CDU-Fraktion ohne Jochen Meyer zu Drewer Bruder von Dissener Bürgermeisterkandidat gibt Sitz im Rat ab

Jochen Meyer zu Drewer verlässt die Dissener CDU-Fraktion. Foto: Archiv/SeilerJochen Meyer zu Drewer verlässt die Dissener CDU-Fraktion. Foto: Archiv/Seiler

Dissen. 27 Jahre lang vertrat Jochen Meyer zu Drewer die CDU im Dissener Stadtrat. Jetzt gibt er sein Mandat ab – nicht im Zorn, aber verärgert. Dafür gibt es zwei Gründe.

Jochen Meyer zu Drewer ist der ältere Bruder von Ulrich Meyer zu Drewer, der am 26. Mai als unabhängiger Kandidat, seit Kurzem von der SPD unterstützt, Dissener Bürgermeister werden möchte. Beide Brüder sind CDU-Mitglieder – und werden das auch bleiben.

Den Konkurrenten von Ulrich Meyer zu Drewer, Eugen Görlitz, hat eine Findungskommission aus CDU und UWG ausgesucht, die in der Ratsarbeit kooperieren. Auch Görlitz ist CDU-Mitglied, auch er tritt als Unabhängiger an. Aktuell erscheint er auf der Startseite der Dissener CDU mit Ostergruß und Wahlwerbung.

Name kursierte schon

Dass die CDU Görlitz unterstützt, findet Jochen Meyer zu Drewer in Ordnung. Weniger den Weg, der zur Auswahl des 36-Jährigen führte. Eine Findungskommission aus Heiner Prell und Stefanie Hörning (CDU), Maren Öynhausen und Jürgen Dallmeyer (UWG) erkor Görlitz aus. 

"Die Fraktion wurde an der Auswahl nicht beteiligt", bedauert Jochen Meyer zu Drewer. Als der Name Görlitz im vergangenen Jahr beim Stoppelfeldrennen kursierte, habe er Hörning darauf angesprochen. Diese habe ihm die Personalie nicht bestätigen wollen.

Bei der Generalversammlung der CDU stellte sich der Kandidat dann vor. Anschließend habe Prell gefragt: "Oder hat noch jemand einen anderen Vorschlag?" Eine missliche Situation, wenn der Kandidat der Kommission schon auf das positive Votum der Partei wartet, findet Jochen Meyer zu Drewer. Auch sei die Abstimmung über einen Alternativbewerber schon aus formalen Gründen nicht möglich gewesen, weil der Punkt nicht auf der Tagesordnung stand. 

"Also konnten wir nur noch mit Ja, Nein oder Enthaltung votieren. Das entspricht nicht meinem Demokratieverständnis."

Er habe sich aber mit der fehlenden Beteiligung der Fraktion arrangiert – bis zum Brief der Findungskommission 

an ausgewählte Besucher des Vorstellungsabends seines Bruders, in dem Prell, Hörning, Dallmeyer und Öynhausen den Bewerber scharf kritisieren: "Wir haben diesen Brief an rund 50 Teilnehmer der Veranstaltung geschickt, die wir dort gesehen und deren Namen wir uns aufgeschrieben haben", sagte der CDU-Vorsitzende Heiner Prell unserer Redaktion. 

27 Jahre im Rat: Dank an die Wähler

Für Jochen Meyer zu Drewer ein unverständlicher Schritt –  "die Art des Schreibens fand ich problematisch" – und der Anlass, sein Ratsmandat niederzulegen. "Das fällt mir schwer, aber ich kann ja kaum anders. Ansonsten würde ich den Eindruck erwecken, dass ich meinem Bruder das Amt nicht zutraue. Und ich bin sicher, dass er der bessere Kandidat ist, fachlich und persönlich. Input aus der freien Wirtschaft tut so einer kleinen Kommune gut."

Die Findungskommission habe seinen Rückzug einkalkuliert, vermutet Jochen Meyer zu Drewer. Doch interessiert an der Kommunalpolitik bleibe er auch nach seiner letzten Ratssitzung am 6. Mai. "Ich werde Rats- und Ausschusssitzungen bei interessanten Themen weiterhin besuchen und bin jederzeit zu Rat und Hilfe bereit." Nachrücker ist Marc Detert.

Bedanken will sich Jochen Meyer zu Drewer bei den Wählern, die ihm 27 Jahre lang ihr Vertrauen schenkten. "Und ich bitte sie, dieses Vertrauen jetzt meinem Bruder entgegenzubringen. Die Interessen der Dissener sind bei ihm in besten Händen."


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