten der „Jojos“ und „Paperlapapps“ vom Willy-Schulte-Kindergarten, die das Publikum zum „Gangnam-Style“ mitrissen. „Sehr gut gemacht“, freute sich Mutter Irina Mariani Paulino über den Auftritt, die am Fest auch schätzte, „dass man schön bummeln gehen kann“. Das Frederik-Vahle-Lied „Die Rübe“ interpretierten 23 Vorschulkinder vom Regenbogen-Kindergarten als Aufforderung zur Teamarbeit, begleitet von mutigen Eltern. Sonntag hatten nach ökumenischem Gottesdienst und „Lily & Bib“ die „Lollipops“ der Kita Kunterbunt mit „Die dumme Augustine“ und die Tänzer „Osnarockers“ ihren großen Auftritt.

Dass die Trike-Runden dem Zirkusprojekt des Regenbogen-Kindergartens zugute kommen, „finden wir wunderbar“, sagte Leiterin Jutta Spiering. Rolf Steinbrügge und der rund um das Hermanns-Denkmal rekrutierte Club fahren seit zehn Jahren für Dissen. „Im vergangenen Jahr 1006 Menschen“, sagte Steinbrügge. „Schnell und windig“ war die Runde für Jana Strieder (19). Der mitfahrende Sechsjährige, den sie betreut, „wollte noch schneller, jetzt fährt er nochmal allein.“ Die Trikes seien das Beste am Stadtfest, zu dem sie als Dissenerin natürlich jedes Jahr hingehe. Clubsprecher Steinbrügge, dessen Frau ihn vor 15 Jahren aufs Trike-Fahren brachte, weil er wegen eines Hand-Bruchs kein Motorrad fahren konnte, beschreibt das Fahrgefühl so: „Nach der Arbeit Anzug und Krawatte aus, in den Keller, Ledersachen an, aufs Trike drauf und abschalten. Das ist für mich wie ein Lichtschalter.“ 50 PS hat sein Rewaco HS 4, schafft 140 Sachen. „90, 100 Stundenkilometer sind aber die schönste Tourgeschwindigkeit.“ Ganz wichtig sei der offene VW-Motor. Diesmal war der 22-köpfige Club mit 16 Maschinen angereist.

„Das Stadtfest ist von Jahr zu Jahr gewachsen“, sagte Bürgermeister Hartmut Nümann. „Viele Gesichter kenne ich nicht“ - das zeige, dass es von vielen Auswärtigen angenommen werde. Mit den „Montagskindern“ der Kunstwerkstatt von Gaby Placke bemalte er eine extra fürs Fest gestaltete Figur: „Wir suchen noch einen Namen dafür und sind für Vorschläge offen“, sagte Placke. Einen Namen hat sich „Dissen skurril“ dank des Talents der Macher schon gemacht, Kirmes und Musikkultur, Internationalität und Lokalflair zu verknüpfen.


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