Von Borgloh in die Welt Ole Hengelbrock zu Gast in Kirche und Rathaus

In das "goldene Buch" der Stadt trug sich (vorne von links) Ole Hengelbrock auf Einladung von Bürgermeister Hartmut Nümann und der Stiftung Dissen (stehend von links) mit ihrem Vorsitzenden Pastor Erik Neumann und Vorstandsmitglied Fritz Raube ein. Foto: Petra RopersIn das "goldene Buch" der Stadt trug sich (vorne von links) Ole Hengelbrock auf Einladung von Bürgermeister Hartmut Nümann und der Stiftung Dissen (stehend von links) mit ihrem Vorsitzenden Pastor Erik Neumann und Vorstandsmitglied Fritz Raube ein. Foto: Petra Ropers

Dissen. Humanitäre Katastrophen und Krisenherde überall auf der Welt – zu viele, so scheint es, um ihrer Herr zu werden. Und doch gibt es Menschen, die sich immer wieder und immer weiter engagieren. Zu ihnen zählt Ole Hengelbrock. Am Freitag trug sich der Borgloher in das „goldene Buch“ der Stadt Dissen ein.

In der St.-Mauritius-Kirche berichtete er am Abend auf Einladung der Stiftung Dissen von seiner Arbeit. Zuvor jedoch begrüßten ihn Bürgermeister Hartmut Nümann, Pastor Erik Neumann, Vorsitzender der Stiftung Dissen, und Vorstandsmitglied Fritz Raube gemeinsam mit weiteren Mitgliedern und Förderern bei einem Empfang im Rathaus. Er sei ganz behütet in Borgloh aufgewachsen, erzählte ihnen Ole Hengelbrock.

Fußball im TuS Borgloh, ein Fußball-Stipendium für die USA, ein paar Jahre Vertragsfußball – und dann der radikale Schnitt: Mit dem Verein Cap Anamur ging Hengelbrock nach Sierra Leone und arbeitete inmitten der ausbrechenden Ebola-Krise dort in einem Straßenkinderprojekt. „Nach zweieinhalb Jahren fühlte ich mich leer“, gestand der Borgloher. Doch seine Rückkehr in die Heimat war nicht von langer Dauer. Andere Krisengebiete riefen: Somalia, Libanon, der Balkan. Es war die Geburt seiner Tochter, die ihm einen neuen Lebensmittelpunkt in der Heimat gab und ihm den Blick für eine neue Aufgabe öffnete. 

Vermehrt komplexe Krisen

Heute ist Ole Hengelbrock für Caritas International als Koordinator der weltweiten Krisen- und Katastrophenhilfe tätig und als Referent für Grundsatzfragen in der humanitären Hilfe.  „Es gibt einen Paradigmenwechsel in der humanitären Hilfe“, erläuterte der Ehrengast. Früher habe die Linderung der Symptome in Krisengebieten im Mittelpunkt gestanden. „Heute möchte man die Krise antizipieren und davon ausgehend die Lebensverhältnisse langfristig verbessern.“ Gleichzeitig nimmt die Zahl der sogenannten komplexen Krisen zu, bei denen gewaltvolle Konflikte und die Folgen von Klimaveränderungen zusammenkommen. 

Für ihre Hilfe sind Organisationen wie Caritas International, Cap Anamur und andere auf finanzielle Unterstützung angewiesen. „Aber wieviel Werbung macht man mit dem Leid anderer Menschen? Das ist ein schmaler Grat“, bekannte Hengelbrock. Er weiß nur zu gut, dass die Vielzahl an humanitären Katastrophen Spender wie Helfer erschöpfen und überfordern kann. In derartigen Phasen hilft es, nicht allein auf das Leid zu sehen. Der engagierte Borgloher, der die Stiftung Dissen für ihr Engagement vor der eigenen Haustür schätzt, gab seinen gespannt lauschenden Zuhörern im Rathaus daher ein Zitat von Albert Camus mit auf den Weg: „Wir müssen uns nicht schämen, glücklich zu sein. Wir müssen uns nur schämen, alleine glücklich zu sein.“   


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