Weiteres Geheimnis gelüftet Kortejohann: Kunsthistorikerin führt Arbeit zum Dissener Maler fort

Für das Projekt in Trägerschaft des KuK SOL erfasst nun Kunsthistorikerin Anke Schliemann die Werke Kortejohanns. Bei der Arbeit im Heimatmuseum schauten ihr Rosemarie Rieke und Fritz Niemann über die Schulter. Foto: Petra RopersFür das Projekt in Trägerschaft des KuK SOL erfasst nun Kunsthistorikerin Anke Schliemann die Werke Kortejohanns. Bei der Arbeit im Heimatmuseum schauten ihr Rosemarie Rieke und Fritz Niemann über die Schulter. Foto: Petra Ropers

Dissen. Das Projekt, das in Trägerschaft des Kunst- und Kulturvereins Südliches Osnabrücker Land (KuK SOL) das Schaffen Franz Kortejohanns aufarbeitet, geht weiter. Seit Anfang Juni widmet sich die Spenger Kunsthistorikerin Anke Schliemann den Werken des Malers.

Seit Projektbeginn im Jahre 2016 wurden durch den Osnabrücker Kunsthistoriker Karsten Hinrichs fast 80 Werke Kortejohanns erfasst, dokumentiert und über ein Online-Werkverzeichnis der Forschung und Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Doch noch immer warten unzählige Arbeiten darauf, wiederentdeckt und erforscht zu werden. Nach Karsten Hinrichs Wegzug aus dem Osnabrücker Land gewann der KuK SOL deshalb Anke Schliemann für die Fortsetzung des Projektes.

Die Kunsthistorikerin ist nicht nur in der Kunsthalle Bielefeld in der Kunstvermittlung für Erwachsene und Kinder tätig, sondern auch im Kunstforum Hermann Stenner. Der Bielefelder Maler war ein Zeitgenosse Kortejohanns, starb jedoch bereits im Alter von 23 Jahren im Ersten Weltkrieg. Künstlerisch liegen Welten zwischen dem jungen Expressionisten Stenner und Franz Kortejohann. Letzterer vertrete einen klaren Impressionismus, erklärte Anke Schliemann. Im Heimatmuseum Dissen nahm sie drei Bilder aus dem Bestand des Heimatvereins in Augenschein – darunter ein charaktervolles Portrait seiner Mutter.

Der Vergleich mit einem nahezu identischen Foto zeigt: Kortejohann malte seine Mutter zwar in ihrer traditionellen schwarzen Witwenhaube. Sein Portrait lässt jedoch die goldenen Ohrringe sehen, die auf der Fotografie unter den gleichfalls schwarzen Mundbändern verschwinden. Einen prominenten Platz im Heimatmuseum hat das großformatige Bild eines Buchenwaldes. Wo genau es entstand, bleibt offen. Dafür verriet der Kunsthistorikerin ein anderes Gemälde mehr über sein Motiv. Denn auf der Rückseite des kleinen Häuserensembles vermerkte der Maler handschriftlich einen Hinweis. „Nolle bei Rothenfelde“ entzifferte die Heimatvereins-Vorsitzende Rosemarie Rieke.

„Wir wissen nach wie vor sehr wenig über Franz Kortejohann“, verweist Sammler Fritz Niemann auf die Notwendigkeit weiterer Forschung. „Es gibt kaum Schriftverkehr und keine direkten Nachfahren.“ Und dennoch fördert das Projekt immer wieder neue Mosaiksteinchen zutage. So auch über das Bild, das Niemann selbst zur Untersuchung mit ins Heimatmuseum brachte. Über das Internet konnte er das Werk erwerben, das – wie ihm dabei gesagt wurde – mutmaßlich ein Dorf und einen Höhenzug bei Ibbenbüren zeigen sollte.


Als Ansicht von Nolle entpuppte sich das Gemälde Kortejohanns, das Fritz Niemann entdeckt hat. Bild: Franz Kortejohann


Doch beim direkten Vergleich mit der Ansicht von Nolle sprangen die Ähnlichkeiten förmlich ins Auge: Der Verlauf des Höhenzuges, der – nicht mehr existente – Turm auf seinem höchsten Punkt, die Anordnung der Häuser: „Das ist Nolle“, waren sich Rosemarie Rieke und Anke Schliemann einig. Ein weiteres der vielen Geheimnisse Franz Kortejohanns ist damit gelüftet. Und das Werkverzeichnis, das unter www.kortejohann.de einsehbar ist, wächst.  


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