"Wirtschaftlich nicht sinnvoll zu betreiben" Homann schließt Werk im thüringischen Floh-Seligenthal

2014 zogen Heiner Kamps (links) und Theo Müller in ihren gemeinsamen Unternehmen an einem Strang. Foto: dpa2014 zogen Heiner Kamps (links) und Theo Müller in ihren gemeinsamen Unternehmen an einem Strang. Foto: dpa

Dissen. Homann schließt sein Werk in Floh-Seligenthal. Der Name der thüringischen Feinkostfabrik wurde hier in der Region bekannt, als die Müller-Gruppe 2017 die Schließung von vier Homann-Standorten und deren Verlagerung ins sächsische Leppersdorf verkündete.

"Im Zuge der Analyse zur Neuaufstellung unserer Kategorie Salate haben wir uns intensiv mit allen Optionen auch bezüglich der Produktionsstandorte auseinandergesetzt", teilt die Theo-Müller-Gruppe auf Anfrage unserer Redaktion mit. Dabei habe sich herausgestellt, dass der Standort nicht dauerhaft wirtschaftlich sinnvoll weiter zu betreiben sei. Weiter heißt es:

"Im Rahmen unserer Möglichkeiten werden wir uns um bestmögliche Unterstützung der Kolleginnen und Kollegen vor Ort bemühen."

Gut 65 Mitarbeiter sind von der Schließung des Standortes im Landkreis Schmalkalden-Meiningen betroffen, der in Thüringen besser als Hopf Feinkost bekannt ist. Ende August soll Schluss sein.

2007 hatte Kamps Homann gekauft, 2009 kam die Firma Fischfeinkost Gebrüder Hopf dazu. Wie örtliche Medien berichten, hätten die Mitarbeiter jahrelang auf höhere Lohnforderungen verzichtet. Ende 2018 war Kamps bei Homann ausgestiegen.

Werk war 2017 wie Dissen von Schließung bedroht

Am Dienstagabend seien die Beschäftigten über die geplante Schließung informiert worden. Am Mittwoch sollten bereits Sozialplan-Verhandlungen stattfinden.

2017 hatte Konzernmutter Müller angekündigt, vier Homann-Werke zu schließen und in Leppersdorf ein zentrales neues Werk bauen zu wollen. Die 1500 Mitarbeiter in Dissen und Bad Essen-Lintorf bangten um ihre Arbeitsplätze, eine Region um ein Traditionsunternehmen. Ein Jahr später war der Umzug vom Tisch.

Mit Feinkostsalaten, Fischfeinkost, Dressings und Saucen erwirtschaftet Homann nach eigenen Angaben mit rund 3000 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von ca. 640 Millionen Euro. Das Unternehmen produziert in Dissen, Bad Essen-Lintorf, Bottrop, Rogätz, Poznan, Charzyno und - noch - in Floh-Seligenthal und Sassnitz. Das Werk in Sassnitz auf Rügen soll zum Sommer schließen, die Produktion wird nach Polen verlagert.

Pläne für Bad Essen-Lintorf und Dissen

In Lintorf dagegen soll noch in diesem Jahr der Bau eines 40 Meter messenden Hochregallagers beginnen. Die Fertigstellung ist für Mitte 2021 geplant, bis Ende 2021 soll die Verlagerung der Produktion aus Dissen abgeschlossen sein. 2022 folgt die Sanierung des Betriebsgebäudes.

150 Millionen Euro will Homann in Lintorf investieren. Mit der Werkserweiterung soll die Produktionsmenge im Wittlager Land von 100.000 auf 200.000 Tonnen verdoppelt werden. In Dissen sollen, so bisheriger Stand der Dinge, 40 Millionen Euro vor allem in neue Maschinen und behördliche Auflagen für Luftreinhaltung und Lärmminderung gesteckt werden. 


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