Mit Wildkräutern den Frühling einleiten Tipps der Kräuterexpertinnen

Eine Sage über das Lungekraut: Beim Stillen des Jesuskinds fielen ein paar Tropfen auf die Blätter des Lungenkrauts. Die hellen Flecken auf den Blättern rühren demnach von der Milch der heiligen Maria her. Wenn man sein Gesicht in die Nähe von Lungenkraut brächte, bekäme man Sommersprossen. Foto: Carolin HlawatschEine Sage über das Lungekraut: Beim Stillen des Jesuskinds fielen ein paar Tropfen auf die Blätter des Lungenkrauts. Die hellen Flecken auf den Blättern rühren demnach von der Milch der heiligen Maria her. Wenn man sein Gesicht in die Nähe von Lungenkraut brächte, bekäme man Sommersprossen. Foto: Carolin Hlawatsch

Dissen. Sie heißen „Gundelmann“ oder „Giersch“, sind mal blau und mal grün und duften häufig intensiv und angenehm. Die Rede ist hier von Wildkräutern, deren interessante Eigenschaften in Vergessenheit geraten sind. Derzeit entwickelt sich aber ein Trend, der uraltes Kräuterwissen wieder aus der Versenkung hervor holt.

Nichts von wegen „Unkraut – weg damit“: Viel zu vielen Gartenbesitzern entgeht durch Unwissen, Unachtsamkeit oder mangelndes Naturbewusstsein eine heimische, sehr gesunde Delikatesse, ein „Super-Food“, wie man heute so schön sagt. „Es stimmt schon, das Giersch und Brennessel sich schnell ausbreitet, aber anstatt sich darüber zu ärgern, kann man sie zur Förderung der eigenen Gesundheit nutzen“, weiß Kräuterexpertin Sabine Schmitz aus Dissen. Giersch hat viel Vitamin C, schmecke nach Spinat und Petersilie und eigne sich hervorragend zur Herstellung von Pesto oder über Nacht zusammen mit Minze oder Zitronenmelisse in Apfelsaft eingelegt, als leckeres Erfrischungsgetränk. Zu identifizieren sei Giersch ganz einfach an seinem dreieckig durchfurchten Stängel und den zwei- bis dreifach geteilten Blättern, die laut vieler Kräuter-Ratgeber an den Fußabdruck einer Ziege erinnern. Daher auch sein volkstümlicher Name „Geißfuß“. Und die Brennessel? – Die eigne sich bestens zur Entschlackung im Frühling, zubereitet als Smoothie oder durch ihren intensiven Geschmack auch lecker zu Rührei. 

Giersch gilt bei vielen Gartenbesitzern als Unkraut. Dabei kann Giersch als Zutat für schmackhafte Gerichte genutzt werden. Das Wildkraut blüht im Juli weiß. Foto: Carolin Hlawatsch



Sabine Schmitz wohnt mitten im Grün, in der Noller Schlucht bei Dissen, umgeben von Wiesen und dem Teutoburger Wald. „Durch Spaziergänge mit meinem Hund wuchs das Naturinteresse und es wird gefühlt immer größer“, meint sie lächelnd. „Derzeit besuche ich einen Vogelstimmen-Kurs des Museum am Schölerberg in Osnabrück“. 2013 belegte sie ein Jahres-Seminar des Bildungsanbieters LEB in Wallenhorst und wurde zertifizierte Kräuterkundlerin. Diesem neu erlangten Wissen wegen, aber auch um Wildbienen, Insekten und Vögeln Nahrung und Rückzug zu bieten, ist ihr Garten naturnah gestaltet. Es gibt darin sogar richtig „wilde Ecken“. 

Nicht jede Pflanze mitnehmen

Manchmal bringt Sabine Schmitz eine Pflanze vom Waldspaziergang mit und setzt sie in ihren Garten. So erfreut dort jetzt im April das Echte Lungenkraut mit seinen teils roten, teils blauen Blüten die ganze Familie und auch die Bienen. Die Lungenkrautblüten wechseln im Laufe der Blühperiode ihre Farbe. Für die Bienen sind die roten Blüten ein Indikator dafür, dass diese noch nicht bestäubt sind. „Aber Achtung, nicht jede Pflanze darf man einfach der Natur entnehmen“, weiß Sabine Schmitz. So steht beispielsweise die Schlüsselblume unter Naturschutz. Sie wird auch „Himmelsschlüssel“ genannt und laut Volksglauben kann man mit ihrer Hilfe verborgene Schätze finden. Früher wurde sie zum Färben von Ostereiern eingesetzt. Heute nutzen Kräuterkundler sie aus eigenem Anbau um daraus „Kopfwehtee“ herzustellen oder kandiert als Torten-Dekoration.

Die Schlüsselblume steht unter Naturschutz und darf nicht einfach vom Wegesrand gepflückt werden, kann aber im eigenen Beet kultiviert werden. Getrocknet als Tee oder Honigzutat hilft sie bei Erkältung, sowie bei Magnesiummangel und Spannungskopfschmerz. Foto: Carolin Hlawatsch


Dass die Neugierde auf Kräuter wieder wächst, bemerkt auch Kräuterfreundin Bettina Dobrawa aus Ostercappeln. Die Heilpraktikerin für Psychotherapie bietet seit sechs Jahren Kurse zum Thema Wildkräuter an, teilweise in Ostercappeln oder auch im Helianthus-Heilkundezentrum in Belm/Vehrte. In ihren sechs bis zehn Kursen pro Jahr fänden sich zunehmen auch jüngere Leute ab zirka 20 Jahre. Zu 90 Prozent bestände die Teilnehmerriege aus Frauen. Die Menschen kämen aus allgemeinem Interesse an der Natur und für die eigene Gesundheit. Am besten besucht seien ihre Angebote zum Thema Kochen mit Wildkräutern. „Die Teilnehmer möchten wissen: Wo kann ich die Kräuter finden? Und wie kann ich sie im eigenen Garten so kultivieren, dass sie auch von anderen Familienmitgliedern akzeptiert werden?“, berichtet Bettina Dobrawa. Brennnesseln könne man zum Beispiel in einen Topf pflanzen um ihre Ausbreitungsfreudigkeit zu begrenzen. 

