Gespräche über Apotheken-Landschaft Tiemo Wölken besucht Süderberg-Apotheke in Dissen

Von Carolin Hlawatsch


Dissen. Wie sehen die täglichen Abläufe im Arbeitsfeld von Apothekern aus und welchen Herausforderungen müssen sie zukünftig in ihrem pharmazeutischen Beruf gewappnet sein? – Darüber wollte sich Tiemo Wölken, Abgeordneter der SPD für den Bereich Osnabrück-Emsland im Europäischen Parlament, informieren. Er freute sich über die Einladung von Annette Brinkmann-Lescher, Inhaberin der Süderberg-Apotheke in Dissen, wo er einen Blick hinter die Kulissen warf.

Als Kunde nimmt man in der Apotheke zumeist Wände bestückt mit Medikamenten und Kosmetik, die Verkaufstresen sowie das beratende Personal wahr. Dass eine Apotheke aber noch viel mehr ist, darüber staunte Tiemo Wölken: „Spannend mal in die Produktion schauen zu können und somit ein Gefühl für das wirklich komplexe Handwerk der Apotheker zu bekommen“. Annette Brinkmann-Lescher und ihr Team präsentierten dem Politiker die Herstellung von Rezepturen, die präzisen Überprüfungen der Substanzen im Vorfeld, sowie das Medikationsmanagement und die Seniorenheim-Versorgung. „Wir stellen hier die Medikamente für die Bewohner mehrerer Heime in Dissen und naher Umgebung zusammen“, erklärte die Apothekerin.

Sechs Medikamentenlieferungen pro Tag

Sechs Medikamentenlieferungen bekommt die Süderberg-Apotheke pro Tag. Bei der Ausgabe der Medizin an die Kunden wird das Apotheken-Team von einem Roboter unterstützt. Einmal den Namen des Medikaments am Handverkaufstisch in den Computer eingegeben, sucht der Roboter im Hinterraum das entsprechende Produkt und transportiert es in den Ausgabeschacht. „Der Roboter ist ein sogenannter Kommissionierer. Wir nennen ihn liebevoll Karl“, erklärte die Apothekerin lachend als sie Wölkens überraschten Gesichtsausdruck bemerkte.

Dass Tiemo Wölken ausgerechnet die Dissener Apotheke besuchte, ergab sich bereits im November 2017 in Brüssel. Dort traf er bei einem Austausch über geplante Regulierungen für die „freien Berufe“ wie Apotheker oder Ärzte auf Annette Brinkmann-Lescher, die als Mitglied des Vorstands der Apothekerkammer Niedersachsen teilnahm und ihn nach Dissen einlud.

Digitalisierung als Herausforderung

Neben der Veranschaulichung der Arbeitsabläufe gab es am Freitag genug Raum für Gespräche über die Entwicklung der Apothekenlandschaft. „Die größte Anforderung, die nun auf uns zukommt, ist die Umsetzung der Digitalisierung“, bemerkte Annette Brinkmann-Lescher. Zu kämpfen haben die deutschen Apotheken zudem mit dem Preisvergleich zu ausländischen Online-Versandapotheken die Boni auf verschreibungspflichtige Arzneien vergeben dürfen. „Dabei gibt es in Deutschland doch ein gerechtes System, das sich am individuellen Lohn orientiert und sicherstellt, dass der Patient finanziell nicht überbelastet wird“, meinte die Apothekerin. Menschen, die viele Medikamente benötigen, müssten bei allen Krankenkassen zwei Prozent ihres Bruttoeinkommens zuzahlen, bei chronisch Kranken sinke die Zuzahlungsquote sogar auf ein Prozent.

Dem stetigen Apothekenschwund in Deutschland, insbesondere im ländlichen Raum, wirken einige Apotheken mit Botendiensten entgegen, um eine flächendeckende Versorgung der Patienten sicher zustellen. Dies ist ein teurer Kundenservice für die Apotheke und lohnt sich nur bei effizienten Fahrtwegen und genauer Kalkulation. Der zusätzliche Druck, den der Versandhandel aus dem europäischen Ausland dabei ausübe, führe allerdings dazu, dass viele kleine Apotheken sich nicht mehr halten könnten. Auch die Süderberg-Apotheke bietet seit vielen Jahren einen Botendienst als kostenlosen Service für alte oder gehandicapte Menschen sowie für Mütter mit kleinen Kindern. „Bei Anforderung rezeptpflichtiger Medikamente liefert und kontrolliert unser pharmazeutisch geschultes Personal, das auch direkt an der Haustür beraten kann“, sagt Annette Brinkmann-Lescher. Überhaupt spiele die Kontrolle der Abläufe, angefangen bei der Einwaage und Dokumentation der Medikamente bis hin zur Ausgabe an den Patienten eine sehr wichtige Rolle im Apotheker-Alltag. „Die Apothekerlandschaft, so wie wir sie hier in Deutschland haben, ist meines Erachtens nach wertvoll für den Patienten und bietet durch das „Vier-Augen-Prinzip“ und die Abläufe, so wie ich sie heute hier kennen lernen durfte, große Sicherheit“, resümierte Tiemo Wölken am Ende des informativen Vormittags.


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