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Bad Rothenfelder ist Opfer eines Mietnomaden geworden Nur ein Haufen Müll bleibt zurück

Von Christoph Granieczny


Dissen. Sie sind die Feindbilder aller Vermieter: Mietnomaden und Mietpreller. Sind sie einmal da, wird der Wohnungseigentümer sie nur schwer los. Sind sie fort, hinterlassen sie oft ein Trümmerfeld – in den Wohnungen und auf dem Bankkonto des Vermieters. So ist es nun einem Bad Rothenfelder ergangen. Der 86-Jährige steht vor der Ruine seiner Dissener Kellerwohnung.

Mietnomade ist ein Begriff der jüngeren Moderne. So werden Personen abfällig bezeichnet, die von einer Mietwohnung in die nächste ziehen, mit der Absicht gar keine oder nur zeitweise Miete zu zahlen. Oft werden die Wohnungen in einem verwahrlosten Zustand hinterlassen, wie in diesem Fall.

Wer die Tür öffnet, muss erst Müll beiseite schieben. Unrat überall, schmierige Substanzen kleben an Kacheln, Waschbecken, Wänden. Es riecht muffig. Es ist wie in einem schlechten Film, nur die Ratte, die über den Müllberg tapst, fehlt. „Dass mir dies passieren konnte!“, ärgert sich der Bad Rothenfelder. Seit Jahrzehnten würden er und seine Frau Wohnungen vermieten, so einer sei ihnen aber noch nie untergekommen.

Ein Jahr lang habe der Mieter in der Wohnung gelebt. Die letzten zwei Monate habe er keine Miete mehr gezahlt, sagt der Eigentümer. Dann war er von heute auf morgen fort. Zurück ließ er nur seinen Dreck.

Vor Gericht klagen will der 86-Jährige nicht. Der Bad Rothenfelder hat Kontakt zu dem Vermieter der Wohnung aufgenommen, in der der Mann zuvor gelebt hatte. „Da hat er das Gleiche abgezogen.“ Der Wohnungseigentümer habe geklagt und vor Gericht auch recht bekommen, aber nie Geld gesehen. „Da ist doch nichts zu holen.“ Will der 86-Jährige die Wohnung noch einmal vermieten, muss er erst wieder Geld investieren. „Vielleicht 2000 Euro“, schätzt er. Es ist mehr als die Jahresmiete.

Boden aufgeschlitzt

Teurer wird allerdings die Renovierung der Wohnung im Erdgeschoss. Hier hat eine Frau mit zwei Kindern gelebt. Auch diese Zimmer sind alles andere als besenrein hinterlassen worden. Doch schwerwiegender als die Fuhre Sperrmüll, die der Bad Rothenfelder wegkarren muss, sind die Schäden am Inventar: Der PVC-Boden ist an mehreren Stellen aufgeschlitzt, die Toilette verstopft und Türen zerstört. „3000 Euro kostet das alles bestimmt.“ Auch hier liegt die notwendige Investition höher als die Jahresmiete für die Wohnung. Der Bad Rothenfelder hat noch Glück gehabt. Der Eigentümerverband Haus &Grund kalkuliert, dass im Schnitt jeder Mietnomade durch Mietausfälle, Gerichtskosten und Räumungen einen Schaden von 30000 Euro verursache. Wohnungsräumungen können sich nämlich bis zu zwei Jahre hinziehen.

15000 Mietnomaden ziehen nach Schätzungen durch Deutschlands Wohnungen. Die Eigentümerorganisation Haus&Grund empfiehlt seinen Mitgliedern den verbandseigenen „Solvenzcheck“. Dieser überprüft die Einträge aller Schuldverzeichnisse der deutschen Amtsgerichte. Zudem prüft Haus&Grund, ob gegen den zukünftigen Mieter Einträge von Partnerunternehmen vorliegen. Dazu zählen gerichtliche Zahlungsurteile und vollstreckbare Mahnbescheide.

Im Internet preisen Anbieter sogenannte Mieterwarndateien an. Auf die Auskunftsdateien ist allerdings nicht immer Verlass. Stiftung Warentest hat unlängst sechs Unternehmen getestet. Das Urteil: „Falsche und fehlende Dateien sind an der Tagesordnung.“

Der Bad Rothenfelder will einen anderen Weg beschreiten. „Ich schau mir beim nächsten Mieter zunächst dessen vorherige Wohnung an.“