Arbeit mit Pferden läuft über Körpersprache Schollhof in Dissen zur modernen Reitanlage ausgebaut

Von Harald Preuin

Vor zehn Jahren haben Michael und Yvonne Born (hier mit ihren Kindern Nils (16) und Emma (5) sowie Einstallerin Naomi (16, mit ihrem Pferd Call me Ossi) den Schollhof gepachtet und eine moderne Reitanlage aufgebaut. Foto: Harald PreuinVor zehn Jahren haben Michael und Yvonne Born (hier mit ihren Kindern Nils (16) und Emma (5) sowie Einstallerin Naomi (16, mit ihrem Pferd Call me Ossi) den Schollhof gepachtet und eine moderne Reitanlage aufgebaut. Foto: Harald Preuin

Dissen. „Jedes Pferd hat einen anderen Charakter“, sagen Michael und Yvonne Born. Man sieht es schon auf der Weide. Einige Tiere sind quirlig, andere nervös, wieder andere ruhiger. Für die beiden Pferdeexperten aus Dissen liegt die Wesensbandbreite zwischen blütiger und blutleer.

Jetzt in der Sommerhitze fühlen sich auch die Vierbeiner im Schatten wohler. Die Borns haben 45 Pferde als Mitbewohner auf der Reitanlage Schollhof, die unweit des Röwekamps am Südhang des Teutoburger Waldes liegt. Seit zehn Jahren betreibt Michael Born (39) mit seiner Frau Yvonne (39) den Pensionspferdebetrieb mit Jungpferdeausbildung bis zur Hengstkörung. Beide sind Pferdewirte und in ihre Arbeit vernarrt: „Man muss mit Herzblut dabei sein.“

Haupt- und Landgestüt

Michael Born hat seine Ausbildung im Brandenburgischen Haupt- und Landgestüt in Neustadt an der Dosse absolviert, ging danach auf das Gestüt Erlenhof in Bad Homburg und später in den Sportpferde-Springstall des ehemaligen Springreiters Wolfgang Brinkmann nach Herford, wo er acht Jahre für die Jungpferdeausbildung zuständig war.

Schon damals keimte in ihm die Idee, sich mit einem Pferdehof selbstständig zu machen. Unterstützung fand er in seiner damaligen Freundin und heutiger Frau, die damals ebenfalls im Springstall Brinkmann tätig war. Nur per Zufall sind beide letztlich in Dissen gelandet, eine andere Option war Dortmund, doch das war beiden eine Nummer zu groß. Lieber klein anfangen, war die Devise.

Großes Aufräumen

In Dissen war auf dem ehemaligen landwirtschaftlichen Betrieb erst einmal großes Aufräumen angesagt. Ungepflegt habe der Hof ausgesehen, das passte nicht in die Ordnungsliebe des Paares. „Unser Grundstein war und ist, einen sauberen und gepflegten Betrieb zu führen“, ist die Devise. Mit 20 Einstellboxen für Pensions- und Ausbildungspferde starteten die Borns vor genau zehn Jahren. Michael Born konnte den Verpächter überzeugen, eine Reithalle zu errichten, die pünktlich zur Eröffnung bezogen werden konnte. Mehr aus Dissen im Netz

Heute stehen 45 Pferde unter dem Dach des Schollhofes. Für die Pensions- und Ausbildungspferde gibt es verschiedene Haltungsformen, von Innenboxen über große Laufställe mit angrenzenden Sandpaddocks und Paddockboxen für einzelne Pferde. Die Wiesen rund um den Hof dienen als Auslauf, sie sind in Parzellen aufgeteilt, um unterschiedlich große Herden zusammenzustellen.

Ausbildung

Jahr für Jahr ist der Schollhof immer weiter herausgeputzt worden. Alle Arbeiten sind dem Ziel untergeordnet, den Tieren ein gutes Zuhause zu bieten. Michael und Yvonne Born sind stolz, Stammkunden zu haben, die ihre Pferde seit Jahren bei ihnen einstallen, und Pferdebesitzer, die ihre Dreijährigen zur Ausbildung in die Obhut von Michael Born geben. Drei bis zwölf Monate bleiben die im Fachjargon genannten Remonten auf dem Schollhof, bevor sie von ihren Besitzern verkauft oder selbst geritten werden.

Neben der Reithalle liegt ein Reitplatz für die Dressur- oder Springpferde-Ausbildung. Hier zeigen sich die Wesensmerkmale der Tiere, die sich für Michael und Yvonne Born schon auf der Weide angedeutet haben, wie unter einem Brennglas. Danach verläuft der Ausbildungsplan. Yvonne Born: „Die Arbeit mit Pferden läuft über Körpersprache“. Man müsse fühlen, wie ein Pferd empfindet. Beim Wort „Pferdeflüsterer“ schmunzelt sie vielsagend.

Wasserverbrauch

In Reithalle, Außenplatz und den Longierzirkel sind spezielle Reitböden eingebaut worden, die mit einem hohen Lehmanteil im Sandgemisch einen gelenkschonenden Untergrund bilden. Er wird besonders jetzt regelmäßig gewässert, um die Bodenstruktur konstant zu halten. Pro Dürretag sind dazu und für das Stallwasser und die Pferdeversorgung etwa 10.000 Liter Wasser erforderlich, die in Normalzeiten aus der 25.000 Liter fassenden Zisterne kommen. Die ist jetzt allerdings leer. Nun muss teures Stadtwasser angezapft werden.

Übrigens, und das sagen die Borns nicht ohne Stolz, gab es in den letzten zehn Jahren keinen Notfalleinsatz für den Tierarzt auf dem Schollhof. Bislang sind keine Koliken bei den Tieren aufgetreten. „Wir legen Wert auf hochwertiges Futter,“ sagt Michael Born, „das ist der Grundstock für alles“.


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