Der Bärlauch-Boom

Richtig „boomen“ würde aktuell der Bärlauch. „Seine gesundheitsfördernde Wirkung und seine Schmackhaftigkeit haben sich herum gesprochen“, weiß Bettina Dobrawa. Sammlern sei mit auf den Weg gegeben, so Förster Jens Kohlbrecher von der Revierförsterei Iburg, dass es zwar erlaubt ist einen Handstrauß für den Eigengebrauch zu pflücken, nicht aber ganze Tüten voll. „Generell ist Bärlauch nicht geschützt, aber in Naturschutzgebieten ist das Pflücken, geschweige denn das Verlassen der Wege verboten“, so der Förster. Zudem sei Vorsicht vor dem Verwechseln mit anderen Pflanzen geboten. Giftige Doppelgänger gedeihen an denselben Standorten wie Bärlauch. Es bestünde Verwechslungsgefahr mit den hochgiftigen Blättern der Herbstzeitlosen, aber auch mit den giftigen Maiglöckchen. Wer ganz auf Nummer sicher gehen will kann Bärlauch im Frühjahr im Gemüseladen erwerben oder im eigenen Gewächshaus kultivieren. „Im Kommen“ sei, laut Bettina Dobrawa, auch der Löwenzahn. Immer mehr Leute würde Löwenzahnsirup zur Stärkung der Abwehrkräfte einsetzen. Seine Inhaltsstoffe seien so reichhaltig, dass sie die schädliche Wirkung vom Zucker im Sirup aufheben würden. 

Wildkräuterexpertin Sabine Schmitz in ihrem naturfreundlichen Garten in der Noller Schlucht bei Dissen. Foto: Carolin Hlawatsch


Unbekannt hingegen seien Holundersprossen. „Mit diesem Wildgewächs kann ich meine Kursteilnehmer, die nämlich nur die Holunderbeeren und -Blüten kennen, noch immer überraschen“, so Kräuterfreundin Dobrawa. „Die ersten, im Frühjahr wachsenden, jungen Blättchen am Holunder, das sind die sogenannten „Sprossen“. Sie sind Hauptzutat der Kräutersuppe „Grüne Neune“ und bringen den Organismus so richtig in Gang“. 

Der nächste Wildkräuter-Kursus mit Bettina Dobrawa findet am 8. Mai von 17.00 bis 21.30 Uhr in Ostercappeln statt. Detaillierte Infos auf www.heilkunde-helianthus.de oder telefonisch bei Bettina Dobrawa: 05476/1525.

Sabine Schmitz aus Dissen gibt Erlebnisführungen zu den heimischen, essbaren Wildkräutern auf Anfrage. Kontakt: www.kleines-wollwerk.de, Telefon: Tel. 05421/934834.

"Rezept"

Gründonnerstagsuppe – die Grüne Neune
Fester Bestandteil früherer Frühlingsrituale war die Neun-Kräuter-Suppe aus den ersten frischen Pflanzen, die nach der langen Winterzeit Vitamine und Lebensenergie brachten. Als mögliche Auswahl für die Kräutersuppe eignen sich u.a. die Wildkräuter Gundermann, Giersch, Spitzwegerich, Gänseblümchen, Sauerampfer, Scharbockskraut, Brennnessel, Schafgarbe, Bärlauch, Brunnenkresse, Knoblauchsrauke, Löwenzahn, junge Birkenblätter, Weidenröschen, Rauke und Labkraut. Aber auch Küchenkräuter wie Schnittlauch, Petersilie, Liebstöckel, Thymian, Salbei oder Dill können mit hinein. Jeweils eine Handvoll der neun Kräuter ist ein gutes Maß, bei sehr intensiv schmeckenden Pflanzen wie Gundermann, Kerbel oder Liebstöckel kann es auch etwas weniger sein.
Zutaten
    -je eine Handvoll Kräuter
    -1 Zwiebel
    -Butter oder Öl zum Anbraten
    -1/2 Liter Wasser oder Brühe, ev. Milch
    -Salz, Pfeffer, Muskatnuss zum Abschmecken
    -Sahne oder Schmand zum Abrunden
    -Blüten zum Garnieren
Zubereitung
Jeweils eine Handvoll Kräuter klein hacken, mit feingewürfelten Zwiebeln in Butter oder gutem Öl anschwitzen und dann traditionell mit Quellwasser (oder wer mag mit Brühe und einem Schuss Milch) aufgießen. Fünf Minuten köcheln lassen, anschließend mit Salz, Pfeffer, einem Spritzer Zitronensaft und Muskatnuss abschmecken und mit dem Mixstab pürieren. Auf dem Teller eventuell noch einen Klecks Sahne oder Schmand in die Mitte setzen und mit ein paar frischen Blüten z.B. von Gänseblümchen und Gundermann garnieren.
Quelle: http://www.wildkrautgarten.de



Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN