Zwiebeln zum Brunch Red Onion Jazz Company beim Frühschoppen im Jazz-Club

Die Red Onion Jazz Company überzeugte mit ganz eigenem Sound beim Frühschoppen im Jazz-Club Dissen. Foto: Ullrich SchellhaasDie Red Onion Jazz Company überzeugte mit ganz eigenem Sound beim Frühschoppen im Jazz-Club Dissen. Foto: Ullrich Schellhaas

Dissen. Zwiebeln zum Frühstück mögen viele Menschen nur bedingt genießen. Die Red Onion Jazz Company aus Braunschweig war beim Frühschoppen im Jazz-Club Dissen dagegen mehr als genießbar.

Der Funke sprang beim Publikum schon über, da hatte das eigentliche Konzert der sieben Musiker noch gar nicht angefangen: Beim Soundcheck gab die Band die erste Kostprobe ihres Könnens und schon da zeigten sich die anwesenden Besucher begeistert. Nur schade, dass sie dann noch einmal zwanzig Minuten warten mussten, bis die Roten Zwiebeln so richtig loslegten.

Klassischer Jazz

Deren Name bezieht sich einerseits auf die Red Onion Jazz Babies, eine der ersten ganz großen Gruppen des Jazz der 1920-er Jahre, unter deren Mitgliedern Jazzgrößen wie Louis Armstrong oder Sidney Bechet waren. Aus dieser Ära der Musikgeschichte bezieht auch die Red Onion Jazz Company einen Großteil ihres Programms. Zudem ist die Rote Zwiebel in Braunschweig ein stehender Begriff – der Gruppenname symbolisiert so den Brückenschlag zwischen alter und neuer Welt, zwischen alter und neuer Musik.

Schon die Besetzung der Instrumente, Tuba, Schlagzeug, Banjo, Keyboard, Klarinette, Trompete und Posaune, legt nahe, dass das Septett ganz klassisch bleibt und sehr, sehr nach Dixieland klingt. Zwar spielten die Herren in Dissen auch gerne und viele Blues, aber irgendwie klang das in den eigenen Arrangements der Red Onion Jazz Company immer noch ein bisschen fröhlich. Selbst dann, wenn es sich nicht um einen Nonsens-Blues, sondern um einen ganz echten handelte.

Eigener Sound

Und so war es nicht einmal gelogen, wenn die Gruppe in Ankündigungen oder bei Moderationen von ihrem eigenen Zwiebel-Jazz sprach. Denn unverkennbar klingt das Septett ganz eigen oder eben zwiebelig. Auch wenn es auf die Hits der 1920-er und 1930-er Jahre spezialisiert ist. Die Arrangements haben immer ihren eigenen Sound, geben der Leadgruppe um Klarinette, Trompete und Posaune viel Raum für großartige Soli und lassen auch den übrigen Musikern immer wieder Luft zur eigenen Entfaltung.

Ein besonderes Erlebnis war auch in Dissen die Reibeisen-Stimme von Ulfert Beiß, der aber auch den selbst geschriebenen „Red Onion Song“ oder die „Moritat vom Massenmörder Haarmann“ mit sichtlichem Vergnügen zum besten gab. Gerade zu letzterer kommentierte „Knatze“ Ulbrich, Schlagzeuger und Moderator der Red Onion Jazz Company, „dass der Gruppe aus Braunschweig über Hannover sonst auch nichts mehr einfällt.“ Einen Taufnamen hat „Knatze“ zwar auch, aber unter diesem Namen kennt ihn jeder. Seine Moderationen waren trocken und mit Fachwissen gespickt.

Formidable Musiker

Insgesamt zeigte die Gruppe, die sich schon 1967 gegründet hat, auch in Dissen, wieso sie im Musikgeschäft über 50 Jahre lang überlebt hat. Die inzwischen älteren Herren, die die Nachfrage ob sie sehr jung angefangen oder inzwischen alle in den 70-ern seien, mit „beides ist richtig“ kommentierte, sind einfach allesamt formidable Musiker, die mit der Lässigkeit des Alters ihre ganz eigene Musik machen.

So war auch der letzte der sommerlichen Frühschoppen des Jazz-Clubs Dissen ein großer Erfolg. Das dreistündige Konzert überzeugt die Besucher fast komplett. Bis auf den Herren, der den Blues am liebsten auf einer Mundharmonika hört. Aber bei der Besetzung der Red Onion Jazz Company war dem irgendwie auch nicht mehr zu helfen.  


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN