Jazz Club Dissen Klassischer Jazz mit der „Storyville Jassband“

Von Rolf A. Habben

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Begeisterten volle drei Stunden mit Jazz aus den 20er- bis 40er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts: die niederländische „Storyville Jassband“ aus Arnheim. Foto: Rolf HabbenBegeisterten volle drei Stunden mit Jazz aus den 20er- bis 40er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts: die niederländische „Storyville Jassband“ aus Arnheim. Foto: Rolf Habben

Dissen. Die Herzen im Sturm erobert hat die „Storyville Jassband“ aus den benachbarten Niederlanden beim traditionellen Jazz-Frühschoppen im Jazzclub Dissen.

Die 1959 gegründete Band zählt zu den ältesten Jazzbands Europas. Sie sind sogar älter als ihr Namensvetter, der Storyville Jazzclub in Arnheim. Den legendären Club gibt es nämlich erst seit 1976. „Wir nehmen euch mit in die einschlägigen Bars und Dance Halls in Chicago, New York und New Orleans“, kündigt Bandleader und Posaunist Peter Dobbe das Repertoire aus den 20er- bis 40er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts an. Mit Traditional Jazz, Swing und natürlich Dixie in ausgefeilten Arrangements und beeindruckenden Soli, gepaart mit viel Enthusiasmus und einer ordentlichen Prise Humor bestachen die sympathischen Niederländer über volle drei Stunden, kurzum: Jazz auf höchstem Niveau.

Sie hätten gleich zwei Probleme im Gepäck mitgebracht, klärte Dobbe anfangs auf: Ihre deutschen Sprachkenntnisse seien eher bescheiden, „deshalb kommunizieren wir mit euch lieber durch die Musik“. Und zum anderen seien sie ein wenig müde, weil sie gegen Mitternacht aus Dänemark direkt nach Dissen gekommen seien. Geschlafen hätten sie in ihrem Van. Gleichwohl war ihnen Müdigkeit auch zum Start am späten Vormittag ganz und gar nicht anzumerken. Durchgängig „arbeiten“ mussten in den drei Sets in der Railway Station ohnehin nur Banjo, Schlagzeug und Kontrabass als rhythmische Korsettstangen, während sich das Bläser-Trio je nach Titel die eine oder andere Atempause gönnen durfte.

Hellwach und mit nicht aufgesetzter Spielfreude absolvierten alle Instrumentalisten ihren Part, was vor allem für Michel Muller mit seinen tänzelnden und rhythmisch wippenenden Einlagen an der Trompete galt. Auch Bandkollege Eugène de Bruijn mit seiner Klarinette stand ihm in puncto Spielfreude in nichts nach. Faszinierend sein Spiel in „Blues my naughty sweety gives to me“, dargebracht als Quartett zusammen mit Hein van Roojen am Kontrabass, Ton Stuip mit seinem Banjo sowie Stef Geurts am Schlagzeug.

Mächtig Feuer entfachte das Sextett zum Ende des zweiten Sets in „Hindustan“, das die immer schneller werdende Abfahrt einer Dampf-Lok spektakulär intonierte. Beeindruckend hier vor allem Geurts' mehrminütiges Drum-Solo, vom Publikum frenetisch bejubelt. Außergewöhnlich auch das „New Orleans Hula“, mit für jazzige Ohren fremdartigem Aloha He als Intro gesungen. Nicht minder beeindruckend das melodische „Petit fleur“, bei dem Dobbe seine Posaune gekonnt gegen eine Akustikgitarre tauschte. 




Beeindruckend: das Bläser-Trio der „Storyville Jassband“ (von links) mit Eugène de Bruijn, Michel Muller und Peter Dobbe. Foto: Rolf Habben


Die unvergänglichen Klassiker „Down by the Riverside“, vom Publikum interaktiv begeisternd begleitet, sowie der Einmarsch „When the Saints“ beendeten einen wahrlich beeindruckenden Frühschoppen. Ohne „Toegift“, wie die Zugabe holländisch heißt, wollte das Auditorium die Musiker trotz fortgeschrittener Stunde aber nicht entlassen, dem die sympathischen Holländer mit Louis Armstrongs „What a Wonderful World“ auch willig nachkamen.


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