Elefant als Streitschlichter Was Babysitter wissen müssen

Von Alexander Heim

Meine Nachrichten

Um das Thema Dissen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

In das so genannte Aua-Buch gehören die wichtigsten Telefonnummern für den Fall der Fälle. Es soll aber auch helfen, etwaige kleine Unfallsituationen für alle Beteiligten transparent festzuhalten. Das schafft Vertrauen auf allen Seiten, haben auch Hannah und Lea im Kurs gelernt. Foto: Alexander HeimIn das so genannte Aua-Buch gehören die wichtigsten Telefonnummern für den Fall der Fälle. Es soll aber auch helfen, etwaige kleine Unfallsituationen für alle Beteiligten transparent festzuhalten. Das schafft Vertrauen auf allen Seiten, haben auch Hannah und Lea im Kurs gelernt. Foto: Alexander Heim

Dissen. Was tun, wenn sich ein Kleinkind verbrüht hat? Wen rufe ich an, wenn ein Zweijähriger möglicherweise etwas Giftiges getrunken hat? Und: Wie lässt sich der Kampf mit der vollen Windel am besten bewältigen? Fragen wie diese waren es, denen die Teilnehmer des jüngsten Babysitter-Kurses der Mauritius-Gemeinde in Dissen nachspürten.

16 waren es in diesem Jahr, die der Einladung der Stiftung Dissen folgten. Nun trafen sie sich im Lutherhaus, um sich intensiv auf einen möglichen Einsatz als Kinderbetreuer vorzubereiten. „Meine Nachbarskinder sind alle so zwei oder drei Jahre alt“, verrät etwa Lily ihre Motivation. „Deren Eltern haben mir vorgeschlagen, doch mal einen Babysitterkurs zu machen, schließlich könnten sie sich gut vorstellen, dass ich mal aufpasse“, erzählt die 13-Jährige. Für Lea (12) ist die Motivation noch viel naheliegender: „Meine kleine Schwester ist jetzt einen Monat alt“, verrät sie. „Dann habe ich vielleicht sogar ein paar Tipps parat“, erhofft sie sich vom Kurs.

Ein Junge dabei

Pascal ist der einzige Junge, der an diesem Nachmittag beim Babysitter-Workshop mit dabei ist. „Ich wollte schon Zettel im Kindergarten aushängen“, so der 14-Jährige. Von einem Freund sei er auf die Idee gebracht worden – was das Babysitten angeht und den Kurs.

Gemeinsam mit Sabine Neugebauer und Iris Kästner erörtern die Jugendlichen im Alter zwischen zwölf und 15 Jahren im Verlaufe des Kurs-Tages eine ganze Reihe wichtiger Fragen. Und sie werden auf verschiedene Weise praktisch aktiv. Die freche Lisa will da etwa fachgerecht und einfühlsam gewickelt werden. Die Stoffpuppe in der Größe eines Kleinkindes gibt sich dabei ganz handzahm.

Dokumentation für Beulen

Sogenannte Aua-Bücher werden von den jungen Teilnehmerinnen erstellt und mit viel Ideenreichtum auch schön gestaltet. In sie sollen die angehenden Babysitter-Profis einen wichtigen Zettel einkleben. Aber die Kladde auch zur Hand nehmen, wenn sich im Einsatz doch mal kleine Beulen ergeben. Die Idee: im Buch festhalten, was passiert ist und was man gemacht hat – dann ist es auch für die Eltern transparent. „So etwas schafft Vertrauen“, erläutert Iris Kästner.

An einem weiteren Tisch werden Elefanten aus Pappe gebastelt. Die bunt angemalten Dickhäuter sollen später einmal eine spielerische Funktion erhalten, sollen etwa bei etwaigen Konflikten zum „neutralen“ Gesprächspartner für die Kinder werden können.

Gesunde Ernährung

Ob Säuglings- und Kleinkinderpflege, ob das gewaltfreie Lösen von Konflikten, ob die Bedeutung von Ritualen oder mögliche Gefahrenquellen, die im Haushalt so lauern können – das Portfolio der Themen war breit gespannt. Auch gesunde Ernährung stand auf dem Stundenplan. Und zwar ebenfalls ganz praktisch: „Wir haben gemeinsam Bolognese mit viel Gemüse gekocht“, erläuterte Sozialarbeiterin Iris Kästner. Lieder, Kniereiterverse und Fingerspiele rundeten das Programm ab.

„Ich fand gut, dass wir gelernt haben, was wir in Notfällen tun können“, fasste Milena (15) ihr persönliches Fazit zusammen. Und auch Pascal räumt ein: „Mir hat das Aua-Buch Spaß gemacht. Da konnten wir einerseits kreativ werden, und man braucht das ja immer mal!“

Am Ende gab es nicht nur eine Mappe mit den gesammelten Informationen mit nach Hause. Auch die Checkliste mit dem Überblick zu Ritualen, Unverträglichkeiten, wichtigen Rufnummern etc. fand ihren Weg in die Aua-Bücher. Und natürlich gab es zum großen Finale auch Zertifikate für alle Teilnehmer. Die können sie vor potenziellen Einsätzen nun den Eltern vorweisen. Und damit zugleich unterstreichen, dass sie ihren ersten, äußerst wichtigen Führerschein schon einmal mit Bravour bestanden haben.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN