Ausfälle und Verspätungen Initiative schlägt Alarm: Ist der Haller Willem zu unzuverlässig?

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Zieleinlauf: Der Bahnhalt Gerry-Weber-Stadion, den viele Beschäftigte von Storck nutzen. Foto: IHW/Johannes BarteltZieleinlauf: Der Bahnhalt Gerry-Weber-Stadion, den viele Beschäftigte von Storck nutzen. Foto: IHW/Johannes Bartelt

Halle/Südkreis. Sind die von der Nordwestbahn bedienten Verbindungen auf dem Haller Willem nicht zuverlässig genug? Ein Indiz dafür könnte die rückläufige Zahl der vom Haller Unternehmen Storck gesponserten Jobtickets für seine Mitarbeiter sein. Die Initiative Haller Willem schlägt Alarm.

Wie sieht es also aus mit der Zuverlässigkeit der Zugverbindungen? Folgt man der Pressemitteilung der Initiative Haller Willem (IHW), häufen sich Ausfälle und Verspätungen. Die Folge: Die Nutzung des Haller Willems auf dem Weg zur und von der Arbeit gehe zurück, argumentieren die IHW-Vertreter und verweisen auf ein Gespräch bei der Firma Storck in Halle.

Weniger Jobtickets: „Die Zahl der Jobtickets ist von etwa 220 auf aktuell 186 zurückgegangen“, wird die Storck-Personalbetreuerin Nadine Riedel zitiert. Obwohl dieses Ticket vom Betrieb mit 50 Prozent bezuschusst werde. Immer mehr Mitarbeiter würden aber abspringen – und nicht nur wegen der Sperrung ab Brackwede. „Die Unzuverlässigkeit der Nordwestbahn hat die Nutzung der Bahn auf dem Weg zur und von der Arbeit zurückgehen lassen“, fasst die Initiative zusammen.

Verlässlichkeit: „Wenn die Kolleginnen und Kollegen nicht sicher sein können, ob der Zug wirklich fährt und pünktlich ist, braucht sich niemand zu wundern, wenn sie sich von der Bahn verabschieden“, bekräftigte die Storck-Betriebsratsvorsitzende Angelika Kampmann. Schließlich sei das Funktionieren der Abläufe davon abhängig, dass die Arbeitsplätze pünktlich besetzt seien.

Erklärungsansätze: Ein rigoroses Dementi der Nordwestbahn bleibt aus, aber es gibt Erklärungen, warum einzelne Züge gar nicht fahren oder es zu Verspätungen kommt: „Leider kommt es auf dem Haller Willem trotz aller Bemühungen auch zu Zugausfällen“, bedauert Steffen Högemann von der Nordwestbahn. Gerade in den vergangenen Wochen sei der Krankenstand durch die Grippewelle erhöht.

Dazu kämen langzeiterkrankte Mitarbeiter, die durch Personenunfälle (Suizide) arbeitsunfähig seien. Allein im Netz OWL betreffe das gut fünf Prozent der Nordwestbahn-Triebfahrzeugführer. Und ohne Triebfahrzeugführer und Kundenbetreuer fahren nun mal keine Züge. Immerhin: Die Nordwestbahn investiert laut Högemann pro Jahr zwischen 1,3 und 1,6 Millionen Euro in die Ausbildung von Triebfahrzeugführern.

Infrastrukturmängel: Verspätungen, so erläutert Högemann, hingen dagegen in der Regel mit der Infrastruktur der Strecke zusammen. Neben jahreszeitbedingten Verspätungen seien auf der Strecke des Haller Willem häufig gestörte Bahnübergänge ein Problem. Dies führe zu erheblichen Verspätungen, die sich aufgrund der größtenteils eingleisigen Strecke dann auf die nachfolgenden Verbindungen auswirkten. Auch kämen immer wieder Signalstörungen vor.

Der Schwarze Peter: „Diese Probleme kann die Nordwestbahn leider kaum beeinflussen“, reicht Högemann den Schwarzen Peter weiter, „natürlich fordern wir vom Infrastrukturbetreiber DB Netz ein, eine funktionsfähige Infrastruktur bereitzustellen.“

30-Minuten-Takt: Der Haller-Willem-Initiative geht es aber nicht nur um Verlässlichkeit. Sie setzt auf eine stärkere Inanspruchnahme der Bahn, wenn der 30-Minuten-Takt über Bielefeld-Halle hinaus bis Osnabrück komme und die Arbeitszeiten besser zu den Ankunfts- und Abfahrtszeiten der Züge passten.

Denn auch das ist ein Problem: „Bei 14.15 Uhr Feierabend ist für viele der Haller Willem um 14.20 Uhr nicht zu schaffen“, erklärt die Storck-Betriebsratsvorsitzende. Dabei wächst Storck: In den vergangenen drei Jahren sei die Mitarbeiterzahl von rund 2500 auf inzwischen fast 3000 gewachsen, berichtete Storck-Personalleiter Ralf Heidmann. Und das Unternehmen will weiter wachsen.

Bahnverkehr verdichten: Für die Initiative sind die Pläne Anlass, den Druck auf den 30-Minuten-Takt auch für den Bahnhalt Gerry-Weber-Stadion zu verstärken. „Für die zusätzlichen Beschäftigten darf nicht nur ein Parkhaus mit Lenkung auf das Auto kommen“, betonte Helga Lange.

Die Aufgabenträger des Schienennahverkehrs, der Verkehrsverbund Ostwestfalen-Lippe (VVOWL) und die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen müssten endlich grünes Licht für die Verdichtung des Bahnverkehrs zwischen Halle und Osnabrück geben, wie das zwischen Halle und Bielefeld schon vorhanden sei.

Zusätzliche Begegnungsbereiche: Von der Planungsgesellschaft Nahverkehr Osnabrück sei dafür bereits die Möglichkeit eines Sprinters vorgeschlagen und die dafür notwendigen weiteren Begegnungsbereiche ausgewiesen worden, berichtete IHW-Vertreter Johannes Bartelt.

Nachdem die Räte aller Anliegerkommunen sich seit Langem für den 30-Minuten-Takt auf der gesamten Haller-Willem-Strecke ausgesprochen hätten, müsse der VVOWL nun auch Nägel mit Köpfen machen.


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