Gausepohl ist raus Nach Insolvenz: Rila rettet Menzi Feinkost in Versmold

Von Stefanie Adomeit

Menzi Feinkost am Bockhorster Landweg in Versmold gehört in zwei Wochen der Stemweder Feinkost-Gruppe Rila Foto: Achim KöppMenzi Feinkost am Bockhorster Landweg in Versmold gehört in zwei Wochen der Stemweder Feinkost-Gruppe Rila Foto: Achim Köpp

Versmold/Stemwede. Manchmal wiederholt sich Geschichte. Vor drei Jahren war die Versmolder Firma Menzi insolvent. Franz Josef Gausepohl Junior bewarb sich um den Kauf des Traditionsunternehmens mit damals 36 Mitarbeitern und erhielt den Zuschlag. Jetzt ist Menzi erneut in die Pleite gerutscht – und gehört ab August Rila.

Menzi mit Sitz am Bockhorster Landweg hatte Anfang April Insolvenz anmelden müssen. Seitdem führte wieder der Bielefelder Insolvenzverwalter Yorck Streitbörger die Geschäfte.

Es sei ihm gelungen, die Kosten zu senken und die Umsätze zu stabilisieren. „Um den langfristigen Fortbestand zu sichern, war es jedoch notwendig, schnellstmöglich einen Investor zu finden“, zitiert Rila Streitbörger in einer Pressemitteilung. Gespräche hat Streitbörger demnach mit fast 20 Interessenten geführt. Am Ende habe es ein Kopf-an-Kopf-Rennen gegeben, das Rila für sich entscheiden konnte.

Damit ist Menzi, das vor 73 Jahren gegründete Unternehmen, gesichert: 42 „Menzianer“ sollen ihren Arbeitsplatz behalten. Rila plant jetzt kurzfristig Investitionen in die Betriebsmittel, um die Produktion weiter auszubauen. Neben bewährten Produkten von Menzi will Rila künftig auch eigene Artikel in Versmold herstellen. Damit seien die volle Auslastung der Produktionskapazitäten und der langfristige Bestand von Menzi gesichert, so Rila.

Mediterrane Spezialitäten

Die Rila-Gruppe wurde 1969 von Ursula und Helmut Richter gegründet. Kerngeschäft war zunächst der Import und Vertrieb mediterraner Spezialitäten, so das Unternehmen auf seiner Homepage. Heute hat Rila eigene Produktionsstandorte in Deutschland, Griechenland und Chile und wird von Helmut Richter und seinem Sohn Bernd Richter geleitet. Ein Drittel der Produkte wird in eigenen Betrieben hergestellt, die übrigen Produkte aus mehr als 50 Ländern der Welt importiert. Das Unternehmen in Stemwede im Kreis Minden-Lübbecke beschäftigt 275 Mitarbeiter.

Menzi war schon einmal zahlungsunfähig. 2015 war das Unternehmen in die Pleite gerutscht. Auch damals hatte Streitbörger die Insolvenzverwaltung übernommen. Er entschied sich 2016 unter sechs Interessenten für den Dissener Franz Josef Gausepohl, den Sohn des früheren Fleischunternehmers Franz Gausepohl. Streitbörger erklärte damals, „ein gut aufgestelltes Unternehmen zu übergeben“. Dieses sei durch die Optimierung des Vertriebs und einige Innovationen nicht länger defizitär.

Menzi kommt aus der Wirtschaftswunder-Zeit

Kurz nach der Übernahme hatte Gausepohl das Stammkapital um 975000 Euro auf eine Million Euro erhöht. Zu seinem Kauf sagte er: „Menzi ist ein tolles Unternehmen, das hochwertigste Fertiggerichte seit Generationen herstellt. Ich freue mich, mit dem gesamten Menzi-Team in eine gesicherte Zukunft gehen zu dürfen.“ Es kam anders.

Menzi wurde 1945 von Gustav Fuest gegründet. 2014 erzielte das Unternehmen nach Informationen der Lebensmittelzeitung einen Umsatz von 7,5 Millionen Euro. Seine Suppen, Fonds, Soßen und Eintöpfe liefert Menzi vorwiegend an die Gastronomie, Cash-und-Carry-Märkte wie die Metro und den Einzelhandel.


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