Kritik: Zu teuer, zu uneffektiv „Jugend stärken“ in Dissen: Ratsbeschluss gegen UWG/FDP

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Ein bunter Bauwagen als mobiles Büro: Für das Projekt „Jugend stärken im Quartier“ griffen Jugendliche vor drei Jahren gemeinsam mit dem Sozialpädagogen David Licher (links), Cherelle Gossan von den „Lackaffen“ und Derk van Berkum, Geschäftsführer des Lernstandortes Noller Schlucht, zur Spraydose. Foto: RopersEin bunter Bauwagen als mobiles Büro: Für das Projekt „Jugend stärken im Quartier“ griffen Jugendliche vor drei Jahren gemeinsam mit dem Sozialpädagogen David Licher (links), Cherelle Gossan von den „Lackaffen“ und Derk van Berkum, Geschäftsführer des Lernstandortes Noller Schlucht, zur Spraydose. Foto: Ropers

Dissen. „Dieser Punkt wird nicht einstimmig entschieden“, kündigte Maren Öynhausen von der UWG in der Aussprache vor der Abstimmung des Dissener Rates an. Und so kam es auch. Gegen die Stimmen der UWG/FDP-Gruppe beschlossen die Kommunalpolitiker, das Projekt „Jugend stärken im Quartier“ für weitere drei Jahre mit insgesamt 50.000 Euro zu unterstützen.

Das Modellprogramm des Bundesfamilienministeriums läuft seit 2015 unter anderem in Dissen, Belm und Quakenbrück. Gelder kommen vom Europäischen Sozialfonds. Als Träger kooperiert der Landkreis Osnabrück vor Ort mit der Maßarbeit und den Kommunen. In der ersten Förderrunde setzten 178 Modellkommunen Projekte zur Förderung junger Menschen zur Überwindung von sozialen Benachteiligungen und individuellen Beeinträchtigungen am Übergang von der Schule in den Beruf um.

Mit einer Eigenbeteiligung von 20.000 Euro im Jahr kann Dissen 1,5 Sozialarbeiterstellen finanzieren. Diese sind an den Lernstandort Noller Schlucht angedockt. „Die Mikroprojekte haben sich in der Durchführung als sehr schwierig gezeigt, da sich die Beteiligung der Teilnehmer für ein konkretes Projekt als schwierig erweist“, heißt es in der Vorlage der Verwaltung.

Auch Belm und Quakenbrück machen weiter

Aktuell seien zwei Mikro- bzw. Integrationsprojekte in Arbeit oder in Planung. Die Stadtverwaltung hält die Fortführung des Projekts dennoch „absolut für notwendig“, unter anderem, weil es in Dissen Jugendliche gebe, denen die Maßnahme helfen könne. Auch Belm und Quakenbrück hätten sich für die Fortsetzung ausgesprochen.

„Das Projekt überzeugt uns nicht. Es ist zu teuer, zu offen und zu wenig effizient“, erklärte Öynhausen. Jährlich 20.000 Euro einzusetzen, damit das Projekt weitergeht, sei bei der sehr angespannten Haushaltslage und vielen konkreten Aufgaben in Schulen und Kitas nicht richtig. „Wir kriegen Probleme durch die starke Zuwanderung und brauchen hier Projekte, die einen guten Start ermöglichen.“

Schwierig zu greifen

Derk van Berkum, SPD-Ratsherr und Geschäftsführer des Lernstandortes, antwortete direkt auf Öynhausens Kritik: „Ja, soziale Projekte sind schwierig zu greifen“, räumte er ein. Das Projekt „Jugend stärken“ aber richte sich ganz bewusst an Dissener, die keiner gerne sehen wolle, an massivst Drogenabhängige, Obdachlose, „Menschen, die unsere Gesellschaft ausgespuckt hat“, so van Berkum. Diesen einen Lebensrhythmus zu geben, sie in das SGB II oder in Arbeit zu führen, sei Sinn und Zweck des Projekts. Zwar zahle Dissen dafür 20.000 Euro im Jahr, die Stadt bekomme aber auch 60.000 Euro dazu.

Natürlich kämen Zuwanderer in die Stadt, wie Öynhausen gesagt hatte, sicherlich träten auch hier Probleme auf, weil diese anfangs beispielsweise nicht wüssten, wie unser Gesundheitssystem funktioniert. Doch die städtische Förderung für das Jugendprojekt zu streichen, bedeute, sich gegen Jugendliche zu wenden, die keiner haben wolle, betonte Derk van Berkum.


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