Lernen in Wald und Flur Sommercamp für Kinder mit Migrationshintergrund in Dissen

Bereiten das Sommercamp vor: Josef Gebbe (Lernstandort Noller Schlucht), Juliane Macke (Landkreis Osnabrück), Ina Eversmann (Landkreis Osnabrück), Kristina Urbanovic (VPAK) und Katharina Liebing (Stadt Osnabrück). Foto: Anke SchneiderBereiten das Sommercamp vor: Josef Gebbe (Lernstandort Noller Schlucht), Juliane Macke (Landkreis Osnabrück), Ina Eversmann (Landkreis Osnabrück), Kristina Urbanovic (VPAK) und Katharina Liebing (Stadt Osnabrück). Foto: Anke Schneider

Osnabrück. „Sprache und Natur auf der Spur“ heißt das gemeinsame Projekt der Stadt Osnabrück und des Landkreises. Es ist ein Sommercamp, das sich an Kinder mit Migrationshintergrund richtet.

Vom 7. bis 18. Juli verbringen Drittklässler, die in Deutschland eingeschult wurden, zwei Ferienwochen im Schullandheim Mentrup-Hagen oder auf Burg Wittlage in Bad Essen. In diesen zwei Wochen können die Kinder, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, tolle Erfahrungen machen und gleichzeitig ihre Deutschkenntnisse vertiefen. „Dabei geht es nicht um Alltagsdeutsch, sondern um einen erweiterten Wortschatz, das Erlernen komplexer Ausdrücke und die Vertiefung der Grammatik“, sagt Kristina Urbanovic vom Verein zur pädagogischen Arbeit mit Kindern aus Zuwandererfamilien (VPAK), der den Unterricht übernimmt. Vor allem die Artikel der, die und das seien für Zuwandererkinder oft ein großes Problem. In der Grundschule kämen Kinder aus Zuwandererfamilien meist noch gut mit, die Probleme würden in den weiterführenden Schulen beginnen, in denen ein großer Wortschatz vorausgesetzt wird. Dass diese Kinder nicht „unter dem Radar abtauchen“, wie Katharina Liebing von der Stadt Osnabrück es formuliert, dazu soll das Sommercamp dienen.

Streifzüge

Jeden Morgen haben die Kinder Unterricht. Danach geht es in die Natur und diesen Part übernehmen die Mitarbeiter des Lernstandortes Noller Schlucht in Dissen. „Umweltbildung ist der zweite Schwerpunkt des Angebots“, sagt Josef Gebbe vom Lernstandort. Die Kinder unternehmen Streifzüge durch den Wald, schauen sich Pflanzen und Tiere an, untersuchen den Lebensraum Bach und wenden sich auch der Vielfalt der Insekten zu. Unbekannte Worte wie „Eintagsfliegenlarve“ werden dann am nächsten Tag im Unterricht aufgegriffen, der sich themenmäßig ebenfalls um den Lebensraum Natur dreht. „Alles greift ineinander“, beschreibt Gebbe das  Konzept des Angebots. An einem Tag kommt Erlebnispädagoge Richard Vincent ins Camp und zeigt den Kindern, was im Wald essbar ist und wie man aus vorhandenem Material Hütten baut.

Am Abend und am Wochenende haben die Kinder Freizeit und auch hierfür gibt es verschiedene kreative und sportliche Angebote. Da die Kinder unterschiedliche Muttersprachen haben und allein die deutsche Sprache sie alle verbindet, hat auch das nochmal einen besonderen Lerneffekt. Die Kinder tauschen sich über die Erlebnisse des Tages aus und verwenden dabei neu erlernte Begriffe. „Wir sammeln die neuen Wörter in einer Art Schatzkiste, so dass sie immer wieder hervorgeholt werden können“, sagt Josef Gebbe.

Begeisterung

Für ihn steht neben der Erweiterung des Wortschatzes ebenfalls im Vordergrund, dass die Kinder im Sommercamp lernen, einen Blick auf die Natur zu werfen und achtsam mit ihr umzugehen. „In vielen Familien spielt die Umwelt, der Artenreichtum und die Pflanzenvielfalt heute leider keine Rolle mehr“, weiß der Pädagoge. Seiner Erfahrung versetzt der Streifzug durch die Umwelt die Kinder immer wieder in Begeisterung. „Ihre natürliche Neugierde kommt uns dabei zugute“, sagt er. Und weil es im Unterricht um das gleiche Thema geht, bleiben die Kinder auch hier ehrgeizig bei der Sache.

Anmeldungen für das Sommercamp nimmt Kristina Urbanovic unter der Telefonnummer 0541 8007835 noch bis zum 6. Juni entgegen. Es gibt derzeit noch rund 25 freie Plätze. Auch der Internetseite www.vpak.de unter dem Menüpunkt „Primarbereich“ sind die Anmeldekarten zu finden. Finanziert wird das Projekt übrigens von der Friedel-&-Gisela Bohnenkamp-Stiftung. Für die Eltern bleibt lediglich ein Eigenanteil von 50 Euro. Ein Informationsnachmittag für Eltern findet am 28. Juni statt. Eine Einladung dazu folgt nach der Anmeldung.


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