Diskussion um Landwirtschaftspolitik Schulte to Brinke im Plitzebramel bei der CDU in Dissen

Von Andreas Wenk

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Das Pflanzenschutzmittel Glyphosat ist nicht unumstritten. Schulte to Brinke äußerte sich kritisch gegenüber einigen Organisationen, die aus seiner Sicht aus den Sorgen der Bürger Kapital zu schlagen. Foto: dpa/Julian StratenschulteDas Pflanzenschutzmittel Glyphosat ist nicht unumstritten. Schulte to Brinke äußerte sich kritisch gegenüber einigen Organisationen, die aus seiner Sicht aus den Sorgen der Bürger Kapital zu schlagen. Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Dissen. Niedersachsens Bauernverbandspräsident Albert Schulte to Brinke zu Besuch beim CDU-Dämmerschoppen in Dissen. Er plädiert für eine auf Wissenschaft basierende, moderne Landwirtschaft und warnt vor Angstmacherei.

Mehr als 50 Parteimitglieder, Landwirte und Gäste waren gekommen, um sich den Vortrag und die anschließende Diskussion mit Albert Schulte to Brinke anzuhören. Der niedersächsische Bauernverbandspräsident stellte sich den Fragen von Wolfgang Dettmer, der den Abend mit Zeitungsschlagzeilen der vergangenen zwölf Monate eingeleitet hatte und damit Themenfelder wie Tierschutz, Insektensterben, Wolfsrudel, FFH Schutzgebiete, Glyphosat und den Skandal um ein Iburger Schlachthaus angerissen hatte.

Positionen des Landvolks verteidigt 

Auch wenn Schulte to Brinke wenig überraschend die Positionen des Landvolks verteidigte, streckenweise schlug er durchaus nachdenkliche Töne an und sprach sich dafür aus, Missstände deutlich zu benennen und dagegen vorzugehen. Anders als der eine oder andere Bauer im Restaurant Plitzebramel hält Schulte to Brinke offenbar wenig davon, sich mit Fehlern politisch Andersdenkender auseinanderzusetzen. Mit dem Finger auf andere zu zeigen, bringe einen nicht weiter und Kaskaden von Leserbriefen hielte bestimmte Themen nur länger am Leben, sagte Niedersachsens Bauernpräsident.

Verletzte Tiere in Schlachthof

Als „völlig inakzeptabel und unnötig“ bezeichnete Schulte to Brinke die Zustände in dem Iburger Schlachtbetrieb, der inzwischen geschlossen wurde. Für Unfälle und kranke Tiere gebe es Tierärzte und notfalls mobile Schlachter. In Iburg habe sich aber gezeigt, dass der Betrieb gezielt von Liegendtransporten mit verletzten Tieren aus den neuen Bundesländern angefahren worden sei, ohne das dies moniert worden war. So etwas „geht überhaupt nicht“, sagte Schulte to Brinke.

Auseinandersetzung um Glyphosat

Ebenso entschlossen wie zu Missständen in der eigenen Branche äußerte er sich auch zu Organisationen, die versuchten, aus den Sorgen der Bürger Kapital zu schlagen. Hier habe sich eine „Panik-Industrie“ entwickelt, erklärte der Bauernfunktionär mit Blick auf die Auseinandersetzung um Glyphosat. Dabei sieht er die Gesellschaft an einem Scheidepunkt, ob Landwirtschaft entsprechend wissenschaftlichen Erkenntnissen betrieben werde oder nach von Angst getriebenen Glaubenssätzen.

Ferkelkastration

Breiten Raum widmete Schulte to Brinke dem Thema Ferkelkastration. Hier sieht er keine tragfähige Alternative zur lokalen Betäubung. Auch die männlichen Schweine bereits mit 80 Kilogramm vor der Geschlechtsreife zu schlachten, sei kein gangbarer Weg, weil es keinen Markt für dieses Fleisch gebe. 

Den Wolf lobte Schulte to Brinke als äußerst intelligent. Weidetiere sicher einzuzäunen, funktioniere deshalb nicht. Der Wolf habe gelernt, dass es in der Umgebung des Menschen leicht sei, an Beute und gutes Futter zu gelangen. Etwas zaghaft aber zustimmend äußerte er sich zu dem Statement eines Gastes, der festgestellt hatte, man könne auch gut ohne den Wolf leben. „Auch da könnte ich mitgehen“, sagte Schulte to Brinke. 

Viele Fragen hatte Dissens stellvertretender CDU-Fraktionschef Wolfgang Dettmer (links) an Albert Schulte to Brinke (rechts). Niedersachsens Bauernverbandspräsident kommt aus Bad Iburg. In Dissen hatte er quasi ein „Heimspiel“. Foto: Andreas Wenk


Nach zwei Stunden hatte der Bauernpräsident ruhig und eloquent seine Agenda abgearbeitet, obwohl Dettmer eingeräumt hatte, dass seine Themenliste genügend Stoff für drei Tage bieten könne. 


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