Die wundersame Welt der Ameisen Workshop beim Umweltstandort Noller Schlucht in der Projektwoche „Naturschutz und Religionen“

Von Carolin Hlawatsch, 12.09.2018, 14:00 Uhr
Man sieht nicht alles: Rund eineinhalb Meter tief reicht der Ameisenhaufen noch unter die Erde. Das erfuhren die Teilnehmer des Workshops „Wundersame Welt der Ameisen“ von Diplombiologe Josef Gebbe (Mitte) am Lernstandort Noller Schlucht in Dissen. Foto: Carolin Hlawatsch

Dissen. Selbst ganz klein und doch von so großer Bedeutung für die Natur: In „Die wundersame Welt der Ameisen“, einem Workshop im Dissener Umweltbildunsgzentrum Lernstandort Noller Schlucht tauchten jetzt die Teilnehmer ein, begaben sich in den Wald, gedanklich mitten in einen Ameisenhaufen und erfuhren dabei Erstaunliches.

Bernsteinfunde beweisen, dass die Ameise schon viel länger auf der Erde lebt als der Mensch. Zwölf- bis sechzehntausend Arten gibt es heute weltweit von ihnen, 200 verschiedene in Deutschland. Auch wenn diese Zahlen immens klingen, sind die kleinen Insekten auf Schutz dringend angewiesen. Warum es sich lohnt Augenmerk auf Ameisen zu legen, das erklärte Diplombiologe und Umweltpädagoge Josef Gebbe, der den Workshop leitete: „Sie sind unentbehrlich für ein gesundes Wald-Ökosystem, tragen zur Umschichtung der oberen Erdschichten bei, verbreiten Pflanzensamen und regulieren andere Insekten. Ein Ameisenstaat frisst bis zu 100.000 Insekten am Tag“.  

Wuseliges Ameisenvolk 

Staunend blickten die Teilnehmer im Umweltbildungszentrum in ein Formicarium, eine Art Terrarium, das den Lebensraum der Kleinen roten Waldameise nachbildet. Das Formicarium gehört zum Ameisenmobil (ein Geschenk der 2015 aufgelösten Ameisenschutzwarte Osnabrück), mit dem der Lernstandort auch Schulen aufsucht um dort auf anschauliche Art Wissen über den Nutzen von Ameisen und deren Auswirkung auf die Biodiversität zu vermitteln. Die Workshop-Gruppe erfuhr, dass das wuselige Ameisenvolk im Formicarium gar nicht nicht so emsig ist, wie es scheint. „Was Sie nicht sehen ist, dass 45 Prozent eines Staats innerhalb des Ameisenhaufens eigentlich nur faul herum sitzt“, erläuterte Josef Gebbe nicht ohne zu schmunzeln seinen aufmerksamen Zuhörern. 

Aber auch das hätte, wie alle anderen organisatorischen Zusammenhänge im Ameisenvolk, einen Sinn. Womöglich dienen diese inaktiven Tierchen, so Gebbe, als lebende Reserve. Dass die emsigen unter ihnen einen „Ameisen-Friedhof“ anlegen und tote Körper aus den Gängen heraus schaffen, diene der Vermeidung von Infektionen - verursacht unter anderem durch einen Pilz, der in jeder Ameise lebt und sich nach deren Tot verbreitet. In derartig großen Ansammlungen von Lebewesen, wie in so einem Ameisenstaat, spiele Hygiene eine große Rolle. Durch Berührung getrockneter Harzklümpchen im Ameisenhaufen, desinfizieren sich die winzigen Insekten regelmäßig. „Ameisen haben so einiges drauf, sie können Türme bauen, betreiben Ackerbau und Pflege. Wir Menschen können viel von ihnen lernen. Insbesondere in Bezug darauf, Abläufe effektiv und energiesparend zu nutzen“, sagte der Workshop-Leiter.


Im Formicarium ist das Leben eines Ameisenstaats nachgestellt. Die kleinen Insekten orientieren sich an Düften. Das lernten die Workshop-Teilnehmer vom Diplombiologen Josef Gebbe (links). Foto: Carolin Hlawatsch


Riesiger Ameisenhaufen

Da beim Umweltbildungszentrum Noller Schlucht nicht nur mit Modellen, sondern immer auch am Original gearbeitet wird, wanderte die Gruppe anschließend in den nahe gelegenen Teutoburger Wald. „Dort, ein riesiger Ameisenhaufen“, rief eine Teilnehmerin begeistert. Diese seien leider sehr selten geworden ernüchterte Josef Gebbe. Waldbau, Insektizideinsatz und Baumaßnahmen zerstören den Lebensraum der Ameisen, die sich derzeit auf den Winter vorbereiten. Jetzt fressen sie sich Energiereserven an um dann von zirka Oktober bis März ihre Winterstarre im Ameisenhaufen zu verbringen. Im Innern herrsche eine gleichbleibende Temperatur von 24 bis 27 Grad und speziell aufgeschichtete Tannennadeln isolieren die Gänge vor Regen. 

So nah am Ameisenhaufen stehend, begann es den ein oder anderen Teilnehmer alsbald an den Beinen zu kribbeln und ein lauter „Autsch“-Ruf veranlasste Biologe Gebbe zu warnen: „Ameisen können bis zu einen Meter weit mit ihrer Säure spritzen um Feinde abzuwehren“. Erst als er auf die umliegenden Baumstämme zeigte, entdeckte die Gruppe die vielen Ameisenstraßen die bis in die Wipfel hinauf führten. Dort oben „melken“ die Ameisen Blattläuse. Mit ihren Antennen berühren sie die Läuse, damit sie süßen Honigtau abgeben. Im Gegenzug werden sie von den Ameisen vor Fressfeinden verteidigt. Sobald andere Tiere sich den Blattlauskolonien nähern, werden sie von den Ameisen angegriffen. 

Bewusstsein für den Naturschutz schärfen

„Alles hängt auf raffinierte Weise Zusammen“, bemerkten die Teilnehmer, unter ihnen auch Reinhold Mokrosch vom „Runden Tisch der Religionen Osnabrück“. „Unser Runder Tisch führt gemeinsam mit der NGO „Religions for Peace“ Ortsgruppe Osnabrück erstmalig die Projektwoche „Naturschutz und Religionen“ durch. Osnabrücks Projektwoche findet im Rahmen der bundesweiten Aktion „Religionen für biologische Vielfalt“ des Abrahamischen Forums Deutschland statt mit dem Ziel Naturschutzakteure zu vernetzen und die Bewusstseinsbildung für den Naturschutz schärfen. Infos unter www.abrahamisches-forum.de.

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