Stimmige Zeitreise in die 20er Ansteckend authentisch: die „Jazz-O-Maniacs“ im Dissener Club

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Mit jazzigen Gesangseinlagen: Die "Jazz-O-Maniacs" heizte im Jazz-Club Dissen-Bad Rothenfelde ein. Foto: Petra RopersMit jazzigen Gesangseinlagen: Die "Jazz-O-Maniacs" heizte im Jazz-Club Dissen-Bad Rothenfelde ein. Foto: Petra Ropers

Dissen. Zu einer ansteckenden Zeitreise in die 20er Jahre starteten die „Jazz-O-Maniacs“ im Jazz-Club Dissen-Bad Rothenfelde durch.

Das anheimelnde, mit Stil die Geschichte des Jazz würdigende Ambiente des Clubs bildete die perfekte Kulisse für eine Band, die sich nicht nur in ihrem Repertoire ganz den 1920er Jahren verschrieben hat: Die „Jazz-O-Maniacs“ erweisen in Sound und Setting gleichermaßen den Small Bands von Jazzgrößen wie Louis Armstrong, Johnny Dodds und anderen die Ehre. „Man spielte im Sitzen“, erfuhren die Musikfreunde vom Clubvorsitzenden Hans Biewener.

Verstärker gab es noch nicht. Und die sieben Hamburger brauchten bei ihrem ersten Auftritt im alten Bahnhof – mit Ausnahme einiger Mikrofone für die Gesangsparts – ohnehin keine technische Hilfe. Mühelos füllten sie den Raum mit Hot Jazz, der vom ersten Takt an die Füße im Rhythmus mitwippen ließ. „Tophits“ des goldenen Jazz-Zeitalters wechselten mit weniger bekannten Titeln in einem Klangbild, das auch in der Besetzung mit einer natürlichen, unaufgesetzten Authentizität aufwartete.

Perfekte Abstimmung

Ansteckende Spielfreude kennzeichnete das Kollektivspiel der „Jazz-O-Maniacs“, wenn sie sich nicht gerade bei fesselnden Solopassagen in perfekter Abstimmung den Ball zuwarfen. Da nahm Carsten Nehring an der Posaune nahtlos den von Bandleader Roland Pilz am Cornett und Christoph Ditting am Saxophon gesponnenen Faden auf. Und auch das Banjo trat unter den flinken Fingern von Owe Hansen immer wieder aus seiner Rolle in der Rhythmusgruppe heraus. Deren tragende Stimme beherrschte Dietrich Kleine-Horst an der Tuba. 

Virtuosität, die keine Effekthascherei benötigt, kennzeichnete das Spiel von Pianist Andreas Clement. Für die Effekte war unterdessen an anderer Stelle gesorgt: Wenn die übrigen Instrumente schwiegen und Gunther Andernach am Waschbrett zu Höchstform auflief, vergaßen die Zuhörer endgültig jede niedersächsische Zurückhaltung: Jubelnder Szenenapplaus quittierte jedes seiner mitreißend-launigen Soli.

Treibende Rhythmen und Balladen

Ein echtes Schmankerl waren die Gesangseinlagen, die insbesondere Bandleader Roland Pilz mit jazzigem Rauch in der Stimme zum Besten gab. Und weil den „Jazz-O-Maniacs“, die selbst bereits auf mehr als 50 Jahre Bandgeschichte zurückblicken, der Spaß an der Musik mit jedem Takt anzuhören war, ließen sich auch die Zuhörer gerne anstecken, bei „I can’t dance“, dem „Gassenhauer“ der 30er, als Backgroundchor mit einzustimmen.

„Little Willie Blues“ von Jabbo Smith’s Rhythm Aces und „Any Time“ von Clarence Williams, Johnny Dodds‘ „My Baby“ und Spencer Williams‘ „I found a new baby“, treibende Rhythmen und vereinzelte Balladen: Die Mischung passte beim ersten Konzert der Hamburger. 

Und für die richtige Mischung sorgt in seinem Jahresprogramm auch der Jazz-Club Dissen-Bad Rothenfelde. Ein Wiedersehen und -hören gibt es deshalb am Samstag, 27. Oktober, mit dem Frank Muschalle Trio, das hier erstmals zum zehnjährigen Bestehens des Jazz-Clubs im August 1996 einheizte.


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