Galadinner im Seniorenzentrum Dissener Senioren Jury im Kochwettbewerb der Realschüler

Mit Liebe zum Detail: Luisa Philipps, Lea Schacht und Aysu Dogan haben ganz junge Möhren abgeschabt, sehr dekorativ und für die Suppe fast zu schön. Foto: Andreas WenkMit Liebe zum Detail: Luisa Philipps, Lea Schacht und Aysu Dogan haben ganz junge Möhren abgeschabt, sehr dekorativ und für die Suppe fast zu schön. Foto: Andreas Wenk

Dissen. Neun Jugendliche haben am Mittwoch in zwei Gruppen für die Bewohner des Seniorenzentrums Dissen gekocht. Bei dem Wettbewerb wurde eine Kochmütze ausgelobt.

Die Jury waren die Senioren. Die Aufgabe: ein Drei-Gänge-Menü mit Spargel, Maispoularde und Dessert. Die Aktion „Gala Dinner“ ist für Bewohner wie für Schüler ein Höhepunkt im Jahreskalender. Luisa Philipps, Lea Schacht und Aysu Dogan waren bereits im vergangenen Jahr dabei. Sie wollen jetzt ihren Titel verteidigen. Aber eigentlich geht es mehr um das Miteinander als um das Gegeneinander. Die beiden Schülergruppen verteilen sich auf die beiden Küchen in den Wohnbereichen im ersten und zweiten Stock. Mit Rat und Tat stehen ihnen zwei Profis zur Seite. Im ganzen Haus herrscht freudige Anspannung. Das Foyer schmückt eine festliche gedeckte Tafel. Mit Euphorie berichtet Einrichtungsleiterin Susanne Langemeier, das Elisabeth Bahro extra das „gute Geschirr“ und das „Silberbesteck“ aufgetischt hat. Bahro ist selbst Bewohnerin des Zentrums, wird von Langemeier aber als „wichtige Stütze“ vorgestellt, weil sie gerne Arbeiten übernimmt, dekoriert oder mithilft, wo es ihr noch möglich ist. 

Eine festlich gedeckte Tafel gehört zum Galadinner dazu. Bewohnerin Elisabeth Baro hat sich dafür mächtig ins Zeug gelegt. Foto: Andreas Wenk


Die Schülerinnen und Schüler sind seit morgens um 8 Uhr im Seniorenzentrum. Der Tag beginnt mit einer Hygieneeinweisung und Formalitäten. Ab 9 Uhr geht es dann ans Kochen, Spargel vorbereiten, Erdbeeren putzen oder Möhrchen abschaben. Betriebsleiter Manfred Waldorf genießt die lebhafte Unruhe im Haus. Die erste Aufregung hat sich bei den Schülern gelegt und nun wird konzentriert gearbeitet. Langemeier liegt vor allem die Begegnung zwischen den jungen Leuten und den Senioren am Herzen. Für viele der Jugendlichen ist es ein seltener Kontakt zur Generation der Urgroßeltern. Felicitas Jüngerhans leitet die Senioren-AG an der Realschule. Ihr ist es wichtig, dass die Jugendlichen mit den Alten ins Gespräch kommen. Als ein älterer Herr verstarb, mit dem die Schüler regelmäßig Schach gespielt hatten, sei den Jugendlichen die Trauer deutlich anzumerken gewesen.

Stellt sich die Frage, was treibt junge Leute in die Senioren-AG an ihrer Schule? „Sich sozial engagieren“ oder „etwas Gutes tun“, lautet die Antwort in den meisten Fällen. Melih Arslan fügt offen hinzu, „das macht sich auch gut auf dem Zeugnis". Ob er das genauso meint oder eher provokativ? Nötig hätte er das jedenfalls nicht. Er hat gerade seine Prüfungen hinter sich und der Ausbildungsvertrag zum Elektriker ist auch unterschrieben. Das Kochen macht ihm offensichtlich Freude. Auch wenn er zuhause im „Hotel Mama“ kaum gefordert wird und sich seine Ambitionen hier maximal darauf beschränken, eine Tiefkühlpizza in den Ofen zu schieben. Erste Erfahrungen hat er als Praktikant in der Küche der Schüchtermann-Klinik gesammelt. Jüngerhans schätzt nicht nur sein Geschick beim Kochen, sie lobt auch seine soziale Kompetenz. 

Wie im richtigen Leben: Die einen arbeiten, die anderen sehen zu. Nicht kritisch, eher mit viel Interesse und Wohlwollen schauen die Senioren zu, wie die jungen Leute von der Realschule Hand in Hand an dem Galadinner arbeiten. Foto: Andreas Wenk


Die weitere Lebensplanung der jungen Leute sind so vielfältig wie die Wege, die ihnen offen stehen. Aysu möchte nach Halle gehen, um dort das Abitur zu machen und später Wirtschaft und Verwaltung zu studieren. Lea strebt ein Freiwilliges Soziales Jahr in einem Dialysezentrum an, und Luisa will ein Fachabitur im Bereich Gesundheit und Soziales draufsatteln. Allen gemeinsam ist, dass beim Kochen keine jugendliche Albernheit aufkommt, sondern sich alle auf ihre Aufgabe konzentrieren. Den Senioren gefällt das offenbar. Sie beobachten das bunte Treiben in der nach zwei Seiten hin offenen Küche mit großer Anteilnahme. Als einer der Schüler Waldorf nach einem Kugelschreiber fragt, errät der sofort worum es geht, die „Anrichtskizze“. Wenn am Ende zwölf Teller gleich aussehen sollen, müsse man schon einen Plan haben, erläutert er. Gelernt ist gelernt.




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