Ein Sommerfest zum Jubiläum Dissener Kinderdorf feiert seinen 40. Geburtstag

Finale: Am Ende des Sommerfestes zeigten die Feuerspuck-Lehrlinge, was sie bei Eyk Mrotzkowski vom Spielefanten-Team gelernt haben. Foto: Anke SchneiderFinale: Am Ende des Sommerfestes zeigten die Feuerspuck-Lehrlinge, was sie bei Eyk Mrotzkowski vom Spielefanten-Team gelernt haben. Foto: Anke Schneider

Dissen. 40 Jahre Westfälisches Kinderdorf in Dissen – das ist ein Grund zum Feiern. Und das taten die Kinderdorf-Familien auch, und zwar mit einem großen Straßenfest in der Wallisstraße.

„40 Jahre Kinderdorf, das heißt, 40 Jahre lang Kindern eine Zukunft geben“, sagte Kinderdorfleiterin Karin Meyer. 1975 hätten Politiker aus dem Osnabrücker Land das Kinderdorf Lipperland besucht und seien hellauf begeistert gewesen. Sie beschlossen, auch in Niedersachsen ein Kinderdorf ins Leben zu rufen. „Die Wahl fiel auf Dissen, weil die Infrastruktur hier gut und die Grundstückspreise niedrig waren“, sagte Karin Meyer. Schon ein Jahr später begannen die Planungen. Am 15. Juni 1977 nahm die erste Kinderdorffamilie in der Noller Schlucht ihre Arbeit auf.  

1979 wurde der Grundstein für das erste Kinderdorf-Haus in der Straße Vor dem Kamphof gelegt. „Zur Feierstunde kam sogar die Gattin des damaligen Bundespräsidenten, Dr. Veronika Cartsens“, so Meyer weiter. 1981 gab es dann schon zehn Kinderdorffamilien, meist in angemieteten Häusern. 1995 sei es schon so gewesen, wie es heute ist. „Wir haben drei Häuser in der Straße Vor dem Kamphof und sieben in der Wallisstraße.“

Immer wieder lustig: Clown Otty mit seinen Luftballontieren. Foto: Anke Schneider

Die Kinderdorf-Mütter hätten zunächst ehrenamtlich gearbeitet, berichtete die Kinderdorfleiterin. Ab 1989 hätten sie dann ein Gehalt bezogen. Eine Kinderdorf-Mutti der ersten Stunde sei Margret Brüggemann, erzählte Meyer und holte die inzwischen 69-Jährige nach vorne, womit diese gar nicht gerechnet hatte, und überreichte ihr einen Blumenstrauß.

Vor 40 Jahren zog Margret Brüggemann mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter in eine große Wohnung, die die Stadt Dissen dem Kinderdorf zur Verfügung gestellt hatte. Sechs fremde Kinder kamen dazu. Bis zu ihrem Renteneintritt im Jahr 2015 hat die gelernte Erzieherin insgesamt 25 Kindern ein Zuhause gegeben – die letzten 30 Jahre sogar als alleinerziehende Kinderdorf-Mama.

Das ist Einsatz: Kinderdorfleiterin Karin Meyer (rechts) ehrte Margret Brüggemann als Kinderdorf-Mama der ersten Stunde. Foto: Anke Schneider

Bürgermeister Hartmut Nümann ließ es sich ebenfalls nicht nehmen, das Kinderdorf in den höchsten Tönen zu loben. Leider könne die Stadt Dissen das Projekt aufgrund knapper Kassen nicht mehr so unterstützen, wie am Anfang. „Viele ansässige Firmenchefs haben das Kinderdorf damals reichlich bedacht“, sagte er. Heute würden die meisten Industriellen gar nicht in Dissen wohnen und hätte somit keinen Bezug zum Kinderdorf.

Die letzte Rednerin der kurzen Feierstunde war Birgit Flatho vom Vorstand des Vereins Westfälisches Kinderdorf. Sie sagte, dass das Westfälische Kinderdorf wegen seiner guten Arbeit bei den Jugendämtern hoch im Kurs stehe. „85 Prozent bewerteten die Arbeit hier bei einer Befragung als gut oder sehr gut“, sagte sie. Zum Schluss übergab sie als Geschenk des Vereins ein Kettcar, das von den Kindern sofort in Beschlag genommen wurde.

Kinder-Belustigung: Der Schminktisch zog vor allem kleine Mädchen in seinen Bann. Foto: Anke Schneider

Anschließend wurde das Kuchenbuffet eröffnet und im Garten, sowie auf der Wallisstraße, wurden die Spielstationen des Spielefanten aus Oldenburg in Beschlag genommen. Zahllose Aktivitäten wie eine Rollrutsche, eine Torwand, ein Schminktisch, eine Hüpfburg oder Spieltische mit Gesellschaftsspielen lockten zum Toben und Spielen. Clown Otty unterhielt große und kleine Gäste mit seinen Luftballon-Künsten.

Am späten Nachmittag wählte Eyk Mrotzkowsky verschiedene Jugendliche aus, um ihnen die Kunst des Feuerspuckens beizubringen. Die Spucktechnik wurde zunächst mit Wasser geübt, bevor das brennbare, aber gesundheitlich unbedenkliche Pulver zum Einsatz kam. Der Unterricht mündete in einer kleinen Vorführung, die von den Zuschauern mit viel Applaus honoriert wurde.

Treffer: Das Fußballtor zog vor allem die Jungs magisch an. Foto: Anke Schneider


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