Nach dem Tod Andreas Austmeyers Architekturbüro Austmeyer wird 60: Ein Geburtstag trotz alledem

60 Jahre Architekturbüro Austmeyer: Albert Dick, Niklas Stumpe, Annette Austmeyer-Krieg, Uwe Wagner, Sandra Austmeyer und Julian Kepp schauen optimistisch in die Zukunft der Firma. Foto: André Havergo60 Jahre Architekturbüro Austmeyer: Albert Dick, Niklas Stumpe, Annette Austmeyer-Krieg, Uwe Wagner, Sandra Austmeyer und Julian Kepp schauen optimistisch in die Zukunft der Firma. Foto: André Havergo

Dissen. Ein Architekturbüro wird 60. Zugegeben, das ist kein "echtes" Jubiläum. Aber ein bemerkenswerter Geburtstag. Vor einem Jahr verstarb Architekt Andreas Austmeyer. Sein Team plant weiter: Wie eine Familie zusammenhält – auch wenn hinter den Fachwerkbalken am Karlsplatz nicht jeder mit jedem verwandt ist.

Als der bekannte Dissener Architekt Andreas Austmeyer Anfang Dezember 2017 völlig überraschend mit 53 Jahren verstarb, stand nicht nur die Familie unter Schock. Austmeyer war beliebt, gehörte elf Jahre lang dem Stadtrat an, setzte sich als Aufsichtsratsmitglied für den Lernstandort Noller Schlucht und im Vorstand des Frommenhof-Vereins ein. 

Doch die Familie muss seitdem viel mehr als ihre Trauer bewältigen. Sie muss ein Unternehmen in der Spur halten – unter völlig veränderten Bedingungen. Kunden wollen betreut, Bauprojekte – wie die Dissener Schulmensa  – fortgeführt werden. Doch ein Architekturbüro ohne Architekt darf kein Architekturbüro sein. Von einem Tag auf den anderen war mit der Seele des Büros auch die Existenzgrundlage weg.

Familie wohnte auf 27 Quadratmetern

Nach 59 Jahren. Denn der Begriff Architekt Austmeyer hat Tradition. Gunter Austmeyer, Andreas' und Annettes Vater, hatte nach einer Maurerlehre in Oldenburg studiert und sich 1958 an der Haller Straße in Dissen selbstständig gemacht: Mit einem Reißbrett und 27 Quadratmetern für die kleine Familie.

"Sein erster Auftrag war ein Wohnhaus unterhalb der Ravensburg", erinnert sich Annette Austmeyer-Krieg. "Ein toller Grundriss für einen Bungalow war das." Und die Bauherren waren für sie Tante Elfriede und Onkel Max.  1963 baute Austmeyer selbst in der Elisabethstraße, ein Jahr später wurde Andreas geboren: "Und dann flutschte es mit den Aufträgen." Austmeyer senior arbeitete viel für die Fleischindustrie, "er hat alle rundum bedient". 

Papa brauchte mir nur einen Blick zuzuwerfen. Ich habe sofort angefangen zu quengeln.Annette Austmeyer-Krieg


Schon als kleines Mädchen fuhr sie mit Papa zum Bauamt nach Osnabrück: "Dort haben wir uns in die Schlange gestellt. Und wenn's zu lange dauerte, brauchte mir Papa nur einen Blick zuzuwerfen: Ich habe sofort angefangen zu quengeln." Zur Belohnung fielen beide hinterher bei Horten oder Hertie ein: "Da gab es Eis – Ich fuhr immer gerne mit Papa."

Sie hat nach der Schule einiges ausprobiert, in einer Apotheke gearbeitet, eine Tischlerei hineingeschnuppert, "aber eigentlich wollte ich immer nur zu Papa ins Architekturbüro". Also lernte Annette Austmeyer-Krieg Bauzeichnerin.

Architekt statt Kunstmaler

Ihr Bruder habe ursprünglich Kunstmaler werden wollen. Dann folgte er doch dem Vater, mit Maurerlehre und Studium in Oldenburg. Als er seinen Abschluss hatte, war in Dissen gerade so viel zu tun war, stieg Andreas Austmeyer bei seinem Vater ein, begleitete schnell den Umbau der Ledenburg und der Homman'schen Sandsteinvilla. 

Der Turm der Ravensburg war alles, nur nicht rund.Bauleiter Albert Dick


"Er liebte es, Denkmäler zu restaurieren", erzählt Sandra Austmeyer. Und so plante Andreas Austmeyer den Umbau des Dissener Rathauses und die Sanierung des Ravensburger Turms. "Der war alles, nur nicht rund", erinnert sich Albert Dick. 

Doch irgendwann wollte Andreas Austmeyer hinaus in die weite Welt. Für ihn war das Berlin. Doch als der Vater 1993 verstarb, kam er noch am selben Tag zurück nach Dissen und blieb, plante sein erstes Feuerwehrhaus in Wallenhorst und viele andere Bauten: "Das war eine aufregende Zeit", sagt Annette Austmeyer-Krieg. Fünf Jahre später zog die Firma ins historische Fachwerkhaus am Karlsplatz.

Am Karlsplatz wird hinter historischen Mauern moderne Architektur entworfen. Foto: André Havergo

Inzwischen kommen die Kunden schon in dritter Generation. Umso größer die Anteilnahme und Ratlosigkeit nach Andreas Austmeyers Tod: "Annette, wo kann ich hingehen", wurde ich gefragt, erzählt diese. Die Kunden  gingen dann nicht woanders hin, sondern blieben. Martin Niehenke aus Hagen sprang als Architekt ein, zeichnete Bauanträge ab und half, wo es nötig war. Auch Architektenkammer und Bauamt des Landkreises zogen mit. Albert Dick übernahm die Bauleitung. Er ist 2019 seit 25 Jahren im Team.

Julian Kepp ist seit 13 Jahre dabei, Annette Austmeyer-Krieg blickt auf 45 Jahre zurück. Zeit genug, um zu wissen: "Wir lassen uns nicht unterkriegen, haben uns immer gut abgestimmt und Sachen gelernt, die wir noch gar nicht kannten." Im Frühling gesellte sich Uwe Wagner zum Team. Er war 25 Jahre als freier Architekt im Rhein-Main-Gebiet tätig und sagt: "Zwischen uns passte es von der ersten Minute an."

Ein schwerer Weg

So haben sie den Bestand des Architekturbüros Andreas Austmeyer GmbH gesichert. Ein schwerer Weg, doch heute, nach einem knappen Jahr, kann Sandra Austmeyer sagen: "Jetzt sind wir in dieser Konstellation wieder ein tolles Team und ein Familienbetrieb." Sandra Austmeyer fungiert wie Wagner als Geschäftsführerin und führt weiterhin die Bücher. Alle zwei Wochen trifft man sich am Runden Tisch in Andreas Austmeyers altem Büro unterm Dach.

Hier ist er noch sehr präsent, hier hängen seine Bilder und Zeichnungen. Uwe Wagner mag die Atmosphäre. Und so hat das Büro am Karlsplatz eine Zukunft. Das ist Sandra Austmeyer wichtig, denn Austmeyers haben drei Söhne: "Da wollten wir die Perspektive nicht aufgeben. Es muss keiner, es darf jeder. Aber mit dem Büro ist die Option da, auch wenn unser Team unterschiedliche Nachnamen hat."


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