Gute-Laune-Musik Worried Men Skiffle Group beim Jazz-Frühschoppen in Dissen

Von Rolf Habben

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Dissen. Das passte so richtig zum Anlass: Für mächtigen Dampf in der Railwaystation in Dissen sorgte die „Worried Men Skiffle Group“ mit einem zünftigen Jazz-Frühschoppen. Einmal mehr bewies der Jazz Club um Vorsitzenden Hans Biewener seine Vielseitigkeit in der Programmgestaltung.

Skiffle, ursprünglich in den 20er Jahren die Musik der ärmeren Leute in den Staaten, schwappte in den 50ern über den Großen Teich nach Europa und erlebte sein Revival vor allem in England unter anderem durch Lonnie Donegan und Ken Kolyer. Viele britische Pop-Superstars der 1960er und 1970er Jahre hatten mit Skiffle begonnen, so etwa The Quarrymen als Vorläufer der späteren Beatles, selbst die Rolling Stones oder Rod Stewart hatten ihre ersten Gehversuche in Skiffle Bands.

Weithin bekannt

Anfang der 60er Jahre formierten sich die „Worried Men“, benannt nach einem uralten Bluestitel, in Bielefeld und wurden schon damals weit über die Grenzen Ostwestfalens bekannt. Das aus traditionellem Skiffle bestehende variable Repertoire der „Besorgten Männer“ aus Ostwestfalen war durchsetzt mit jeder Menge Elementen aus Blues, Blue-Grass, Folk, Rock und Pop.

Ebenso amüsant wie abenteuerlich auch das Instrumentarium des Quartetts. Paul-Gerhard Lange mit Gitarre überzeugte mit kraftvoller Stimme und ebenso heiterer wie informativer Moderation, der vielseitige Helmut Schibilsky am Tenorbanjo, an der Gitarre und am 5-string-Banjo sowie mit der Harp. „Furchterregend“ arbeiten musste auch Udo Kollmeier „mit seinen fingerhut-bewehrten Cotton-Handschuhen“ an seinem Percussion-Set aus Waschbrett („aus Omas Waschküche“), Becken, Hupen, Trillerpfeife und Triangel und last but not least Günter Kollmeier am selbst gebastelten Kistenbass seiner original Ceylonesischen Teekiste. Unglaublich welche Höhen und Tiefen er allein aus einem einzigen Bindfaden seines Instruments hervorzaubern konnte.

Kamm-Blasen

Als wäre das für sich nicht schon spektakulär genug, sorgte Schibilsky mit seinem Kazoo, einem kleinem Membranophon, für zusätzlich Furore, das ähnlich der Technik des Kamm-Blasens mit Butterbrotpapier, dem Röhrchen quäkig nasal verzerrte Klänge entlockte.

Volle drei Stunden begeisterte die bestens aufgelegte Truppe das Publikum mit einem Mix aus ihren drei Alben. Im Repertoire fehlte Skiffle-Veteran Lonnie Donegan ebenso wenig wie jede Menge Train-Songs als Reminiszenz an die Spielstätte im Dissener Bahnhof, von Kollmeier am Waschbrett jeweils gekonnt imitiert die Abfahrt einer Dampflok. Auch Bluesgrößen wie Robert Johnson und Huddy Leadbetter standen auf ihrem Zettel, angereichert mit Popstars wie die Kinks, Tom Petty oder Creedance Clearwater Revival, bei deren „Down on the corner“ Kollmeier Teile seines Drum-Sets („Udo in Extase“) zum Einsturz brachte, das Langer als „Teil unserer unnachahmlichen Bühnenshow“ elegant kommentierte. Alle Titel immer auch in eigenen skiffletypischen Arrangements vorgetragen.

Sentimentale Ballade

Weit entfernt vom Skiffle und als Sahnehäubchen zum Finale überraschte die Skiffle Group dann noch mit „Sloop John B., bekannt von den Beach Boys und der sentimentalen Ballade „Ruby Tuesday“ von den Rolling Stones. Mehr aus Dissen im Netz


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